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Welt-Adipositas-Tag

Neuer Index zeigt Stoffwechsel­veränderungen genauer als der BMI

Der Body-Mass-Index (BMI) gilt seit Jahrzehnten als Standardmaß, um Übergewicht und Adipositas zu beurteilen. Seine Aussagekraft ist jedoch eingeschränkt: Menschen mit gleichem BMI können ein sehr unterschiedliches Risiko für Typ-2-Diabetes, Fettleber oder kardiovaskuläre Erkrankungen haben. Forschende haben nun einen neuen Messwert entwickelt, der diese Risiken besser abbildet.

 

Anders als der BMI basiert der sogenannte metabolische BMI (metBMI) nicht allein auf dem Körpergewicht und der Körpergröße, sondern auf umfassenden Laboranalysen. Um den metBMI zu bestimmen, werteten die Forschenden Daten von mehr als 1.800 Personen aus 2 großen schwedischen Bevölkerungsstudien aus. Mithilfe eines Algorithmus verknüpften sie die Informationen aus Blutanalysen, Untersuchungen des Darmmikrobioms und Angaben zum Lebensstil zu einem neuen Index.

Ziel war es, einen neuen Index zu entwickeln, um das individuelle Risiko für Stoffwechselerkrankungen präziser erfassen zu können als mit dem herkömmlichen BMI.

 

Warum der BMI allein nicht ausreicht

Der BMI sagt nichts darüber aus, wo sich das Fettgewebe im Körper verteilt und wie hoch das gesundheitliche Risiko ist. So können auch Menschen mit einem BMI im Normalbereich eine Insulinresistenz, eine Fettlebererkrankung oder Entzündungsreaktionen entwickeln, während Personen mit Übergewicht einen weitgehend unauffälligen Metabolismus aufweisen können.

Der neu entwickelte metBMI erfasst Stoffwechselveränderungen, die häufig mit starkem Übergewicht einhergehen. Menschen mit Normalgewicht und einem hohen metBMI hatten ein 2- bis 5-fach höheres Risiko für eine Fettlebererkrankung, einen Typ-2-Diabetes, eine starke Fettansammlung im Bauchraum (viszerales Fettgewebe), eine Insulinresistenz und Entzündungen.

Des Weiteren zeigte sich, dass der metBMI offenbar stärker durch Lebensstil und Umweltfaktoren geprägt wird als durch genetische Veranlagung.

 

Darmmikrobiom spielt zentrale Rolle

Auch beim Darmmikrobiom zeigten sich Unterschiede: Menschen mit hohem metBMI wiesen eine geringere bakterielle Vielfalt und veränderte Stoffwechselaktivitäten im Darm auf als Menschen mit einem niedrigeren metBMI. Diese Veränderungen scheinen den Fett- und Glukosestoffwechsel sowie Entzündungsprozesse im Körper zu beeinflussen.

 

Chancen für personalisierte Prävention und Therapie

Der metBMI könnte künftig helfen, Menschen mit einem hohen gesundheitlichen Risiko frühzeitig zu erkennen – auch dann, wenn ihr BMI im Normalbereich liegt. Dadurch ließen sich gezielte Präventionsmaßnahmen und individuell angepasste Therapien entwickeln.

Noch ist der metBMI vor allem ein Forschungsinstrument. Für seine Bestimmung sind umfangreiche Laboranalysen nötig. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen jedoch, dass die Ergebnisse einen wichtigen Schritt hin zu einer präziseren Bewertung der Stoffwechselgesundheit darstellen können. Langfristig könnte dies helfen, Typ-2-Diabetes und weitere Stoffwechselerkrankungen früher zu erkennen und vorzubeugen.
 

Weitere Informationen rund um das Krankheitsbild Adipositas finden Sie in unserem Vorbeugen-Portal.

 

Quellen:

Chakaroun, R. M. et al.: Multi-omic definition of metabolic obesity through adipose tissue–microbiome interactions. In: Nat Med, 2026, 32: 113-125

Universitätsklinikum Leipzig: Neuer BMI deckt versteckte Stoffwechselstörung auf. (Letzter Abruf: 02.03.2026)