Ärztin führt eine augenärztliche Untersuchung durch

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Vorbeugen

Bereits leicht erhöhte Blutzuckerwerte können zu Augenschädigungen beitragen

Wissenschaftliche Unterstützung: PD Dr. Julia Szendrödi

Eine schlechte Blutzuckerkontrolle kann das Risiko einer Gefäßerkrankung deutlich erhöhen. Das zeigt eine Beobachtungsstudie, in der das Auftreten von Augen- und Nierenschäden sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen zum Zeitpunkt der Typ-2-Diabetes-Diagnose untersucht wurde.

Schlechte Blutzuckerwerte erhöhen das Risiko für Schäden an den kleinen (Erkrankungen der Netzhaut des Auges oder der Nieren) und großen Blutgefäßen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Weitere Risikofaktoren stellen Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Rauchen und ein ungesunder Lebensstil dar. Eine britische Studie hat nun das Auftreten von Gefäßerkrankungen im Zusammenhang mit dem Blutzuckerstatus vor der Diabetes-Diagnose untersucht. Hierzu wurden Daten von mehr als 150.000 Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes aus einem der weltweit größten Patientenregister analysiert.

Registerstudie: Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden weisen Gefäßschäden auf

Bei der Untersuchung wurden die Teilnehmenden in 3 Gruppen unterteilt:

  • Normale Blutzuckerwerte vor der Diabetes-Diagnose
  • Diabetes-Vorstufe (Prädiabetes) vor der Diabetes-Diagnose
  • Keine Blutzuckermessungen innerhalb der letzten 3 Jahre vor der Diagnosestellung

Das Ergebnis: Bei mehr als der Hälfte aller Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes lag bereits zum Diagnose-Zeitpunkt mindestens eine Gefäßerkrankung vor. Das bedeutet, dass die Gefäßschäden bereits auftraten, bevor sich die Diabetes-Erkrankung manifestierte.

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte können besonders die Augen schädigen

Es zeigte sich, dass das Auftreten von Gefäßerkrankungen zum Diagnose-Zeitpunkt stark von der Blutzuckerkontrolle in den Jahren zuvor abhängt. Diejenigen, bei denen vorher eine Diabetes-Vorstufe (Prädiabetes) mit Blutzuckerwerten außerhalb des Normbereichs festgestellt wurde, hatten ein um 76 Prozent erhöhtes Risiko einer Netzhauterkrankung und ein um 14 Prozent erhöhtes Risiko einer Nierenschädigung im Vergleich zu den Studienteilnehmenden, die vor der Diagnosestellung Blutzuckerwerte im Normbereich aufwiesen. Zudem war das Risiko bei den Patientinnen und Patienten mit einem im Vorfeld diagnostizierten Prädiabetes für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, zum Beispiel einen Herzinfarkt, um 7 Prozent erhöht.

Fazit: Gefäßerkrankungen frühzeitig vorbeugen

Um diesen Erkrankungen, die zu den häufigsten Folgen eines Typ-2-Diabetes gehören, besser vorbeugen zu können, ist eine frühzeitige Diagnose von erhöhten Blutzuckerwerten und dem Vorliegen eines Prädiabetes unerlässlich. Nur so können durch gezielte vorbeugende Maßnahmen die Entstehung einer Diabetes- und/oder Gefäßerkrankung verhindert oder zumindest verzögert werden.


Quelle:
Palladino, R. et al.: Association between pre- diabetes and microvascular and macrovascular disease in newly diagnosed type 2 diabetes. In: BMJ Open Diab Res Care, 2020, 8: e001061