Strukturformel von Metformin

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Diabetes Typ 2

Kann das Diabetes-Medikament Metformin vor Demenz schützen?

Metformin ist das Medikament der 1. Wahl zur Behandlung des Typ-2-Diabetes. Es senkt unter anderem den Blutzuckerspiegel und dämpft das Hungergefühl. Nun wurde ein möglicher neuer Wirkmechanismus des bewährten Medikaments entdeckt: Metformin scheint vor Demenz zu schützen.

Der Wirkstoff Metformin, ein sogenanntes orales Antidiabetikum, mindert die Freisetzung von Zucker aus der Leber und verbessert die Insulinempfindlichkeit (Insulinsensitivität) der Körperzellen. Die Ausschüttung von Insulin wird durch Metformin nicht beeinflusst, sodass bei einer alleinigen Therapie mit Metformin kein Risiko für das Auftreten von Unterzuckerungen (Hypoglykämien) besteht. Das Medikament in Tablettenform kann mit allen anderen Antidiabetika und mit Insulin kombiniert werden.

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein höheres Risiko für Begleit- und Folgeerkrankungen. So haben sie auch häufiger Beeinträchtigungen der kognitiven Funktionen wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Urteilsfähigkeit oder Kommunikation und sind stärker demenzgefährdet als Stoffwechselgesunde.

In ihrer Beobachtungsstudie untersuchten die Forschenden mehr als 1000 Personen im Alter von 70 bis 90 Jahre ohne Demenz zu Studienbeginn über einen Zeitraum von 6 Jahren. Unter den Studienteilnehmenden befanden sich 123 Menschen mit Typ-2-Diabetes, von denen 67 Metformin erhielten. Alle 2 Jahre testeten die Forscher die geistige Leistungsfähigkeit, darunter Gedächtnis, planvolles Handeln, Aufmerksamkeit, Reaktionsgeschwindigkeit und Sprachkompetenz. Die Forschenden versuchten nun herauszufinden, ob die Einnahme von Metformin die Häufigkeit von Demenz verringern würde.

Schutz der Gehirnfunktion

Es zeigte sich, dass Personen mit Typ-2-Diabetes, die Metformin einnahmen, einen langsameren geistigen Verfall zeigten und seltener an Demenz erkrankten als diejenigen, die diesen Wirkstoff nicht verwendeten. Bei Personen mit Typ-2-Diabetes, die Metformin einnahmen, gab es ferner über die Studienzeit hinweg keinen Unterschied in der Rate des Rückgangs der kognitiven Funktion im Vergleich zu Stoffwechselgesunden. Menschen mit Diabetes, die kein Metformin einnahmen, hatten während der Studie ein 5-mal höheres Risiko, an Demenz zu erkranken.

Typ-2-Diabetes oder Insulinresistenz könnten bei der Degeneration von Gehirn- und Nervengewebe eine Rolle spielen und zu schädlichen Veränderungen der Blutgefäße führen. Indem es die Wirkung von Insulin im Körper verstärkt, scheint Metformin dazu beizutragen, einen Teil dieser Schäden aufzuhalten.

Zukünftig könnte Metformin möglicherweise gegen den kognitiven Abbau bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes und möglicherweise auch bei Menschen ohne Diabetes eingesetzt werden, schlussfolgern die Autoren. Das Forschungsteam räumt allerdings ein, dass eine Beobachtungsstudie keinen schlüssigen Beweis dafür liefert, dass Metformin vor Demenz schützt. Dafür ist nun eine weitere groß angelegte, randomisierte kontrollierte Studie geplant.

Quellen:

Samaras, K. et al.: Metformin Use Is Associated With Slowed Cognitive Decline and Reduced Incident Dementia in Older Adults With Type 2 Diabetes: The Sydney Memory and Ageing Study. In: Diabetes Care, 2020, dc200892
Endocrinology Network: Metformin Could Slow Cognitive Decline, Reduce Dementia Incidence in Diabetics. Artikel vom 24. September 2020