Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass Menschen mit Diabetes im Durchschnitt täglich rund 77 Minuten bewusst über ihr Diabetes-Management nachdenken – manche sogar deutlich länger. Die wahrgenommene gedankliche Belastung durch Diabetes (engl.: mental load) war bei Menschen mit Typ-1-Diabetes höher als bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und bei Frauen höher als bei Männern. Zudem nahm sie mit der Intensität der Behandlung, zum Beispiel durch den Einsatz von Insulinpumpen oder kontinuierlichen Glukosemesssystemen (CGM-Systemen), zu und kann sich verstärken, wenn bereits psychische Erkrankungen vorliegen.
Was ist Diabetes-Distress?
Diabetes mellitus ist eine chronische Erkrankung, die tagtäglich Anforderungen an die betroffenen Personen stellt. Der Begriff „Diabetes-Distress“ beschreibt die belastenden Gefühle, die entstehen können, wenn die Anforderungen des Diabetes mit dem eigenen Leben schwer vereinbar scheinen. Dazu zählen zum Beispiel:
- Dauerstress
- Frustration
- Schuldgefühle
- Das Gefühl, nicht genug zu leisten
- Sorgen und Ängste vor Stoffwechselentgleisungen und/oder Komplikationen
Viele Menschen erleben Diabetes-Distress – zeitweise oder immer wieder. Besonders dann, wenn im Leben viel los ist, sich die Therapie verändert oder die Blutzuckerwerte stark schwanken.
Wohlbefinden – zentraler Bestandteil der Diabetes-Therapie
Diabetes-Distress kann dazu führen, dass die Diabetes-Therapie vernachlässigt wird. Dies kann sich wiederum negativ auf die Blutzuckerwerte und das Risiko für Stoffwechselentgleisungen und diabetesbedingte Folgeerkrankungen auswirken. Daher ist es wichtig, sich frühzeitig Unterstützung zu suchen. Oft kann es schon helfen, die Belastungen und Herausforderungen anzusprechen und mit dem Diabetes-Team oder anderen betroffenen Personen zu teilen. In diesem Rahmen können auch Strategien für den Umgang mit den Belastungen entwickelt werden.
Ein vertieftes Wissen über die eigene Erkrankung kann zudem Ängsten entgegenwirken und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken.
Mehr Informationen zu psychischen Belastungen und Herausforderungen bei Diabetes lesen Sie hier.
Auch Diabetes-Fachkräfte sollten das seelische Befinden regelmäßig und aktiv ansprechen. Fragebögen wie der WHO-5 Fragebogen der Weltgesundheitsorganisation können helfen, das psychische Wohlbefinden zu erfassen und mögliche Belastungen sichtbar zu machen.
Quelle:
Priesterroth, L.-S. et al.: Counting the Minutes: Perceived Diabetes Mental Load and Its Associations With Technology Use and Mental Disorders. In: J Diabetes Sci Technol, 2025, 19: 830-835



