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Autoimmunität

Das Risiko für Typ-1-Diabetes sinkt mit zunehmenden Alter

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler

Das Risiko, die Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes zu entwickeln, ist in den ersten Lebensjahren am größten und sinkt bereits bis zum 6. Lebensjahr um das 4-fache ab. Die Ergebnisse einer aktuellen Auswertung der internationalen TEDDY-Studie könnten dazu beitragen, die Strategien zur frühen Diagnose und zur Vorbeugung von Typ-1-Diabetes zu verfeinern. Darüber hinaus erleichtern sie Familien die Einschätzung des mit dem Alter verbleibenden Krankheitsrisikos.

Schon Jahre vor dem Ausbruch der Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes sind im Blut sogenannte Insel-Autoantikörper nachweisbar, Werkzeuge des Immunsystems, die sich gegen Bestandteile der insulinproduzierenden Betazellen in den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse oder gegen das Hormon Insulin selbst richten.

 

Neues aus der TEDDY Studie

Die TEDDY-Studie (The Environmental Determinants of Diabetes in the Young) ist ein internationales Forschungsprojekt, das sich mit möglichen Risikofaktoren für die Entstehung von Typ-1-Diabetes beschäftigt. Weltweit wurden über 8.600 Neugeborene mit erhöhtem genetischen Risiko in die Studie aufgenommen und bis ins Teenageralter engmaschig beobachtet. Die große Mehrheit der teilnehmenden Kinder (89 Prozent) hatten keine nahen Verwandten mit Typ-1-Diabetes.

Die aktuelle Auswertung der TEDDY-Daten untersucht unter anderem, wie sich das Risiko, Typ-1-Diabetes zu entwickeln, mit zunehmendem Alter verändert. 

Die Ergebnisse sind konsistent mit Beobachtungen aus der deutschen BABYDIAB Studie, im Rahmen derer Kinder von Müttern oder Vätern mit Typ-1-Diabetes bereits über 30 Jahre nachverfolgt werden. TEDDY bestätigt nun bei Kindern ohne nahe Verwandte mit Typ-1-Diabetes: Das Risiko, als Frühstadium des Typ-1-Diabetes mehrere unterschiedliche (multiple) Insel-Autoantikörper zu entwickeln, sinkt bis zum Alter von 6,25 Jahren um das 4-fache ab.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung:

  • Ein Kind ohne nahe Verwandte mit Typ-1-Diabetes, aber mit einer Kombination von mehreren Hochrisikogenen, hat bei Geburt ein Risiko von 10 Prozent, innerhalb der ersten 5 Lebensjahre ein Frühstadium des Typ-1-Diabetes zu entwickeln.
  • Wird das gleiche Kind im Alter von 3 Jahren, also in etwa zum Eintritt in den Kindergarten, Antikörper-negativ getestet, beträgt das verbliebene 5-Jahres-Risiko noch etwa 5 Prozent.
  • Weist das Kind bei Schuleintritt (mit ca. 6 Jahren) immer noch keine Insel-Autoantikörper auf, beträgt das Risiko, in den nächsten 5 Jahren Typ-1-Diabetes zu entwickeln, nur noch 1 Prozent.

Faktoren wie das Geschlecht oder die genaue genetische Konstellation verlieren mit zunehmendem Alter an Einfluss.

 

Verbessertes Screening auf frühe Stadien von Typ-1-Diabetes im Kindesalter

Die Forschenden schlussfolgern, dass ein einzelner Test auf Insel-Autoantikörper im Kindesalter zwischen 3 bis 5 Jahren die höchste Anzahl von Kindern identifizieren würde, die tatsächlich im weiteren Verlauf Typ-1-Diabetes entwickeln.

Sinnvoller noch könne nach ihrer Einschätzung jedoch eine 2-fache Testung sein, erstmalig im Alter von 2 Jahren und dann erneut im Alter von 5-7 Jahren. Dadurch ließen sich die meisten Kinder aufspüren, welche ein Frühstadium des Typ-1-Diabetes entwickelt hatten. Diese Strategie wird nun bereits in der FR1DAplus-Studie umgesetzt: dort kann nun jedes Kind im Alter zwischen 2 und 10 Jahren 2-mal getestet werden.

Eine Stärke der aktuellen Auswertung liege in der großen Anzahl robuster Daten, welche im Rahmen der TEDDY Studie erhoben wurden, so die Autorinnen und Autoren. Einschränkend sei zu bedenken, dass alle TEDDY-Kinder eine bestimmte genetische Konstellation aufweisen, die als Einschlusskriterium für die TEDDY Studie ermittelt wurde. Somit entspricht die Studienpopulation nicht ganz der Allgemeinbevölkerung.


Quelle:
Bonifacio, E. et al.: Epidemiology/Health Services Research – An age-related exponential decline in the risk of multiple islet autoantibody seroconversion during childhood. In: Diabetes Care, 2021, dc202122