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Folgeerkrankungen

Kardiovaskuläres Risiko bei kardialer Nervenschädigung deutlich erhöht

Wissenschaftliche Unterstützung: Dr. Gidon Bönhof

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigsten diabetesbedingten Folgeerkrankungen. In einer Meta-Analyse wurde nun der Zusammenhang zwischen einer kardialen autonomen Neuropathie infolge einer Diabetes-Erkrankung und dem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse sowie dem allgemeinen Sterberisiko untersucht.

 

Bei einer kardialen autonomen Neuropathie liegt eine Schädigung der Nerven vor, die an der Steuerung des Herz-Kreislauf-Systems beteiligt sind. Ein frühes Anzeichen für eine kardiale autonome Neuropathie ist eine reduzierte Herzfrequenzvariabilität. Diese kann im fortschreitenden Krankheitsverlauf mit

  • einer erhöhten Herzfrequenz in Ruhe,
  • Blutdruckabfall beim Aufstehen (orthostatischen Hypotonie),
  • Belastungsintoleranz und
  • einer verminderten Durchblutung des Herzmuskels (Myokardischämie)

einhergehen. Dadurch stellt eine kardiale autonome Neuropathie eine ernste diabetische Folgeerkrankung dar.

 

Stark erhöhtes kardiovaskuläres Risiko

In die Meta-Analyse wurden insgesamt 26 Studien eingeschlossen. Dabei wurde in 16 Studien das Risiko künftiger kardiovaskulärer Ereignisse betrachtet: In allen Studien wiesen die Teilnehmenden mit kardialer autonomer Neuropathie ein erhöhtes Risiko im Vergleich zu den Teilnehmenden ohne kardiale autonome Neuropathie auf. Insgesamt ergab die Auswertung bei Personen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes und einer kardialen autonomen Neuropathie ein mehr als 3-fach erhöhtes kardiovaskuläres Risiko im Vergleich zu den Teilnehmenden ohne kardiale autonome Neuropathie.

Differenziert nach dem Diabetes-Typ war das Risiko bei den Teilnehmenden mit Typ-1-Diabetes 5,5-fach und mit Typ-2-Diabetes etwa 2,5-fach erhöht, wenn eine kardiale autonome Neuropathie vorlag.

 

Geringere Überlebensrate

Ebenso stieg das allgemeine Sterberisiko bei Patientinnen und Patienten mit einer kardialen autonomen Neuropathie an. Die Auswertung der Daten aus insgesamt 19 Studien ergab ein um mehr als 3-fach erhöhtes Risiko. Auch hier war das Risiko bei Personen mit Typ-1-Diabetes höher als bei Personen mit Typ-2-Diabetes.

 

Hohe Relevanz einer frühzeitigen Diagnose

Um eine kardiale Nervenschädigung zu behandeln und Schädigungen des Herzens vorzubeugen, ist eine frühe Diagnose entscheidend. Laut aktuellem Forschungsstand sind Nervenschädigungen im Frühstadium möglicherweise durch pharmakologische Therapien und Lebensstilinterventionen reversibel oder verhinderbar, so das Forschungsteam. Zu einer Änderung des Lebensstils zählen insbesondere eine gesunde und ausgewogene Ernährung, eine Gewichtsreduktion bei bestehendem Übergewicht sowie regelmäßige Bewegung.

Bei Typ-1-Diabetes könnte eine gute Blutglukoseeinstellung das Fortschreiten verlangsamen.

 

Quelle:
Chowdhury, M. et al.: Cardiac autonomic neuropathy and risk of cardiovascular disease and mortality in type 1 and type 2 diabetes: a meta-analysis. In: BMJ Open Diab Res Care, 2021, 9: e002480