Eine Frau sitzt auf dem Boden mit angewinkelten Knien und stützt den Kopf in ihre Hand.

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Diabetes-Risiko

Können Ängste zu Typ-2-Diabetes führen?

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Christian Herder

Menschen, die unter einer generalisierten Angststörung leiden, haben ein erhöhtes Risiko einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln – Das zeigen neueste Ergebnisse einer im Raum Augsburg durchgeführten Studie.

Bei Menschen mit einer generalisierten Angststörung (engl.: Generalized Anxiety Disorder (GAD)) ist das Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken doppelt so hoch wie bei Personen ohne Angststörung. Dieser Zusammenhang zeigte sich in einer kürzlich veröffentlichten Studie.

Typ-2-Diabetes ist eine Erkrankung, die durch bestimmte genetische Faktoren, Umweltfaktoren, Verhaltensweisen und psychische Faktoren begünstigt wird. Auch Prozesse im Körper, die bei Stress in Gang gesetzt werden, können bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle spielen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollten nun herausfinden, ob eine generalisierte Angststörung ebenfalls mit einem erhöhten Typ-2-Diabetes-Risiko einhergeht. Dafür haben sie insgesamt 1.694 Frauen und Männer im Rahmen der prospektiven Bevölkerungsstudie KORA F4/FF4 (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg) untersucht.

 

Rund 7 Prozent verspüren Symptome einer Angststörung

Zu Beginn der Studie wurde das Vorhandensein von Symptomen einer generalisierten Angststörung mittels eines standardisierten Gesundheitsfragebogens (GAD-7) bestimmt. Anschließend wurden die Teilnehmenden (Durchschnittsalter: 51 Jahre) über einen Zeitraum von durchschnittlich 6,5 Jahren nachbeobachtet.

Bei einer generalisierten Angststörung handelt es sich um eine vergleichsweise häufige psychologische Erkrankung. Die betroffenen Personen können ihre Ängste oft nicht konkret bestimmen. In dem Fragebogen wurden die Teilnehmenden unter anderem gefragt, ob sie sich schnell gereizt fühlen oder sich schlecht entspannen können. Bei fast 7 Prozent der Teilnehmenden ergab der GAD-7-Test einen hohen Wert. Das bedeutet, sie zeigten viele Symptome einer generalisierten Angststörung. Rund zwei Drittel der Personen mit hohen Angst-Score-Werten waren Frauen.

 

Auswertung zeigt Risikoerhöhung auf

Während des Beobachtungszeitraums entwickelten 6,5 Prozent der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer einen Typ-2-Diabetes. Die Erkrankung wurde entweder im Rahmen einer ärztlichen Routineuntersuchung oder anhand eines oralen Glukosetoleranztests (oGTT) im Rahmen der KORA FF4-Studie diagnostiziert.

Die Auswertung ergab, dass Menschen, die viele Symptome einer generalisierten Angststörung zeigten, häufiger einen Typ-2-Diabetes entwickelten als diejenigen, die keine oder wenige Symptome einer Angststörung aufwiesen. Zudem war die Wahrscheinlichkeit einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln bei den Studienteilnehmenden mit Symptomen einer Angststörung – auch unabhängig von anderen Diabetes-Risikofaktoren – mehr als 2-mal so hoch wie bei den übrigen Teilnehmenden.

 

Ängste können auf Dauer krank machen

Die Beobachtungsstudie zeigt, dass eine Typ-2-Diabetes-Erkrankung auch in Zusammenhang mit einer generalisierten Angststörung auftreten kann. Das erhöhte Erkrankungsrisiko könnte mit psychosozialem Stress zusammenhängen, unter dem betroffene Personen mit Anzeichen einer generalisierten Angststörung häufig stehen, vermutet das Forschungsteam.

In der Studie litt ein großer Anteil der Studienteilnehmenden mit hohen Angst-Score-Werten auch an Depressionen und Schlafstörungen und war weniger sportlich aktiv, im Vergleich zu den Studienteilnehmenden mit niedrigen Angst-Score-Werten. All diese Faktoren wiederum können eine Typ-2-Diabetes-Erkrankung begünstigen.

Bei der Bewertung der Ergebnisse muss allerdings beachtet werden, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Um die Erkenntnisse zu bestätigen sind daher weitere, großangelegte Studien notwendig.
 

Quelle:
Atasoy, S. et al.: Generalized anxiety disorder symptoms and type 2 diabetes onset: Findings from the Prospective Cooperative Health Research in the Region of Augsburg F4 and FF4 studies. In: J Psychosom Res, 2021, 145: 110480