Moderne Diabetes-Behandlung verbessert die Sicherheit im Straßenverkehr
Seit der ersten Fassung der Leitlinie aus dem Jahr 2017 hat sich die Diabetes-Behandlung deutlich weiterentwickelt. Die aktualisierte Leitlinie berücksichtigt vor allem neue Medikamente, moderne Diabetes-Technologien und gezielte Schulungsangebote. Diese tragen dazu bei, Unterzuckerungen zu vermeiden und den Blutzuckerverlauf besser zu kontrollieren.
Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes erhalten heute blutzuckersenkende Medikamente, die keine Unterzuckerungen verursachen. Menschen mit Diabetes und einer Insulintherapie nutzen heutzutage überwiegend Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (engl.: Continuous Glucose Monitoring, kurz: CGM). Diese messen den Glukosewert fortlaufend und warnen frühzeitig bei kritischen Veränderungen. Auch Systeme zur automatisierten Insulindosierung (engl.: Automated Insulin Delivery, kurz: AID) können dazu beitragen, starke Unter- oder Überzuckerungen zu vermeiden. Gezielte Schulungsprogramme unterstützen zusätzlich im Umgang mit Stoffwechselentgleisungen.
Unfallrisiko nur leicht erhöht
Studien zeigen: Das Risiko für Verkehrsunfälle ist bei Menschen mit Diabetes gegenüber der Allgemeinbevölkerung nur leicht erhöht. Entscheidend ist nicht die Diagnose selbst, sondern vor allem, ob ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen besteht. Eine schwere Unterzuckerung kann die Aufmerksamkeit, Reaktionsfähigkeit und Wahrnehmung einschränken. Für Menschen mit Diabetes stellt sie das größte Risiko im Straßenverkehr dar.
Auch Begleit- und Folgeerkrankungen können die Fahrsicherheit beeinträchtigen. Dazu zählen beispielsweise Sehstörungen, Nervenschäden oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Vor der Fahrt Blutzuckerwerte prüfen
Die Leitlinie empfiehlt die folgenden Regeln für den Alltag:
- Menschen mit Diabetes, die aufgrund ihrer Therapie ein Risiko für Unterzuckerungen aufweisen, sollten vor der Fahrt ihren Blutzucker kontrollieren. Bei niedrigen Werten, sollten zunächst Kohlenhydrate aufgenommen werden. Als Orientierung gilt meist ein Wert von unter 90 mg/dl (5 mmol/l).
- Menschen, die ein CGM-System nutzen, sollten die Alarmfunktion ausreichend hoch einstellen und die Trendanzeigen beachten.
- Während längerer Fahrten sollten regelmäßig Pausen eingelegt werden, um den Blutzuckerwert zu überprüfen.
- Im Fahrzeug sollten schnell wirksame Kohlenhydrate immer griffbereit sein.
- Bei Anzeichen einer Unterzuckerung oder bei einem gemessenen Blutzuckerwert von unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) sollte die Fahrt sofort unterbrochen und die Unterzuckerung behandelt werden.
Berufliche Teilhabe mit Diabetes
Trotz moderner Therapie und Technik bestehen in Deutschland teilweise weiterhin Einschränkungen für bestimmte Berufe. Dazu gehören unter anderem Polizei, Feuerwehr, Zoll und Bundeswehr sowie Tätigkeiten im Flug- oder Schiffsverkehr. Je nach Tätigkeit kann eine individuelle ärztliche oder verkehrsmedizinische Beurteilung erforderlich sein.
Im Positionspapier empfiehlt der Ausschuss Soziales der DDG, die Eignung nicht allein an der Diagnose festzumachen, sondern die individuelle Situation stärker zu berücksichtigen. Dazu gehören zum Beispiel die Stoffwechseleinstellung, die Therapieform, der Umgang mit der Erkrankung, der Einsatz moderner Technik, spezielle Schulungen und die Berufserfahrung.
Führt die Diabetes-Erkrankung im Berufsalltag zu Einschränkungen, können je nach Situation auch organisatorische Maßnahmen im Betrieb helfen.
Für Menschen mit Diabetes bedeutet das: Mit guter Vorbereitung, moderner Therapie und regelmäßiger Kontrolle der Blutzuckerwerte ist eine sichere Teilnahme im Straßenverkehr und ein verlässliches Arbeiten möglich.
Quellen:
Ausschuss Soziales Deutsche Diabetes Gesellschaft: Positionspapier Diabetes mellitus und Arbeit. Berufstätigkeit in Deutschland. 2026
Deutsche Diabetes Gesellschaft: Pressemitteilung Aktualisierte Leitlinie räumt mit überholten Annahmen auf und fordert Anpassungen im Verkehrs- und Berufsrecht. Pressemitteilung vom 08.12.2025
Deutsche Diabetes Gesellschaft: S2e-Leitlinie Diabetes und Straßenverkehr. Version 2.0, 2025



