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Therapie und Lebensstil

Semaglutid und Co.: Beeinflussen GLP-1-Rezeptoragonisten auch Einkaufverhalten und Alkoholkonsum?

GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid und Liraglutid werden zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und starkem Übergewicht (Adipositas) eingesetzt. Sie unterstützen unter anderem bei der Gewichtsabnahme, indem sie das Sättigungsgefühl verstärken und den Appetit dämpfen. Verschiedene Studien deuten nun darauf hin, dass Menschen, die mit GLP-1-Rezeptoragonisten behandelt werden, möglicherweise häufiger zu gesünderen Lebensmitteln greifen und weniger Alkohol trinken.

 

Kaufen Menschen unter GLP-1-Therapie anders ein? 

Eine aktuelle dänische Beobachtungsstudie liefert Hinweise darauf, dass sich Menschen unter einer Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten beim Einkaufen häufiger für ausgewogenere Lebensmittel entscheiden. Die Forschenden analysierten dafür Einkaufsdaten von über 13.500 Personen, die ihre Kassenbons freiwillig zur Verfügung stellten. Aus dieser Gruppe wurden 1.117 Personen näher untersucht. Etwa ein Viertel der Teilnehmenden begann im Beobachtungszeitraum eine Behandlung mit einem GLP-1-Rezeptoragonisten

Nach Beginn der Therapie griffen diese Personen im Durchschnitt etwas häufiger zu Lebensmitteln mit weniger Kalorien, Zucker und gesättigten Fettsäuren. Gleichzeitig landeten etwas mehr eiweißreiche Produkte und weniger stark verarbeitete Lebensmittel in ihren Einkaufswägen. Allerdings zeigt die Studie nur, was gekauft wurde – nicht, was tatsächlich gegessen wurde. 

 

Verringert sich auch der Alkoholkonsum? 

Untersuchungen legen zudem nahe, dass sich bei Menschen, die GLP-1-Rezeptoragonisten einnehmen, auch der Umgang mit Alkohol verändern könnte. In einer kleinen, 9-wöchigen klinischen Studie mit 48 Teilnehmenden mit einer diagnostizierten Alkoholabhängigkeit verringerte die Behandlung mit dem GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid das Verlangen nach Alkohol. Auch Beobachtungsstudien zeigen einen ähnlichen Trend. Eine große Auswertung von US-amerikanischen Gesundheitsdaten ergab: Menschen mit Adipositas, die Semaglutid zur Gewichtsabnahme erhielten, wurden innerhalb eines Jahres nur etwa halb so oft wegen Alkoholproblemen medizinisch betreut wie vergleichbare Personen ohne diese Therapie. 

Eine mögliche Erklärung liegt im Magen-Darm-Trakt: GLP-1-Medikamente verlangsamen die Magenentleerung. Dadurch gelangt der Alkohol langsamer in den Dünndarm, wo der Körper ihn ins Blut aufnimmt. Wenn Alkohol langsamer ins Blut übergeht, steigt auch der Alkoholspiegel langsamer. Das Rauschgefühl kann sich dadurch verändern.  

 

So sind die Ergebnisse einzuordnen 

Die bisherigen Studien deuten darauf hin, dass GLP-1-Rezeptoragonisten nicht nur den Stoffwechsel beeinflussen, sondern möglicherweise auch Gewohnheiten rund um Ernährung und Alkohol verändern. Ob die Wirkung der Medikamente diese Veränderungen auslösen oder ob Menschen insgesamt bewusster leben, wenn sie eine Therapie beginnen, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. 

Unabhängig davon gilt: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ein maßvoller Umgang mit Alkohol sind wichtige Bausteine, um Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. 

Mehr Informationen zur Wirkung von GLP-1-Rezeptoragonisten und anderen Medikamenten zur Behandlung von Adipositas finden Sie in unserem Hintergrundartikel.

 

Quellen: 

Deutsches Ärzteblatt: GLP-1-RA-Therapie könnte zu gesünderen Lebensmitteleinkäufen verleiten. (Letzter Abruf: 16.03.2026) 

Deutsches Ärzteblatt: Alkohol: Langsamer betrunken mit GLP-1-Agonisten. (Letzter Abruf: 16.03.2026) 

Hendershot, C. S. et al.: Once-Weekly Semaglutide in Adults with Alcohol Use Disorder. In: JAMA Psychiatry, 2025, 82: 395-405 

Sørensen, K. K. et al.: Consumer Food Purchases After Glucagon-Like Peptide-1 Receptor Agonist Initiation. In: Jama Netw Open, 2026, 9: e2555449  

Wang, W. et al.: Associations of semaglutide with incidence and recurrence of alcohol use disorder in real-world population. In: Nat Commun, 2024, 15: 4548