Rückenansicht einer Frau, die in einem Fitnesstudio an einem Gerät trainiert.

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Vorbeugung

Kann Sport die akute Blutzuckerregulation bei Frauen verbessern?

Wissenschaftliche Unterstützung: Dr. Christina Gar

Bei übergewichtigen Frauen wirkt sich schon ein 20-minütiges Ausdauertraining positiv auf den Blutzuckerspiegel aus. Die Fettverbrennung scheint bei ihnen jedoch langsamer einzusetzen als bei normalgewichtigen Frauen.

In einer Studie führte ein 45-minütiges Ausdauertraining bei Frauen mit einem erhöhten Body-Mass-Index (BMI) im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen teilweise zu unterschiedlichen Auswirkungen: Während sich die Blutzuckerkontrolle in beiden Gruppen verbesserte, zeigte sich eine veränderte Reaktion des Trainings auf weitere Hormone und Stoffwechselvorgänge bei übergewichtigen Frauen.

Ausdauerprogramm auf dem Fahrradergometer

In der Studie, an der 17 übergewichtige oder adipöse sowie 28 normalgewichtige Frauen mit einem Durchschnittsalter von 40 Jahren teilnahmen, wurde untersucht, wie sich der Wechsel von der Ruhephase zu sportlicher Aktivität auf die körpereigenen Hormone sowie den Energiestoffwechsel auswirken. Beide Gruppen absolvierten in nüchternem Zustand ein 45-minütiges Trainingsprogramm auf einem Fahrradergometer bei 60 Prozent ihrer maximalen Leistungsfähigkeit.

Blutzuckerspiegel sinken nach 20 Minuten

In beiden Gruppen verbesserte sich die Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber dem Hormon Insulin. Dadurch normalisierten sich die vor dem Training erhöhten Blutzuckerwerte der übergewichtigen Teilnehmerinnen nach einer Trainingsdauer von 15 bis 20 Minuten. Während des Trainings war jedoch auch ein Anstieg der Stresshormone bei den Probandinnen mit einem erhöhten BMI zu beobachten.

Geringere „metabolische Flexibilität“

Eine Untersuchung der freien Fettsäuren im Blut zeigte, dass der Fettstoffwechsel von übergewichtigen Personen auf das gleiche Training langsamer reagiert als der von normalgewichtigen Personen. Das deutet darauf hin, dass die Fettverbrennung bei Menschen mit einem normalgewichtigen BMI schneller einsetzt als bei Menschen, die einen erhöhten BMI aufweisen. Die Fähigkeit auf vorübergehende Veränderungen des Stoffwechsels zu reagieren, die sogenannte „metabolische Flexibilität“, könnte bei übergewichtigen Personen beeinträchtigt sein. Das Forschungsteam vermutet, dass die beobachtete Stressreaktion auf das Training diese Beeinträchtigungen hervorruft und der Stoffwechsel dadurch schlechter auf den sportlichen Reiz reagiert.

Fazit: Sportprogramm auf die Zielgruppe abstimmen

Da übergewichtige Personen auf sportliches Training anders ansprechen als Normalgewichtige, ist es wichtig Intensität, Dauer und Umfang eines Sportprogramms für übergewichtige Menschen genau an die Zielgruppe anzupassen, damit der Sport sich günstig auf den Körper auswirkt.

Fest steht: Ein moderates Ausdauertraining bei 60 Prozent der Maximalleistung kann in allen Personen einen positiven Effekt auf den Blutzuckerspiegel erzielen. Jedoch sollte eine Stressreaktion des Körpers auf das Training vermieden werden. Für übergewichtige Personen könnte dies bedeuten, dass ein Training bei 60 Prozent der Maximalleistung kürzer (zum Beispiel 20 Minuten) und dafür häufiger, oder aber, dass lange Sporteinheiten bei einer geringeren Belastung stattfinden sollten.


Quelle:
Gar, C. et al.: Altered metabolic and hormonal responses to moderate exercise in overweight/obesity. In: Metabolism, 2020