Auf einem Tisch steht ein Korb mit Obst und Gemüse.

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Ernährung

Kann Obst zu einem niedrigen Typ-2-Diabetes-Risiko beitragen?

Wissenschaftliche Unterstützung: Maria Lipinski

In einer australischen Beobachtungsstudie mit mehr als 7.500 Frauen und Männern wiesen die Teilnehmenden, die mehrmals am Tag Obst verzehrten, nach einer Beobachtungszeit von 5 Jahren eine höhere Insulinempfindlichkeit und ein geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes auf als diejenigen, die weniger Obst aßen.

 

Die Vorteile von Obst und Gemüse

Zu den ernährungsphysiologischen Vorteilen von Obst und Gemüse zählen eine geringe Energiedichte, das Fehlen von Cholesterin, ein geringer Fettgehalt und gleichzeitig ein hoher Gehalt an Vitaminen (zum Beispiel B-Vitamine und Vitamin C) sowie Mengen- und Spurenelementen, sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen. Dadurch gehören Obst und Gemüse zu den energieärmsten Lebensmitteln bei gleichzeitig hohem Nährstoffgehalt.

Nach derzeitigen Einschätzungen entfalten weniger einzelne Inhaltsstoffe von Obst und Gemüse, sondern vielmehr die Gesamtheit der vielen biologisch aktiven Substanzen, die in Obst und Gemüse enthalten sind, positive Wirkungen auf die Gesundheit. Zudem ändert sich durch einen hohen Obst- und Gemüsekonsum das Ernährungsmuster. Dazu gehört der sogenannte „Verdrängungseffekt“: Ein erhöhter Obst- und Gemüsekonsum hat einen geringeren Verzehr von tierischen Lebensmitteln und damit einhergehend einen geringeren Verzehr von zum Beispiel gesättigten Fettsäuren zur Folge.

 

Empfehlungen zum Obst- und Gemüseverzehr

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine tägliche Zufuhr von rund 400 Gramm Gemüse und 250 Gramm Obst. Aufgrund der unterschiedlichen sekundären Pflanzenstoffe in Obst und Gemüse sollte die ganze Vielfalt des Angebots an Gemüse und Obst genutzt werden. Diese Verzehrempfehlungen tragen wesentlich zur Zufuhr von Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen und anderen Nährstoffen bei.

 

AusDiab-Studie unterstreicht bestehende Empfehlungen

Die Ergebnisse der Australian Diabetes and Lifestyle Study (AusDiab) bestätigen die bisherigen Erkenntnisse zum Obst- und Gemüseverzehr.

Zu Beginn der Studie füllten 7.675 Australierinnen und Australier (Durchschnittsalter: 54 Jahre) einen Fragebogen aus. Über den Fragebogen wurde erfasst, wie häufig sie verschiedene Obstsorten und Fruchtsäfte verzehren. Die Teilnehmenden konnten zwischen 4 Antwortmöglichkeiten von „nie“ bis „mindestens 3 Mal am Tag“ wählen. Zudem wurden Blutzucker- und Insulinmessungen durchgeführt.

In der Nachbeobachtungszeit wurde nach 5 Jahren bei 4.674 der Teilnehmenden und nach 12 Jahren bei 3.518 der Teilnehmenden das Vorliegen eines Typ-2-Diabetes erfasst.

 

Positiver Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel

Im Schnitt verzehrten die Teilnehmenden zu Beginn der Studie 162 Gramm Obst pro Tag. Dabei griffen sie am häufigsten zu Äpfeln, Bananen, Orangen und anderen Zitrusfrüchten. Die Auswertung ergab, dass der Verzehr von 162 bis 400 Gramm Obst pro Tag für die ersten 5 Jahre einen günstigen Einfluss auf den Blutzucker und die Insulinsensitivität hatte – dies entspricht den zuvor genannten, bestehenden Empfehlungen.

Die Teilnehmenden mit einem moderaten Obstkonsum wiesen im Vergleich zu denen, die nur sehr selten Obst verzehrten, ein um 36 Prozent niedrigeres Typ-2-Diabetes-Risiko nach 5 Jahren auf.

Nach 12 Jahren bestand in der Studie weiterhin ein Zusammenhang zwischen einem moderaten Obstkonsum und geringerem Typ-2-Diabetes-Risiko. Dieser war jedoch deutlich kleiner, als nach 5 Jahren.

Der Konsum von Fruchtsaft ging zu keinem Zeitpunkt mit einem niedrigeren Typ-2-Diabetes-Risiko einher.

 

Aktiven und vielfältigen Lebensstil bevorzugen

Die Ergebnisse bestätigen die bisherigen Erkenntnisse und unterstreichen die bestehenden Empfehlungen. Allerdings sollte Obst nicht isoliert ohne die restliche Ernährung betrachtet werden. Zudem spielt die Bewegung ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Typ-2-Diabetes.

Fruchtsäfte dagegen lassen den Blutzuckerspiegel schneller ansteigen als Obst und enthalten zudem weniger sättigende Ballaststoffe.

 

Weitere Informationen zu einer ausgewogenen Ernährung und einem aktiven Lebensstil finden Sie unter "Typ-2-Diabetes vorbeugen - Was kann ich tun?".
 

Quelle:
Bondonno, N. P. et al.: Association Between Fruit Intake and Risk of Diabetes in the AusDiab Cohort. In: J Clin Endocrinol Metab, 2021 (online)