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Typ-2-Diabetes-Risiko: Welche Rolle spielt die Darmflora?

Die im menschlichen Darm aktiven Bakterien, das sogenannte Darmmikrobiom, haben einen großen Einfluss auf unsere Gesundheit. Laut einer aktuellen Bevölkerungsstudie steht die Darmflora auch im Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes. Demnach könnte ein gesundes Darmmikrobiom das Diabetes-Risiko senken und neue Behandlungsansätze eröffnen.

Bereits in früheren Forschungsarbeiten hatte ein Wissenschaftlerteam nachgewiesen, dass die menschliche Darmflora zur Entstehung von Typ-2-Diabetes beitragen könnte. Die Arten von Darmbakterien, die bei Menschen mit Typ-2-Diabetes gefunden werden, scheinen sich von denen stoffwechselgesunder Menschen zu unterscheiden.

Anhand der Daten von rund 1.500 Studienteilnehmenden untersuchte das Forschungsteam den Zusammenhang zwischen Darmmikrobiom und Diabetes genauer. Um die Ergebnisse zu bestätigen, zogen sie Proben aus einer weiteren großen Bevölkerungsstudie heran. Durch die Untersuchung stoffwechselgesunder Menschen konnten die Forschenden ausschließen, dass die Darmflora von der Krankheit oder ihrer Behandlung beeinflusst war.

Veränderte Darmflora bei Prädiabetes und Diabetes Typ 2

Sie konnten zeigen, dass bei Personen mit unbehandeltem Typ-2-Diabetes und bei Personen mit Prädiabetes das Darmmikrobiom verändert ist. Von Prädiabetes oder auch gestörter Glukosetoleranz spricht man, wenn die Blutzuckerwerte bereits erhöht, aber noch nicht so hoch sind, dass ein Diabetes vorliegt.

Personen mit Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes wiesen weniger sogenannte Butyrat-produzierende Bakterien auf. Butyrat ist das Salz der Buttersäure, einer Fettsäure, die hauptsächlich von nützlichen Bakterien im Darm bei der Verdauung von Nahrungsfasern gebildet wird. Neben der Ernährung der Darmzellen steuert sie auch die Abwehrkräfte des Darms und beeinflusst zudem verschiedene Stoffwechselwege im ganzen Körper, zum Beispiel in der Leber oder im Gehirn.

Prävention auf individueller Ebene

Hier vermuten die Forschenden auch einen Ansatz zur Prävention und Behandlung von Diabetes. Demnach könnten beispielsweise die Butyrat-produzierenden Bakterien durch Änderung der individuellen Ballaststoffaufnahme im Darm erhöht werden. Ebenso könnte die Entwicklung entsprechender Probiotika ein neuer Ansatz zur Diabetes-Prävention und -therapie sein.

Die Studie zeige deutlich, dass die Zusammensetzung des Darmmikrobioms ein großes Potenzial biete, um die Risiken der Entwicklung von Typ-2-Diabetes zu verstehen. Das verbessere die Chancen, die Krankheit zu erkennen, zu verhindern und zu behandeln. Zukünftig könnten individuelle Ernährungsumstellungen oder neue Arten von Probiotika bei der Prävention und Therapie möglicherweise helfen, so die Forschenden.

Quellen:

Wu, H. et al.: The Gut Microbiota in Prediabetes and Diabetes: A Population-Based Cross-Sectional Study; In: Cell Metabolism, 2020
Sahlgrenska Academy: Gut microbiota provide clues for treating diabetes. Pressemeldung vom 13.07.2020