Ausschnitt der Körpermitte: Die Person greift mit ihrer Hand an ihren Bauch, der zwischen der Hose und dem Pullover herausguckt.

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Adipositas

Beeinflusst bereits Adipositas geistige und körperliche Funktionen?

Wissenschaftliche Unterstützung: Gidon Bönhof

Sehr starkes Übergewicht hat Auswirkungen auf bestimmte Funktionen im Gehirn. Andere Komplikationen des Typ-2-Diabetes dagegen treten erst auf, wenn die Blutzuckerwerte langfristig erhöht sind.

Menschen, die stark adipös, aber nicht an Diabetes erkrankt sind, haben ein erhöhtes Risiko für geistige (kognitive) Beeinträchtigungen und Nervenschädigungen. Das zeigt eine Studie, die das Auftreten unterschiedlicher Komplikationen bei sehr stark übergewichtigen Menschen mit und ohne Typ-2-Diabetes sowie bei normalgewichtigen Kontrollpersonen ohne Diabetes verglichen hat.

Vor einer Magen-Bypass-Operation wurden 138 adipöse Patientinnen und Patienten, 56 davon mit einer Diabetes-Vorstufe (Prädiabetes) und 49 mit Typ-2-Diabetes, sowie 46 Kontrollpersonen, hinsichtlich kognitiver Störungen und diabetesbedingter Folgeerkrankungen an Nerven, Nieren und Augen untersucht.

Mehr als ein Fünftel mit kognitiven Beeinträchtigungen

Mehr als ein Fünftel (21 Prozent) der sehr stark übergewichtigen (hoch adipösen) Patientinnen und Patienten zeigten bereits kognitive Beeinträchtigungen, im Vergleich zu 6,5 Prozent der Kontrollgruppe. Bei hoch adipösen Personen mit Typ-2-Diabetes (25,6 Prozent) war der Anteil nur unwesentlich höher als bei den sehr stark Übergewichtigen ohne Diabetes (22,2 Prozent).

Auch Erkrankungen des peripheren Nervensystems (periphere Neuropathien) konnten bereits bei 18 Prozent der hoch adipösen Menschen ohne Diabetes festgestellt werden. Augen- und Nierenschäden traten dagegen bei diesen Patientinnen und Patienten noch nicht auf. Diese diabetesbedingten Komplikationen zeigten sich ausschließlich bei Teilnehmenden mit Prädiabetes oder Diabetes.

Bauchfett ist gefährlichster Risikofaktor

Besonders der Bauchumfang stand in einem engen Zusammenhang mit der kognitiven Funktion: Mit steigenden Werten nahm das Auftreten kognitiver Defizite zu.

Die Studie verdeutlicht einmal mehr: Wer dauerhaft ein stark erhöhtes Körpergewicht und besonders viele Fettpolster um die Körpermitte aufweist, kann bereits kognitive Beeinträchtigungen und Nervenschäden davontragen. Augen- sowie Nierenschäden treten erst infolge chronisch erhöhter Blutzuckerwerte auf.
 

Quelle:
Callaghan, B. C. et al.: The Prevalence and Determinants of Cognitive Deficits and Traditional Diabetic Complications in the Severely Obese. In: Diabetes Care, 2020, 43: 683-690