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Diabetes Typ 2

Erhöhen Säureblocker das Diabetes-Risiko?

Menschen, die regelmäßig Säureblocker einnehmen, haben möglicherweise ein höheres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Sie gehören mit zu den weltweit am häufigsten verwendeten Medikamenten und werden unter anderem zur Behandlung von Sodbrennen, Verdauungsstörungen oder Magengeschwüren eingesetzt. Die neuen Erkenntnisse gehen aus einer groß angelegten Beobachtungsstudie hervor.

Säureblocker, sogenannte PPI (Protonenpumpeninhibitoren), erkennt man an der Endung '-prazol' – so heißen die Wirkstoffe unter anderem Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol, Lansoprazol. Die Arzneimittel werden bei Magenproblemen verordnet, etwa bei saurem Reflux, aber auch als "Magenschutz", wenn Medikamente eingenommen werden, die dem Magen schaden könnten, beispielsweise Schmerzmittel oder verschiedene Antibiotika.

In ihrer Untersuchung überprüften die Forschenden die Gesundheitsdaten von mehr als 200.000 Studienteilnehmenden ohne Diabetes-Erkrankung im Alter von 25 bis 75 Jahren. Bei Studieneinschreibung und danach alle 2 Jahre aktualisierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Informationen über ihr Gesundheitsverhalten, ihre Krankengeschichte und neu diagnostizierte Krankheiten. Sie wurden zu Beginn auch dazu befragt, ob sie in den vorangegangenen 2 Jahren regelmäßig PPIs verwendet hatten: Regelmäßiger Gebrauch wurde definiert als 2- oder mehrmaliger Gebrauch pro Woche.

Regelmäßige PPI-Einnahme erhöht, Absetzen senkt das Diabetes-Risiko

Die Datenanalyse zeigte, dass während der durchschnittlichen Beobachtungszeit von etwa 9 bis 12 Jahren bei mehr als 10.000 Teilnehmenden Typ-2-Diabetes diagnostiziert wurde. Bei regelmäßiger Einnahme von PPIs lag die Wahrscheinlichkeit, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, um 24 Prozent höher als bei Nicht-Anwendenden. Darüber hinaus war das Risiko umso größer, je länger die Studienteilnehmenden die Medikamente einnahmen: Die Einnahme über einen Zeitraum von bis zu 2 Jahren war mit einem um 5 Prozent erhöhten Risiko verbunden, während die Einnahme über mehr als 2 Jahre mit einem um 26 Prozent erhöhten Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, verbunden war. Das Risiko sank, je mehr Zeit seit dem Absetzen verstrichen war.

Der Zusammenhang zwischen Diabetes-Risiko und der Einnahme von Säureblockern war nicht von Geschlecht, Alter, Diabetes in der Familie, Rauchen, dem Alkoholkonsum, der Ernährung, der körperlichen Aktivität, einem hohen Cholesterinspiegel oder dem regelmäßigen Gebrauch von entzündungshemmenden Medikamenten abhängig.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass solche Beobachtungsstudien nur Zusammenhänge, jedoch keine Ursachen aufzeigen. Ärztinnen und Ärzte sollten Personen, die diese Medikamente 2 oder mehr Jahre lang einnehmen, raten, ihren Blutzuckerspiegel regelmäßig untersuchen zu lassen.


Quelle:
Yuan, J. et al.: Regular use of proton pump inhibitors and risk of type 2 diabetes: results from three prospective cohort studies. In: Gut, 2020, 0: 1-8