Bewegungsdaten aus dem Alltag analysiert
Im Rahmen einer Beobachtungsstudie werteten Forschende die Bewegungsdaten von mehr als 85.000 Erwachsenen aus der United Kingdom (UK) Biobank aus. Die Teilnehmenden trugen mehrere Tage Bewegungssensoren am Handgelenk, um ihre Alltagsaktivität zu erfassen.
In die Auswertung flossen Daten von rund 80.000 Teilnehmenden ohne Koronare Herzkrankheit (KHK) sowie von etwa 5.000 Personen mit bereits bestehender KHK ein. Die Forschenden untersuchten, wie sich moderate bis intensive Bewegung auf das Risiko für eine KHK und auf die Sterblichkeit auswirkt – getrennt nach Geschlecht.
Bewegung wirkt bei Frauen stärker
Die Auswertung ergab: Wer die Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einhielt, hatte ein geringeres Risiko für eine KHK. Allerdings zeigten sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Bei Frauen sank das Erkrankungsrisiko um etwa 22 Prozent, bei Männern um rund 17 Prozent. Beim Vergleich, wie viel Bewegung für eine Risikosenkung um 30 Prozent nötig ist, wird der Unterschied noch deutlicher: Frauen erreichten diese bereits mit etwa 250 Minuten moderater bis intensiver körperlicher Aktivität pro Woche. Männer mussten sich für einen ähnlichen Schutzeffekt mit 530 Minuten pro Woche mehr als doppelt so lange bewegen.
Auch bei Menschen mit bestehender KHK zeigte Bewegung einen klaren Nutzen. Besonders ausgeprägt war dieser Effekt bei Frauen, die sich regelmäßig bewegten. Sie hatten ein um 70 Prozent niedrigeres Sterberisiko als inaktive Frauen. Bei Männern mit KHK war der Nutzen von Bewegung deutlich geringer: Ihr Sterberisiko sank um etwa 20 Prozent.
Längere Gehphasen zahlen sich aus
Nicht nur die Menge an Bewegung, sondern auch, wie sie über den Tag verteilt ist, könnte für die Gesundheit entscheidend sein. Das zeigt eine weitere aktuelle Auswertung der Daten von mehr als 33.000 Erwachsenen aus der UK Biobank.
Bei wenig aktiven Erwachsenen war ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vorzeitigen Tod vor allem dann zu beobachten, wenn Schritte in längeren Gehphasen von mindestens 10 Minuten zurückgelegt wurden. Besonders deutlich war dieser Effekt bei sehr inaktiven Menschen mit weniger als 5.000 Schritten pro Tag. Schon ein täglicher Spaziergang von 10 bis 15 Minuten war mit messbaren gesundheitlichen Vorteilen verbunden.
Beide Studien zeigen: Bewegung ist wichtig für die Herzgesundheit – besonders, wenn Bewegung in längeren Phasen am Stück stattfindet. Weitere Studien sind nötig, um die Zusammenhänge genauer zu verstehen.
Quellen:
Chen, J. et al.: Sex differences in the association of wearable accelerometer-derived physical activity with coronary heart disease incidence and mortality. In: Nat Cardiovasc Res, 2025, 4: 1539-1549
Del Pozo Cruz, B. et al.: Step Accumulation Patterns and Risk for Cardiovascular Events and Mortality Among Suboptimally Active Adults. In: Ann Intern Med, 2025, 178: 1718-1727
Deutsches Ärzteblatt: Frauen schützen ihr Herz schon mit weniger Bewegung als Männer. (Letzter Abruf: 15.01.2026)
Deutsches Ärzteblatt: Wer sich wenig bewegt, sollte wenigstens länger am Stück gehen. (Letzter Abruf: 15.01.2026)



