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Fortschritt in der Prävention von Diabetes Typ 1

Kinder mit einem erhöhten genetischen Risiko für Typ-1-Diabetes könnten in Zukunft von personalisierten Präventionsstrategien profitieren. Darauf deuten erste Ergebnisse der POInT-Studie hin. Forschende untersuchten, ob eine tägliche Gabe von Insulinpulver die Entwicklung von Typ-1-Diabetes verzögern oder sogar verhindern kann. Die Auswertung zeigt: Eine frühe Insulinbehandlung wirkt nicht bei allen Kindern gleich. Entscheidend könnte die individuelle Variante des Insulin-Gens sein.

 

Frühe Risikoerkennung durch Screeningprogramm 

Typ-1-Diabetes entsteht, wenn das körpereigene Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift und zerstört. Dieser Prozess beginnt oft bereits im Säuglingsalter und kann durch bestimmte Autoantikörper im Blut nachgewiesen werden. 

Um Säuglinge mit einem besonders hohen genetischen Risiko frühzeitig zu identifizieren, wurde im Rahmen der „Globalen Plattform zur Prävention des Autoimmunen Diabetes“ (GPPAD)-Initiative in 5 europäischen Ländern ein Neugeborenen-Screening aufgebaut. In Deutschland ist es unter dem Namen Freder1k bekannt. Seit Beginn wurden fast 242.000 Babys getestet. Etwa 1 Prozent von ihnen zeigte ein deutlich erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes. Aus dieser Gruppe nahmen 1.050 Kinder an der POInT-Studie teil.  

 

Ablauf der POInT-Studie  

POInT ist die erste randomisierte, kontrollierte Studie, die prüft, ob eine frühe Behandlung mit Insulin bei Kindern mit einem erhöhten Risiko die Entstehung einer Autoimmunreaktion verhindern kann, die später zu Typ-1-Diabetes führt. 

Die teilnehmenden Kinder erhielten zwischen dem 4. und 7. Lebensmonat täglich entweder Insulinpulver oder ein Placebo, bis sie 3 Jahre alt waren. Anschließend wurden sie bis zum Alter von rund 6 Jahren regelmäßig untersucht, um zu beobachten, ob sich Autoantikörper bildeten oder ob sich ein Typ-1-Diabetes entwickelte. 

 

Unterschiedliche Wirkung je nach Genvariante 

Die Kinder vertrugen die orale Insulinbehandlung gut. Insgesamt zeigte sich jedoch kein Unterschied darin, wie häufig Kinder aus der Insulingruppe oder der Placebogruppe Autoantikörper entwickelten. Das ursprüngliche Ziel, die Entstehung der Autoimmunreaktion zu verhindern, wurde damit nicht erreicht. 

Trotzdem liefert die POInT-Studie wertvolle Hinweise für die Prävention des Typ-1-Diabetes. In weiteren Auswertungen konnten Forschende von Helmholtz Munich und der Technischen Universität München zeigen, dass Kinder mit einer Risikovariante des Insulin-Gens, die Insulinpulver erhielten, einen klinischen Typ-1-Diabetes später entwickelten als vergleichbare Kinder ohne Insulinbehandlung. Kinder ohne diese Genvariante profitierten hingegen nicht von der Therapie. 

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass genetische Merkmale beeinflussen können, für welche Kinder eine frühe Insulinbehandlung sinnvoll sein könnte. Damit rücken neue Möglichkeiten einer personalisierten Prävention in den Fokus. 

 

Weitere Forschung geplant 

Die POInT-Studie soll fortgeführt und die teilnehmenden Kinder bis zum Alter von 12 Jahren weiterbeobachtet werden. Ziel ist es herauszufinden, welche langfristigen Effekte die frühe Insulingabe hat und wie sich der Krankheitsverlauf bei verschiedenen genetischen Gruppen entwickelt. 

Zudem werden die im Rahmen der Studie gesammelten Blutproben und Daten genutzt, um die frühen immunologischen Prozesse besser zu verstehen, die zur Entstehung von Typ-1-Diabetes führen. Davon versprechen sich die Forschenden wichtige Erkenntnisse auf dem Weg zur personalisierten Prävention von Typ-1-Diabetes. 

 

Quellen: 

Ziegler, A. et al.: Efficacy of once-daily high-dose oral insulin immunotherapy in children genetically at-risk for type 1 diabetes: a European randomised, placebo-controlled primary prevention trial. In: Lancet, 2025, 406: 2564-2576 

Helmholtz Munich: Neuer Meilenstein auf dem Weg zur personalisierten Prävention von Typ-1-Diabetes. (Letzter Abruf: 11.12.2025)