Eine lachende Mutter hält ihr Säugling in den Armen.

© Andreas Pfohl, NOZY Films GmbH

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Typ-1-Diabetes

Neue Studie zur Vorbeugung von Typ-1-Diabetes

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Anette-G. Ziegler

Die neue wissenschaftliche SINT1A-Studie (Supplementation with B. INfantis for Mitigation of Type 1 Diabetes Autoimmunity) untersucht, ob bei Säuglingen mit einem erhöhten Risiko für Typ-1-Diabetes durch die Einnahme eines natürlichen Probiotikums die Entstehung von Typ-1-Diabetes verhindert werden kann.

Die Ursache von Typ-1-Diabetes ist eine fehlerhafte Reaktion des Immunsystems, welches in der Folge die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse angreift. Die Autoimmunerkrankung entwickelt sich häufig sehr früh und wird meist erst dann diagnostiziert, wenn schwere Symptome auftreten. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft ist Typ-1-Diabetes unheilbar und geht mit einer erheblichen Lebensumstellung der betroffenen Personen einher. Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen sich für den Rest ihres Lebens das Hormon Insulin spritzen, weil ihre Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Insulin produziert.

Stärkung des Immunsystems mit dem Probiotikum B. infantis

Aus früheren Studien ist bekannt, dass Kinder mit Typ-1-Diabetes an einer frühkindlichen Reifungsstörung der Darmflora leiden können. Diese Reifungsstörung kann verschiedene Ursachen haben und wird auch im Zusammenhang mit dem Auftreten von Allergien und anderen Krankheiten des Immunsystems beobachtet. Bei Typ-1-Diabetes könnte eine solche Reifungsstörung der Darmflora das Wachstum von Bakterien fördern, die sich ungünstig auf die Entwicklung des Immunsystems auswirken. Daraus kann sich die Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes entwickeln.

Hier knüpft die SINT1A-Studie an: Um möglichst frühzeitig vorbeugend auf die Entwicklung des Immunsystems einzuwirken, wird in der Studie den teilnehmenden Säuglingen das Probiotikum B. infantis verabreicht. Hierzu wird das Probiotikum als Pulver in etwas Flüssigkeit (vorzugsweise Muttermilch) aufgelöst und über eine Spritze (oral) in den Mund gegeben.

Es wird angenommen, dass die Verabreichung des Probiotikums als Ergänzung zur täglichen Ernährung einen positiven Einfluss auf die Darmflora hat und dadurch das Immunsystem gestärkt wird. In der Studie soll untersucht werden, ob diese Stärkung des Immunsystems die fehlerhafte Immunreaktion verringern kann. Dadurch könnte nicht nur die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes verhindert werden, sondern beispielsweise auch eine Zöliakie, also eine entzündliche Darmerkrankung, die mit einer Glutenunverträglichkeit einhergeht.

Die Studie ergänzt die POInT-Studie (Primary Oral Insulin Trial) und zielt darauf ab, durch orale Gaben von Insulin die Autoimmunität gegen körpereigenes Insulin zu verhindern. 

Der Ablauf der Studie

Die SINT1A-Studie schließt Säuglinge bis zu einem Alter von 6 Wochen ein, die ein mindestens 10-prozentiges Risiko haben, an einem Typ-1-Diabetes zu erkranken. Dieser Risikotest kann im Rahmen des Neugeborenen-Screenings in den ersten Lebenstagen durchgeführt werden (Freder1k-Studie). Bei einer ersten Studienvisite erhält die Hälfte der teilnehmenden Säuglinge das Probiotikum, die andere Hälfte erhält ein Placebo (eine inaktive Substanz). Die Zuteilung erfolgt nach dem Zufallsprinzip. Bis zum Alter von 12 Monaten soll das Pulver den Säuglingen nun täglich verabreicht werden. In regelmäßigen Abständen finden maximal bis zum 6. Lebensjahr körperliche Untersuchungen und Blutabnahmen statt. Hier wird unter anderem getestet, ob Inselautoantikörper im Blut vorliegen, die ein frühes Stadium von Typ-1-Diabetes anzeigen.

Die SINT1A-Studie wird im April 2021 in mehreren europäischen Ländern beginnen und ist Teil einer internationalen Initiative zur Prävention von Typ-1-Diabetes (GPPAD – Globale Plattform zur Prävention des Autoimmunen Diabetes). Ziel von GPPAD ist es, eine internationale Infrastruktur für Studien zur Vorbeugung der Entstehung von Typ-1-Diabetes zu etablieren.

Wenn Sie mehr über GPPAD und aktuelle Forschungsergebnisse zu Typ-1-Diabetes erfahren möchten, melden Sie sich an für den GPPAD Science Newsletter.

Weitere Informationen zur SINT1A-Studie finden Sie hier


Quelle:
Helmholtz Zentrum München: Neue Studie will Entstehung von Typ-1-Diabetes bei Kindern verhindern. Pressemeldung vom 15.02.2021 (Letzter Abruf: 25.02.2021)