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Folgeerkrankungen

Parodontitis und Diabetes bedingen sich gegenseitig

Wissenschaftliche Unterstützung: Dr. Sabrina Schlesinger

Wer an Diabetes erkrankt ist, sollte ganz besonders auf die Mundgesundheit achten. Denn Menschen mit Diabetes entwickeln deutlich häufiger als stoffwechselgesunde Menschen eine Parodontitis. Umgekehrt gilt dies genauso: Eine Parodontitis gehört zu den Risikofaktoren für eine Diabetes-Erkrankung.

Bei einer Parodontitis handelt es sich um eine chronische, bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparates. Die Krankheit schreitet in der Regel langsam voran und führt dabei allmählich zu Knochenverlust. Die betroffenen Zähne lockern sich. Unbehandelt führt dies zu Zahnverlust. Zahnfleischentzündungen sind die Vorstufe einer Parodontitis.

 

Große Übersichtsarbeit bestätigt Zusammenhang

Der Zusammenhang zwischen Diabetes und Parodontitis wurde nun in einer Übersichtsarbeit (Meta-Analyse) erneut bestätigt. Insgesamt wurden 15 Beobachtungsstudien in die Auswertung eingeschlossen. Dabei zeigte sich, dass die beiden Erkrankungen Diabetes mellitus und Parodontitis sich gegenseitig bedingen können. Das bedeutet: Bei Menschen mit Diabetes treten häufiger Zahnfleischentzündungen und Parodontitis auf im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes. Gleichzeitig ist das Risiko an Diabetes zu erkranken bei Menschen mit Parodontitis höher als bei Personen, die keine Parodontitis aufweisen.

In der Übersichtsarbeit lag das Auftreten einer Parodontitis bei Menschen mit Diabetes um 24 Prozent höher als bei Menschen, die nicht an Diabetes erkrankt waren. Das Diabetes-Risiko war bei Menschen mit einer Parodontitis um 26 Prozent erhöht im Vergleich zu Menschen ohne Parodontitis.

 

Hohe Heterogenität der Studien

In zahlreichen Studien gab es bereits Hinweise auf einen Zusammenhang dieser beiden chronischen Erkrankungen. Jedoch waren die Studien von sehr unterschiedlicher Qualität und daher schwer vergleichbar. In der vorliegenden Übersichtsarbeit zeigten sich ebenfalls methodische Unterschiede zwischen den einzelnen Studien. Dazu zählen zum Beispiel, dass die Diagnose einer Parodontitis und/oder Diabetes je nach Studie auf unterschiedliche Weise erfolgte und es keine eindeutigen Standards gab.

 

Zahnfleisch regelmäßig untersuchen lassen

Beide Erkrankungen sind von entzündlichen Prozessen gekennzeichnet. Diese Gemeinsamkeit könnte eine Erklärung für den gegenseitigen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Diabetes liefern, so die Vermutung des Autorinnenteams. Einerseits könnte eine unzureichende Blutzuckerkontrolle systemische Entzündungsprozesse in Gang setzen –  auch in der Mundhöhle. Andererseits können Bakterien im Mundraum ebenso Entzündungen in anderen Körperregionen hervorrufen, was eine Insulinresistenz begünstigen kann.

Damit sich Patientinnen und Patienten vor der jeweils anderen Erkrankung schützen, sei es wichtig betroffene Personen jeweils für die Risiken von Diabetes beziehungsweise Parodontitis zu sensibilisieren, merken die Wissenschaftlerinnen an.

 

Mundgesundheit nicht schleifen lassen

Menschen mit einer Parodontitis sollten also über ihr erhöhtes Diabetes-Risiko informiert werden und sich regelmäßig auf das Vorliegen von Diabetes untersuchen lassen. Genauso wichtig ist es für Menschen mit Diabetes ihre Mundgesundheit besonders ernst zu nehmen und die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen bei der Zahnärztin oder dem Zahnarzt wahrzunehmen, um einer Parodontitis vorzubeugen.

 

Quelle:
Stöhr, J. et al.: Bidirectional association between periodontal disease and diabetes mellitus: a systematic review and meta‑analysis of cohort studies. In: Sci Rep, 2021, 11: 13686