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Neue Studienergebnisse

Zahnimplantate bei Menschen mit Diabetes – Komplikationen bereits vorprogrammiert?

Forschende haben in einer umfangreichen Forschungsarbeit 56 Studien miteinander verglichen, um aktuelle Aussagen über die Erfolgschance von Zahnimplantaten bei Menschen mit Diabetes zu treffen. Im Fokus ihrer Arbeit steht die Frage: Haben Menschen mit Diabetes eine höhere Komplikationsrate bei Zahnimplantaten als Personen ohne Diabetes?

 

Diabetes und Zahngesundheit

Immer mehr Menschen erkranken an Typ-2-Diabetes. Diese Diagnose hat einen Einfluss auf die verschiedensten Lebensbereiche – so auch auf die Zahngesundheit. Menschen mit Diabetes haben nicht nur ein 3-fach erhöhtes Risiko, eine Zahnfleischentzündung zu bekommen, sondern weisen auch eine herabgesetzte Wundheilung und einen beeinträchtigten Knochenstoffwechsel auf.

Experten und Expertinnen sind deshalb lange Zeit davon ausgegangen, dass Zahnimplantate für Menschen mit Diabetes nicht geeignet sind. Die Chance auf eine Entzündung des Implantats (Periimplantitis) sei zu hoch. Nachdem dieses erhöhte Risiko in letzter Zeit immer wieder in Frage gestellt wurde, bestätigt die vorliegende Übersichtsarbeit erneut, dass Betroffene auf ein Zahnimplantat zurückgreifen können.

 

Erfolgschance für Zahnimplantate ist gut

Menschen mit gut eingestelltem Diabetes haben nicht häufiger Komplikationen im Zusammenhang mit Zahnimplantaten als Personen ohne Diabetes. Zu diesem Schluss kommt die Übersichtsarbeit. Außerdem waren die Erfolgschancen für ein Überleben des Zahnimplantats bei Menschen mit und ohne Diabetes in den ersten Jahren gleich gut. Nach längerer Zeit ist die Tendenz bei Personen mit Diabetes für einen Implantatverlust eher erhöht als bei Menschen ohne Diabetes.

Bei Personen mit schlecht eingestelltem Diabetes (Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c) größer als 8 Prozent (64 mmol/mol)) kam es in der Zeit nach dem Einsetzen des Implantats häufiger zu einer Periimplantitis als bei Personen mit besser eingestelltem Diabetes. Es zeigte sich außerdem, dass mit höherem Langzeit-Blutzuckerwert häufiger ein Verlust des Implantats einhergeht.

Bei Personen mit Prädiabetes (Vorstufe des Typ-2-Diabetes) zeichnet sich ab, dass diese im Zusammenhang mit Zahnimplantaten häufiger Erkrankungen des Zahnapparates entwickeln. Es zeigte sich jedoch kein Nachteil in Hinsicht auf den Gesamterfolg eines Implantats. Generell braucht es allerdings noch mehr Studien, um umfangreiche Aussagen über den Erfolg von Zahnimplantaten bei vorliegendem Prädiabetes treffen zu können.

 

Vor- und Nachsorge von großer Bedeutung

Zusammengefasst zeigt sich, dass eine Wiederherstellung der Zahnreihe (orale Rehabilitation) mit Zahnimplantaten bei Personen mit Diabetes oder Prädiabetes ein sicheres Verfahren ist. Da es sich abzeichnet, dass es vor allem in der Zeit nach dem Einsetzen des Implantats zu Komplikationen kommt, ist auf eine angepasste Nachsorge zu achten. Eine gute Blutzuckereinstellung kann die Erfolgschancen zudem steigern.

Menschen mit Diabetes haben generell ein erhöhtes Risiko für Zahnfleischentzündungen. Wird diese chronisch, spricht man von einer Parodontitis – diese geht mit allmählichem Knochenverlust einher, die Zähne werden locker und können ausfallen. Um einen möglichen Zahnverlust und die Notwendigkeit eines Zahnimplantats zu vermeiden, können Risikofaktoren einer Parodontitis reduziert werden.

Diese Faktoren erhöhen das Risiko für Erkrankungen des Zahnapparates: 

  • Mangelnde Mundhygiene
  • Rauchen
  • Stress
  • Übergewicht
  • genetische Veranlagung

Mehr Informationen über die Vorbeugung, das Risiko und die Behandlung von Parodontitis bei Diabetes finden Sie in unserem Leitartikel.

 

Quelle:

Wagner, J. et al.: Systematic review on diabetes mellitus and dental implants: an update. In: International Journal of Implant Dentistry, 2022 (online)