Zusammenstellung verschiedener Lebensmittel wie Gemüse, Fisch, Linsen und Öl, die typisch für die mediterrane Ernährungsweise sind.

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Ernährung

Stärkt Mittelmeerkost die Gedächtnisleistung?

Wissenschaftliche Unterstützung: Theresa Kössler

Eine mediterrane Ernährungsweise mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen und Olivenöl kann sich positiv auf bestimmte Gedächtnisfunktionen im Verlauf einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung auswirken. Das zeigt eine Analyse der Deutschen Diabetes-Studie.

Je mehr Menschen, die seit mindestens 5 Jahren an Typ-2-Diabetes erkrankt sind, einem mediterranen Ernährungsmuster, auch Mittelmeerkost genannt, folgen, desto besser scheint ihr Gedächtnis für sprachliche Informationen zu sein. Diesen Zusammenhang ergab eine aktuelle Auswertung im Rahmen der Deutschen Diabetes-Studie.

Viel Gemüse, Obst, Nüsse, Vollkorn und Olivenöl

Die Mittelmeerdiät zeichnet sich unter anderem durch einen hohen Verzehr von Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen und Olivenöl sowie einen moderaten Verzehr von Fisch und Milchprodukten aus. Fleisch und gesättigte Fettsäuren, wie sie häufig in fetten Wurst- oder Käsesorten, Sahne, Snacks und fettreichen Fertigprodukten vorkommen, werden nur in geringem Maße verzehrt. In vorherigen Studien konnte bereits gezeigt werden, dass eine Diabetes-Erkrankung mit einem erhöhten Risiko für kognitive Einschränkungen assoziiert ist. Speziell bei übergewichtigen Menschen mit Typ-2-Diabetes scheint das sprachliche Gedächtnis beeinträchtigt zu sein.

Vor diesem Hintergrund war das Ziel dieser Auswertung herauszufinden, ob ein Zusammenhang zwischen einer mediterranen Ernährungsweise und der kognitiven Gedächtnisleistung bei Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes besteht.

Hierzu hat das Forschungsteam Daten von insgesamt 193 Menschen mit neu diagnostizierten Typ-1- und Typ-2-Diabetes,106 Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes mit einer Diabetes-Dauer von mindestens 5 Jahren sowie 41 Kontrollpersonen ohne Diabetes untersucht. Alle Teilnehmenden hatten mithilfe eines Ernährungs-Häufigkeitsfragebogen angegeben, wie oft sie die aufgeführten148 Lebensmittel und Getränke in den letzten 12 Monaten verzehrt haben. Diese Angaben wurden anschließend mit der sogenannten Modifizierten Mediterranen Ernährungs-Tabelle (Modified Mediterranean diet scale, kurz MMDS) abgeglichen, um zu bestimmen, inwieweit die Teilnehmenden dem mediterranen Ernährungsmuster folgten.

Kein Vorteil für Neuerkrankte

Die teilnehmenden Personen mit Typ-2-Diabetes und einer Erkrankungsdauer von 5 Jahren oder länger, die sich entsprechend den Vorgaben der Mittelmehrkost ernährten, erzielten bessere Ergebnisse beim verbalen Gedächtnistest als die Teilnehmer mit Typ-2-Diabetes und einer Diabetes-Dauer von mehr als 5 Jahren, die sich weniger stark mediterran ernährten. Hinsichtlich anderer kognitiver Fähigkeiten war kein Zusammenhang mit der Mittelmeerkost erkennbar.

Bei den Kontrollpersonen, den Teilnehmenden mit Typ-1-Diabetes sowie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit einer neu diagnostizierten Diabetes-Erkrankung konnte jeweils kein Zusammenhang zwischen einer mediterranen Ernährungsweise und der Gedächtnisleistung oder anderen kognitiven Fähigkeiten festgestellt werden.

Ungesättigte Fettsäuren und Antioxidantien für bessere Gedächtnisleistung

Das verbesserte sprachliche Gedächtnis könnte mit dem in der Mittelmeerkost enthaltenden hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren und Antioxidantien zusammenhängen, schlussfolgern die Forscherinnen und Forscher. Diese haben unter anderen einen positiven Effekt auf Entzündungsprozesse und die Freisetzung von freien Radikalen.
 

Quelle:
Kössler, T. et al.: Associations between cognitive performance and Mediterranean dietary pattern in patients with type 1 or type 2 diabetes mellitus. In: Nutrition and Diabetes, 2020, 10: 10