Diabetes Typ 1 beginnt oft lange vor den ersten Symptomen
Typ-1-Diabetes entsteht, wenn das Immunsystem die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse angreift. Häufig beginnt dieser Prozess schon Jahre vor der eigentlichen Diagnose. In dieser frühen Phase lassen sich bei vielen Personen sogenannte Autoantikörper im Blut nachweisen. Sie zeigen an, dass das Risiko für einen späteren Ausbruch der Erkrankung erhöht ist.
Fachleute unterscheiden 3 Stadien in der Entstehung des Typ-1-Diabetes:
- Im Stadium 1 sind bereits charakteristische Autoantikörper im Blut nachweisbar. Es treten aber noch keine Beschwerden oder Auffälligkeiten im Stoffwechsel auf.
- Menschen im Stadium 2 haben mehrere Autoantikörper und erste Auffälligkeiten bei den Blutzuckerwerten. Sie benötigen aber noch kein Insulin und haben meist keine Beschwerden.
- Stadium 3 beschreibt den Ausbruch des Typ-1-Diabetes. Die typischen Symptome wie gesteigerter Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit und/oder Gewichtsverlust treten auf und eine Insulintherapie ist notwendig.
Teplizumab stärkt die Immuntoleranz
Teplizumab ist ein sogenannter monoklonaler Antikörper. Der Wirkstoff greift in die fehlgeleitete Immunreaktion des Körpers ein, die zur Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen führt: Dabei sorgt Teplizumab zum einen dafür, dass die Immunzellen, die die insulinproduzierenden Zellen angreifen, erschöpfen. Zum anderen verstärkt er die Wirkung der Zellen, die dabei helfen, die Immunreaktion des Körpers abzuschwächen. So wird die Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen eingedämmt – mit dem Ziel, die körpereigene Insulinproduktion möglichst lange zu erhalten.
Der Wirkstoff ist aktuell für Erwachsene und Kinder ab 8 Jahren zugelassen, bei denen ein Stadium 2 des Typ-1-Diabetes vorliegt.
Weitere Informationen zur Zulassungsstudie, Anwendung und möglichen Nebenwirkungen finden Sie in unserer diabinfo-News „Erster Wirkstoff zur Verzögerung des Diabetes Typ 1 in den USA zugelassen“.
Weitere Forschungsstudien: Ausbruch und Fortschreiten von Diabetes Typ 1 verzögern?
Im Rahmen aktuell laufender Studien wird intensiv an weiteren Möglichkeiten geforscht, Typ-1-Diabetes zu verzögern. Dazu zählen zum Beispiel die Studien BARICADE-PRESERVE und BARICADE-DELAY, die auch am Helmholtz Munich durchgeführt werden.
Die Studie BARICADE PRESERVE untersucht, ob sich die Funktion der insulinproduzierenden Betazellen bei Menschen mit einem neu diagnostizierten Typ-1-Diabetes durch den Wirkstoff Baricitinib länger erhalten lässt. In der BARICADE DELAY-Studie wird erforscht, ob sich der Ausbruch der Erkrankung bei Kindern und jungen Erwachsenen mit einem erhöhten Risiko durch den Wirkstoff Baricitinib verlangsamen lässt. Beide Studien richten sich an Personen im Alter von 2 bis 35 Jahren (gültig für die Europäische Union).
Der Wirkstoff Baricitinib gehört zur Gruppe der sogenannten Januskinase (JAK)-Inhibitoren und wird bereits routinemäßig zur Behandlung verschiedener Autoimmunerkrankungen bei Kindern und Erwachsenen eingesetzt.
Mehr Informationen zu den Ein- und Ausschlusskriterien, dem Studienablauf und den vorgesehenen Untersuchungen sowie die Kontaktdaten des Studienorts München finden Sie auf der jeweiligen Website der Studien:
- BARICADE PRESERVE-Studie zur Verlangsamung eine neu diagnostizierten Typ-1-Diabetes
- BARICADE DELAY-Studie zur Verzögerung des Ausbruchs von Typ-1-Diabetes im Frühstadium
Quellen:
Helmholtz Munich: BARICADE PRESERVE-Studie. (Letzter Abruf: 22.05.2026)
Helmholtz Munich: BARICADE DELAY-Studie. (Letzter Abruf: 22.05.2026)
Herold, K. C. et al.: An Anti-CD3 Antibody, Teplizumab, in Relatives at Risk for Type 1 Diabetes. In: N Engl J Med, 2020, 6: 586



