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Ernährung

Einfluss auf Herz und Stoffwechsel: Zucker im Vergleich

Wissenschaftliche Unterstützung: Dr. Sabrina Schlesinger

Das Ersetzen von Ein- und Zweifachzuckern (Traubenzucker, Fruchtzucker, Haushaltszucker) durch komplexere Kohlenhydrate (Stärke) kann bestimmte Herz-Kreislauf- und Stoffwechselparameter beeinflussen, wie eine neue systematische Auswertung und Meta-Analyse zeigt.

Mittels einer neuen Analysemethode haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erstmals den Effekt von verschiedenen Zuckerarten gleichzeitig auf bestimmte Risikofaktoren für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen ausgewertet und miteinander vergleichen.

Insbesondere bei einem hohen Verzehr von Fruchtzucker wird schon länger ein negativer Effekt auf Herz-Kreislauf- und Stoffwechselparameter, wie zum Beispiel die Insulinwirkung und Blutfettwerte, vermutet. In ihrer Analyse haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und Österreich die Ergebnisse aus 38 randomisierten kontrollierten Ernährungsstudien mit insgesamt 1.383 Teilnehmenden systematisch zusammengefasst und ausgewertet. In den Originalstudien wurde untersucht, inwiefern sich der Ersatz bestimmter Zucker (zum Beispiel Fruchtzucker (Fruktose)) durch andere Zucker wie Haushaltszucker (Saccharose), Traubenzucker (Glukose) oder Stärke auf verschiedene Marker der Herz- und Stoffwechselgesundheit auswirkt.

Komplexe Kohlenhydrate verbessern „schlechte“ Cholesterinwerte und Blutzuckerwerte

Der Ersatz von Fruchtzucker und Haushaltszucker durch Stärke senkte bei gleichbleibendem Kaloriengehalt das sogenannte Low-Density-Lipoprotein (LDL)-Cholesterin, welches mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wird. Jedoch zeigte sich dieser günstige Effekt nur in Kurzzeitstudien mit einer Dauer von weniger als 8 Wochen. Der Ersatz von Haushaltszucker durch Stärke führte außerdem zu einer Senkung des Nüchternblutzuckerwerts. Zudem verbesserte der Ersatz von Fruchtzucker durch Traubenzucker die Insulinresistenz.

Für die anderen Parameter der Herz-Kreislauf- und Stoffwechselgesundheit – beispielsweise weiteren Blutfetten (Triglyzeride), dem Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert), Entzündungswerten (C-reaktives Protein) oder dem Leberfettgehalt – zeigten sich durch den Austausch der Zucker untereinander keine Unterschiede.

Die Aussagekraft der Auswertung (Vertrauen in die Ergebnisse) wurde als sehr niedrig bis moderat eingestuft. Gründe hierfür waren die Qualität der Originalstudien, die fehlende Genauigkeit der Ergebnisse (zu kleine Studienkollektive) und die Inkonsistenz zwischen den Studien.

Fazit des Forschungsteams

Die Auswertung zeigt, dass nicht nur die Quantität von Zucker, sondern auch die Qualität der Zuckerauswahl einen Beitrag zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen liefert. Besonders günstig wirkte sich der Konsum von komplexen Kohlenhydraten aus. Allerdings sind weitere gut durchgeführte Studien notwendig, um die Aussagekraft der Ergebnisse zu stärken.

 

Quelle:
Schwingshackl, L. et al.: Dietary sugars and cardiometabolic risk factors: a network meta-analysis on isocaloric substitution interventions. In: Am J Clin Nutr, 2020, 111: 187-196