Typ-1-Diabetes entwickelt sich oft unbemerkt über einen längeren Zeitraum: Das körpereigene Immunsystem greift die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse an. Bevor erste Symptome auftreten, können bestimmte Inselautoantikörper im Blut nachgewiesen werden. Durch ein Screening auf diese Autoantikörper können Kinder identifiziert werden, bei denen der Krankheitsprozess bereits begonnen hat, auch wenn sie noch keine Symptome zeigen.
Screening zum frühzeitigen Nachweis von Diabetes Typ 1
Wird Typ-1-Diabetes erst erkannt, wenn bereits Symptome auftreten, kann es zu einer schweren Stoffwechselentgleisung – einer diabetischen Ketoazidose – kommen. In Deutschland entwickelt etwa jedes 4. Kind bei der Erstdiagnose eine Ketoazidose. Wird ein frühes Stadium des Typ-1-Diabetes erkannt und regelmäßig überwacht, sinkt dieses Risiko. Familien und medizinische Fachkräfte können früh auf Warnzeichen achten. Dazu zählen zum Beispiel:
- Starker Durst
- Häufiges Wasserlassen
- Gewichtsverlust
- Anhaltende Müdigkeit
Durch eine frühzeitige Diagnose können sich Familien im Vorfeld über die Erkrankung informieren und auf eine spätere Behandlung vorbereiten. Auch neue Behandlungsmöglichkeiten, um den Ausbruch des Typ-1-Diabetes hinauszuzögern, können in frühen Erkrankungsstadien gezielt genutzt werden.
Aus einem positiven Testergebnis lässt sich allerdings nicht vorhersagen, wann die Erkrankung ausbricht – das kann wenige Monate, aber auch Jahre dauern. Die Nachricht, dass ein Kind ein erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes hat, kann für Familien belastend sein. Zudem sind falsch-positive und falsch-negative Ergebnisse möglich. Ein unauffälliger Test schließt eine spätere Erkrankung nicht aus. Eine umfassende Aufklärung und Beratung der Eltern sind wichtig, um sie über die Bedeutung der Testergebnisse, mögliche Unsicherheiten und die weiteren Schritte zu informieren und sie im Umgang mit der Situation zu unterstützen.
Mehrheit ohne familiäre Vorbelastung
Die Autorinnen und Autoren des Konsensuspapiers empfehlen ein erstes Screening im Alter von 2 bis 4 Jahren. Werden dabei keine Inselautoantikörper nachgewiesen, sollen weitere Untersuchungen im Alter von 6 bis 8 Jahren sowie von 10 bis 15 Jahren erfolgen. Die vorgeschlagenen Zeitpunkte basieren auf Studiendaten, die zeigen, dass Inselautoantikörper insbesondere in diesen Lebensphasen erstmals auftreten.
Da mehr als 85 Prozent der Personen mit einem neu diagnostizierten Typ-1-Diabetes keine familiäre Vorbelastung haben, sprechen sich die Expertinnen und Experten für ein bevölkerungsweites Screening aus und heben die notwendige weitere Abklärung und Betreuung bei auffälligen Befunden hervor. Mögliche Ansatzpunkte für die praktische Umsetzung sowie damit verbundene Anforderungen an Ressourcen und Versorgungsstrukturen werden im Konsensuspapier dargelegt.
Früherkennung im Rahmen von Studie
Eine Untersuchung auf Inselautoantikörper ist derzeit im Rahmen der Fr1da-Studie möglich. Kinder und Jugendliche im Alter von 1 bis 21 Jahren, die einen nahen Verwandten mit Typ-1-Diabetes haben, können deutschlandweit an der Früherkennung teilnehmen. Je nach Bundesland besteht derzeit auch für Kinder zwischen 2 und 10 Jahren ohne bekannte familiäre Vorbelastung die Möglichkeit, an der Studie teilzunehmen. Die Teilnahme ist freiwillig und setzt die Einwilligung der Eltern voraus.
Weitere Informationen zur Fr1da-Studie finden Sie hier.
Quellen:
Auzanneau, M. et al.: Frequency of Ketoacidosis at Diagnosis of Pediatric Type 1 Diabetes Associated With Socioeconomic Deprivation and Urbanization: Results From the German Multicenter DPV Registry. In: Diabetes Care, 2022, 45: 1807-1813
Helmholtz Munich: Experten empfehlen systematisches Screening von Kindern auf Typ-1-Diabetes. Pressemitteilung vom 11.09.2026
Ziegler, A.-G. et al.: International consensus guidance for general population screening for islet autoantibodies to diagnose early‑stage type 1 diabetes: a nominal group technique process. In: Diabetologia, 2026 (online)



