Zusammenhang zwischen Essenszeitpunkt und Stoffwechsel
Für viele Menschen beginnt der Tag ohne Frühstück, die Zeit für ein ausgiebiges Mittagessen fehlt und abends wird reichlich gegessen. Doch der Körper verarbeitet Nährstoffe nicht zu jeder Tageszeit gleich gut. Vorherige Studien haben gezeigt, dass spätes Essen das Risiko für Übergewicht und starkes Übergewicht (Adipositas) erhöhen kann. Nun untersuchten Forschende des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) im Rahmen einer Zwillingsstudie, ob die Essenszeit sich auch auf den Zuckerstoffwechsel auswirkt. Dabei zeigte sich: Wer später isst, hat möglicherweise eine verminderte Insulinempfindlichkeit. Insbesondere Menschen mit einem frühen Chronotyp waren betroffen.
Was wurde untersucht?
Die Forschenden untersuchten 46 ein- und zweieiige Zwillingspaare ohne Diabetes. Die Teilnehmenden notierten über 5 Tage ihre Mahlzeiten und Schlafgewohnheiten. Anhand der Angaben wurde der jeweilige sogenannte zirkadiane kalorische Mittelpunkt (CCM) berechnet – also der Zeitpunkt, an dem die Teilnehmenden die Hälfte ihrer Tageskalorien aufgenommen hatten. Zusätzlich wurde mithilfe eines oralen Glukosetoleranztests (oGTT) die Insulinempfindlichkeit der Teilnehmenden bestimmt.
Späte Kalorienaufnahme – geringere Insulinsensitivität
Die Auswertung ergab: Personen mit einer späteren Hauptkalorienaufnahme hatten eine niedrigere Insulinempfindlichkeit. Ihr Körper benötigte also mehr Insulin, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Auch der Body-Mass-Index (BMI) und Taillenumfang waren in dieser Gruppe höher. Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang bei Frühaufsteherinnen und Frühaufstehern: Bei ihnen wirkte sich spätes Essen besonders ungünstig auf den Zuckerstoffwechsel aus.
Auch Genetik beeinflusst Essenszeiten
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Essenszeiten werden teilweise auch durch die Genetik beeinflusst.So zeigte sich, dass der Zeitpunkt der ersten Mahlzeit sowie Schlafbeginn und -dauer zu einem hohen Anteil genetisch geprägt sind. Hingegen deuten die Studienergebnisse darauf hin, dass der Zeitpunkt der letzten Mahlzeit stärker durch Gewohnheiten und kulturelle Einflüsse bestimmt wird. Das heißt, die abendliche Essenszeit könnte eher veränderbar sein.
Hauptkalorienaufnahme während der ersten Tageshälfte
Die Studie zeigt, dass eine frühere Hauptkalorienaufnahme mit einer höheren Insulinempfindlichkeit verbunden ist. Auch wenn genetische Faktoren die Uhrzeiten zum Essen mitbestimmen, könnte eine Anpassung der Essenszeiten den Zuckerstoffwechsel positiv beeinflussen.
Weitere Studien mit einer größeren Teilnehmendenzahl sind nötig, um die Übertragbarkeit der Ergebnisse zu prüfen und die Rolle der Essenszeitpunkte in der Diabetes-Prävention besser zu verstehen.
Quellen:
Deutsches Ärzteblatt: Späte Mahlzeiten vermindern Insulinwirkung. (Letzter Abruf: 08.08.2025)
Vahlhaus, J. et al.: Later eating timing in relation to an individual internal clock is associated with lower insulin sensitivity and affected by genetic factors. In: EBioMedicine, 2025, 116: 105737



