Ein Mann hält ein Stethoskop an das "i" des Wortes "Diabetes"

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Folgeerkrankungen

Folgeschäden bei Diabetes Typ 2: Wer ist betroffen und wie vorbeugen?

Wissenschaftliche Unterstützung: Clara Möser

Neue Erkenntnisse zur Diagnose und Behandlung haben die Situation von Menschen mit Typ-2-Diabetes in den letzten Jahren verbessert. Trotzdem wird die Erkrankung oft erst diagnostiziert, wenn bereits Folgeerkrankungen vorliegen. Eine großangelegte Beobachtungsstudie hat nun untersucht, welche diabetesbedingten Folgeerkrankungen bei Erstdiagnose eines Typ-2-Diabetes bereits aufgetreten sein können und welche Personengruppen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung dieser Folgeerkrankungen aufweisen.

 

Langzeit-Untersuchung nach Diabetes-Erstdiagnose

Ziel der vorliegenden Studie war es, folgende Fragen zu klären:

  • Bei wie vielen an Typ-2-Diabetes erkrankten Menschen sind zum Zeitpunkt der Erstdiagnose bereits klinisch-gesicherte Folgeerkrankungen an den großen oder kleinen Gefäßen vorhanden?
    Dazu gehören beispielsweise diabetesbedingte Nephropathie (Nierenerkrankung), Neuropathie (Nervenerkrankungen), Retinopathie (Erkrankung der Augen-Netzhaut) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Wie lange dauert es, bis nach der Typ-2-Diabetes-Diagnose, Folgeerkrankungen an den Gefäßen festgestellt werden?

Die Beobachtungsstudie schloss im Zeitraum von 2003 bis 2014 fast 136.000 Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes ein. Die an der Studie teilgenommen Probandinnen und Probanden waren im Durchschnitt 58 Jahre alt. Rund 40 Prozent der Studienteilnehmenden waren zum Zeitpunkt der Untersuchung stark übergewichtig (Body-Mass-Index (BMI) von 30 kg/m2 oder mehr). Im Rahmen der Studienteilnahme wurden die Probandinnen und Probanden bis zum Jahr 2018 nachbeobachtet.

 

Nieren, Herz und Augen sind oft mitbetroffen

Mehr als 12 Prozent der Studienteilnehmenden hatten zum Zeitpunkt der Typ-2-Diabetes-Erstdiagnose bereits eine, vermutlich diabetesbedingte, Nierenerkrankung. Eine stabile Angina pectoris (Brustenge; Schmerz in der Herzgegend) wiesen 4,6 Prozent der Teilnehmenden auf. Eine periphere Neuropathie (betroffen sind Nerven, die für Bewegung der Muskeln und Berührungsempfinden der Haut zuständig sind) hatten 3,8 Prozent und eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) 3,5 Prozent der Probandinnen und Probanden.

Die Studie zeigte, dass auch Teilnehmende, bei denen bei Erstdiagnose noch keine Gefäßerkrankung nachgewiesen wurde, relativ rasch Folgeschäden entwickelten. Bereits nach 3 bis 5 Jahren trat bei vielen Studienteilnehmenden eine Neuropathie, Nephropathie oder Herz-Kreislauf-Erkrankung, wie Herzinfarkt, Angina pectoris oder Schlaganfall, auf.

Während ältere Studienteilnehmende (ab 65 Jahren) häufiger von Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen waren, fand sich bei jüngeren Studienteilnehmenden (20 bis 64 Jahre) öfter eine diabetesbedingte Retinopathie (Augenerkrankung). Die Forschenden vermuten, dass jüngere Menschen mit Typ-2-Diabetes möglicherweise seltener Kontrolluntersuchungen bei Augenärztinnen und -ärzten wahrnehmen und infolge dessen häufiger diabetesbedingte Komplikationen an den Augengefäßen entwickeln könnten.

 

Vorbeugen mit Rauchverzicht und gut eingestellten Blutglukosewerten

Die gute Nachricht für alle an Typ-2-Diabetes erkrankten Menschen: Im Vergleich zu den ersten 2 Studienjahren (2003-2004) betrafen diabetesbedingte Gefäß-Komplikationen zum Ende der Studie (2013-2014) insgesamt weniger Menschen. Diese Dynamik spiegelt die Verbesserungen bei der Diagnostik, Behandlung und Versorgung von Menschen mit Typ-2-Diabetes wider.

Die Forschenden verweisen darauf, dass auch veränderbare Risikofaktoren bei der Vorbeugung von diabetesbedingten Folgeerkrankungen beachtet werden sollten. Mit einem Rauchverzicht und einer langfristigen normnahen Einstellung von Blutdruck und Blutzucker lässt sich dem Risiko für Folgeerkrankungen positiv entgegenwirken.
 

Quelle:
An, J. et al.: Prevalence and incidence of microvascular and macrovascular complications over 15 years among patients with incident type 2 diabetes. In: BMJ Open Diabetes Res Care, 2021, 9: e001847