Massband mit Schere

© Schlierner / Adobe Stock

Nachrichten
Adipositas

Höhere Lebenserwartung nach bariatrischer Operation

Menschen mit Adipositas, die sich einer bariatrischen Operation unterzogen haben, zeigten im Durchschnitt eine um 3 Jahre verlängerte Lebenserwartung im Vergleich zu Personen mit konventioneller Behandlung. Trotzdem ist ihre Lebenserwartung im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung verkürzt.

Der Gewichtsverlust, der bei Menschen mit schwerem Übergewicht durch die Methoden der Adipositas-Chirurgie erreicht werden kann, verringert das Risiko für Herzkreislauferkrankungen, Typ-2-Diabetes und Krebs. Chirurgische Eingriffe zur Adipositas-Behandlung sind beispielsweise die Anlage eines Magenbypasses oder eines Schlauchmagens, oder die Magenverkleinerung durch ein Magenband. Inwieweit sich diese Maßnahmen konkret auf die Lebenserwartung auswirken, war bislang unbekannt. Dies hat nun eine Gruppe schwedischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der ‚Swedish Obese Subjects (SOS) study‘, genauer untersucht.

Schlauchmagen, Magenbypass oder Magenband 

Die Forschenden zogen die Daten von 2.007 adipösen Erwachsenen heran, die sich einer bariatrischen Operation unterzogen haben, und verglichen sie mit den Daten von 2.040 Personen, die ebenfalls adipös waren, die jedoch mit konventionellen Therapien behandelt wurden. Als Referenz diente eine Gruppe von 1.135 Personen aus der Allgemeinbevölkerung.

Die Beobachtungsdauer betrug durchschnittlich rund 24 Jahre für die Gruppe der Operierten und 22 Jahre für die Gruppe der konventionell Behandelten.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Die Personen, die sich der bariatrischen Operation unterzogen hatte, lebten durchschnittlich 3 Jahre länger als die Personen mit der konventionellen Adipositas-Behandlung.
  • Gegenüber der Allgemeinbevölkerung war ihre Lebenserwartung jedoch immer noch um durchschnittlich 5,5 Jahre verkürzt.
  • Der Body-Mass-Index (BMI) der Gruppe, die sich chirurgischen Methoden unterzog, sank im ersten Jahr nach der Behandlung durchschnittlich um 11 kg/m2. Im Verlauf der Beobachtungszeit pendelte sich der BMI circa 7 kg/m2 unter dem Ausgangswert ein. In der adipösen Kontrollgruppe blieb der BMI über die gesamte Beobachtungsdauer nahezu unverändert. 
  • Im Vergleich zu Personen in der konventionellen Adipositas-Behandlung verringerte sich durch die Adipositas-Chirurgie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Dies entspricht Beobachtungen in früheren Studien.

Adipositas-Chirurgie: Mehr Aufklärung nötig 

Dabei sei wichtig, zu bedenken, dass die Wirkung der bariatrischen Operation individuell sehr unterschiedlich ausfallen kann, betonen die Autorinnen und Autoren. Der positive Effekt wird im statistischen Durchschnitt sichtbar, sei jedoch nicht so zu verstehen, dass jede und jeder, der sich der Behandlung unterzieht, 3 Jahre länger lebt. So lag beispielsweise die Sterblichkeit in den ersten 90 Tagen nach der bariatrischen Operation bei 0,2 Prozent. Das heißt, dass eine von 500 operierten Personen in diesem Zeitraum starb.

Das Studiendesign weist einige Einschränkungen auf. So handelt es sich um eine reine Beobachtungsstudie, bei welcher die Teilnehmenden nicht durch Randomisierung einer Behandlungsgruppe zugeteilt wurden. Auch entsprechen die verwendeten Methoden der Adipositas-Chirurgie nicht mehr unbedingt dem heutigen Standard. Dies ist der langen Beobachtungszeit geschuldet, die wiederum einen großen Pluspunkt in der Aussagekraft dieser Studie darstellt.

Trotz der positiven Wirkung auf den Gesundheitszustand entscheidet sich immer noch nur eine Minderheit der Menschen mit Adipositas für den chirurgischen Eingriff. Nach Ansicht der Forschenden müsse hier noch mehr Aufklärungsarbeit betrieben werden, um den Patientinnen und Patienten eine informierte Entscheidung zu ermöglichen.
Wichtig und entscheidend für den langfristigen Erfolg des Eingriffs sei auch die ärztliche Begleitung der Patientinnen und Patienten als Nachsorge der Operation.


Quelle:
Carlson, L. et al.: Life Expectancy after Bariatric Surgery in the Swedish Obese Subjects Study. In: N Engl J Med, 2020, 383: 1535-1543