Logo der Studie "LIFE & COVID"

© LIFE&COVID. Studienzentrum Diabetes am LMU Klinikum

Nachrichten
SARS-CoV-2 / COVID-19

Online-Studie LIVE & COVID: Sorgt Übergewicht für einen schweren Verlauf?

Die Online-Studie LIFE & COVID untersucht, inwiefern verschiedene Lebensstilfaktoren die Schwere der COVID-19-Erkrankung beeinflussen. In der Regel gehen schwere Krankheitsverläufe mit einer Lungenentzündung einher. Erste Ergebnisse zeigen nun einen Zusammenhang zwischen Übergewicht oder starkem Übergewicht (Adipositas) und dem vermehrten Auftreten schwerer Krankheitsverläufe. Eine mögliche Schlüsselrolle könnten dabei bestimmte Hormone des Fettgewebes spielen.

COVID-19-Erkrankungen verlaufen unterschiedlich schwer. Schwere Verläufe grenzen sich mit Symptomen wie Lungenentzündung, Atemnot oder der Notwendigkeit von Sauerstoffzufuhr beziehungsweise künstlicher Beatmung von milden Krankheitsverläufen ab. Welche Faktoren zu einer schweren COVID-19-Erkrankung führen, ist derzeit nicht vollständig geklärt.

Untersuchung schützender und schädlicher Faktoren

Insbesondere wurden in der Online-Studie LIFE & COVID die 4 möglicherweise schützenden Lebensstilfaktoren regelmäßiger Sport, gesunde Ernährungsgewohnheiten, erholsamer Schlaf und häufiger Kontakt zu Kindern und damit auch zu Atemwegsviren untersucht. Als 4 mögliche schädliche Lebensstilfaktoren wurden Übergewicht oder starkes Übergewicht (Adipositas oder Fettleibigkeit), ungünstige Fettverteilung, Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum analysiert. Daneben wurden in der Online-Befragung auch demografische Daten sowie Informationen zu Vorerkrankungen und Medikamenten erhoben. Im Zeitraum von Mai bis Juli 2020 nahmen 204 vorwiegend ambulant behandelte COVID-19-Erkrankte an der Studie teil.

Lungenentzündung bei übergewichtigen und adipösen Personen häufiger

Die LIFE & COVID-Studie zeigt, dass Symptome einer Lungenentzündung bei Patientinnen und Patienten mit Übergewicht und Fettleibigkeit etwa doppelt so häufig auftraten, als dies bei Normalgewichtigen der Fall war. Außerdem beobachtete das Forschungsteam bei Personen mit Übergewicht oder Adipositas eine erhöhte Rate an Behandlungen mit Sauerstoff oder künstlicher Beatmung. Dieser Zusammenhang besteht nicht nur bei Adipositas (Body-Mass-Index (BMI) von 30 kg/m² oder höher), sondern bereits bei übergewichtigen Personen mit einem BMI ab 25 kg/m².

Eine Verbindung zwischen Übergewicht und schweren Krankheitsverläufen könnten Signalstoffe sein, die vom Fettgewebe ausgeschüttet werden. Das Hormon Leptin beispielsweise wird bei zunehmender Fettmasse vermehrt produziert. Leptin kann einen bestimmten Abwehrmechanismus bei Virusinfektionen vermindern, der möglicherweise auch gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 eine Rolle spielt. Um diesen Zusammenhang zwischen Fettgewebe und schweren COVID-19-Erkrankungen nachzuweisen, sind weitere Untersuchungen notwendig.

Bei den weiteren 7 untersuchten, möglichen schützenden oder schädlichen Lebensstilfaktoren zeigte sich kein Zusammenhang mit der Krankheitsschwere. Ihre Effekte könnten etwas zu gering gewesen sein, um im Rahmen der LIFE & COVID-Studie erfasst zu werden.

Regelmäßig aktualisierte Informationen zu Diabetes und Corona finden Sie auf unserer Informationsseite Coronavirus SARS-CoV-2.

Quellen:

Sacco, V et al.: Overweight/obesity as the potentially most important lifestyle factor associated with signs of pneumonia in COVID-19. In: medRxix, 2020
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung: Erste Ergebnisse LIFE & COVID-Studie: Übergewicht und Fettleibigkeit möglicherweise wichtigste Lebensstilfaktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19. Pressemeldung vom 29. September 2020