Eine Insulinpumpe und ein Pen

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Positive Effekte bei einer frühzeitigen Insulinpumpentherapie

Wissenschaftliche Unterstützung: Dr. Clemens Kamrath

Nachdem bei Kindern ein Typ-1-Diabetes diagnostiziert wird, steht schnell die Frage nach der geeigneten Therapieform im Vordergrund: Spritze, Pen oder Pumpe? Eine Studie zeigt nun, dass eine frühzeitige Insulinpumpentherapie vorteilhaft sein kann.

Bei Typ-1-Diabetes kann die Bauchspeicheldrüse das blutzuckersenkende Hormon Insulin nicht mehr in ausreichender Menge oder gar nicht mehr produzieren. Menschen mit der Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes müssen sich daher in regelmäßigen Abständen Insulin spritzen. Die Therapie-Technik entwickelte sich in den vergangenen Jahren weiter: Die klassischen Insulinspritzen wurden weitestgehend durch Insulinpens und Insulinpumpen abgelöst.

 

Spritze, Pen und Insulinpumpe

Ein Insulinpen ist wie eine weiterentwickelte Spritze, die einfach zu bedienen ist und eher aussieht wie ein Kugelschreiber (englisch: „pen“). Wer sich das Insulin mit einem Pen spritzt, kann auf Modelle mit verschiedenen Funktionen zurückgreifen. Das Grundprinzip ist dabei immer dasselbe: An einem Dosierrädchen kann die gewünschte Anzahl an Insulineinheiten eigestellt werden. Beim Auslösen wird dann die vorgegebene Insulinmenge in das Unterhautfettgewebe gespritzt.

Insulinpumpen sind kleine Geräte, die beispielsweise am Hosenbund befestigt werden können. Über einen dünnen Schlauch ist es mit einer dünnen Stahl- oder Kunststoff-Kanüle verbunden. Diese Kanüle wird meist am Bauch direkt unter die Haut gelegt. Über den Schlauch kann die Pumpe so das Insulin direkt in das Unterhautfettgewebe abgeben.

Lesen Sie hier vertiefende Informationen zu den technischen Hilfsmitteln bei der Insulintherapie.

 

Die Studie

In der vorliegenden Studie wurde untersucht, ob ein früher Einsatz einer Insulinpumpe innerhalb der ersten 6 Monate nach Diagnosestellung im Vergleich zu einer verzögerten Pumpentherapie innerhalb des zweiten bis dritten Jahres nach der Erstdiagnose vorteilhaft sein kann. Dazu wurden die Daten von insgesamt 8.332 Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 6 Monaten und 15 Jahren ausgewertet. Im Schnitt betrug die Erkrankungsdauer der Teilnehmenden 6,7 Jahre. Mindestens 1 Jahr wurden die Kinder und Jugendlichen mit einer Insulinpumpe therapiert.

 

Weniger lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisungen, bessere Blutzuckereinstellung

Die Kinder und Jugendlichen, welche frühzeitiger mit einer Pumpentherapie behandelt wurden, erlitten seltener ein gefährliches diabetisches Koma aufgrund einer starken Unterzuckerung und mussten insgesamt seltener im Krankenhaus behandelt werden. Darüber hinaus lag der durchschnittliche Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c-Wert) bei den Teilnehmenden, die frühzeitig mit einer Insulinpumpentherapie begannen, bei 7,9 Prozent (63 mmol/mol). Damit war der HbA1c-Wert in dieser Gruppe niedriger als der durchschnittliche HbA1c-Wert der Gruppe mit einem späteren Beginn der Pumpentherapie. Dieser lag bei einem Wert von 8,0 Prozent (64 mmol/mol). Zudem zeigten weitere positive Effekte auf die Blutdruck- und Cholesterinwerte, dass ein frühzeitiger Insulinpumpen-Einsatz zu besseren Behandlungsergebnissen führen kann.

 

Quellen:

Deutsche Diabetes Gesellschaft: Frühzeitiger Einsatz einer Insulinpumpe verbessert die Behandlungsergebnisse. Pressemeldung vom 23.02.2021 (Letzter Abruf: 19.04.2021)

Kamrath, C. et al.: Early versus delayed insulin pump therapy in children with newly diagnosed type 1 diabetes: results from the multicentre, prospective diabetes follow-up DPV registry. In: Lancet Child Adolesc Health, 2021, 5: 17-25