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Welche Ernährungsformen gibt es?

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Christina Holzapfel

Low fat, low carb, ketogen, vegetarisch, vegan, mediterran, paleo oder intermittierendes Fasten – welche Ernährungsform eignet sich am besten, um Diabetes vorzubeugen oder zu behandeln? Aus Sicht der Fachgesellschaften ist es nicht sinnvoll, ausschließlich die Aufnahme einer Art von Makronährstoffen, wie Kohlenhydrate oder Fette, zu begrenzen. Zudem reichen die vorhandenen Studien nicht aus, um ein allgemeingültiges Ernährungsmuster zu empfehlen. Als vorteilhaft gelten ausgewogene Vollkostformen wie zum Beispiel mediterrane, vegetarische und vegane Ernährungsweisen.

Grundsätzlich empfehlenswert ist in Kombination mit körperlicher Bewegung eine ausgewogene, pflanzenbetonte, ballaststoffreiche Kost mit viel Gemüse und Vollkornprodukten. Zudem sollten der Zuckerkonsum (zum Beispiel Süßigkeiten) sowie der Verzehr von stark verarbeiteten Lebensmitteln, rotem Fleisch und Wurstwaren reduziert werden. Es gilt unter den geeigneten Möglichkeiten ein Konzept zu finden, das am besten zu einem passt. Stets hilfreich ist eine auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Ernährungsberatung durch eine qualifizierte Ernährungsfachkraft.

Welche Ernährungsformen gibt es und was sind die Unterschiede?

Ein Trend löst den nächsten ab. In der Ernährung ist es ähnlich wie im Fitnessbereich und beim Sport: Es ist schwierig, den Überblick zu behalten. Die wesentlichen Unterschiede liegen in den zugrundeliegenden Konzepten, wobei es auch Überschneidungen gibt.

Im Folgenden werden verschiedene Ernährungsformen vorgestellt und in Bezug auf Typ-1- und Typ-2-Diabetes eingeordnet.



1. Low fat

Unter dem Namen low fat (wenig Fett) werden Kostformen zusammengefasst, bei denen die Aufnahme von Nahrungsfett reduziert wird. Häufiges Ziel von Personen, die sich fettarm ernähren, ist eine gesündere Ernährung und/oder eine Gewichtsreduktion. Ein Beispiel ist die „low fat 30“-Diät, bei der maximal 30 Prozent der täglichen Kalorienmenge aus Fett stammen dürfen. In der Regel wird bei einer low fat-Ernährung die verringerte Fettmenge durch einen höheren Kohlenhydratanteil ausgeglichen.

Zu den Lebensmitteln mit einem geringen Fettgehalt zählen Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst und Vollkornprodukte sowie fettarme Milchprodukte, fettarmer Fisch und mageres Fleisch.

Je nach Art der Zusammensetzung kann eine low fat-Ernährung dazu beitragen, der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes vorzubeugen. Dabei spielt besonders ein hoher Anteil an Ballaststoffen eine entscheidende Rolle, da Ballaststoffe den Blutzucker langsam ansteigen lassen.

Bei einem bestehenden Typ-2-Diabetes wird eine fettarme Ernährung bisher nicht generell empfohlen. In mehreren Studien zeigte sich, dass low fat in Bezug auf das Körpergewicht, den Blutzucker und Blutdruck sowie den Fettstoffwechsel einer low carb-Ernährung unterlegen ist. Allerdings nähern sich die Effekte der beiden Ernährungsformen über einen längeren Zeitraum immer mehr an. Die genauen Ursachen dafür sind derzeit noch nicht bekannt. In Bezug auf den Erhalt des Körpergewichts scheinen low fat und low carb gleichermaßen erfolgreich zu sein.

Die Studienlage und -qualität ist bisher nicht ausreichend, um bestimmte Ernährungsformen für Menschen mit Typ-1-Diabetes zu empfehlen. Die Diabetes-Fachgesellschaften gehen aktuell davon aus, dass es kein Ernährungskonzept gibt, das für alle Menschen mit Typ-1-Diabetes gleich gut geeignet ist. Welche Kostform passt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Wichtig ist, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes ihre Insulintherapie und ihre Ernährung aufeinander abstimmen – so auch bei einer low fat-Ernährung. Dazu ist es notwendig, die Wirkung von Lebensmitteln auf den Blutzucker zu kennen und die Kohlenhydratmengen von Lebensmitteln abschätzen zu können, um die kurzwirksame Insulindosis anzupassen. Wie das geht, lernen Menschen mit Diabetes in Schulungen, die wiederholt stattfinden sollten – besonders dann, wenn sie auf eine neue Ernährungsweise umstellen.

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2. Low carb

Low carb (wenig Kohlenhydrate) ist ein Sammelbegriff für alle Ernährungsweisen, die den Anteil von Kohlenhydraten an der Gesamtkalorienzahl reduzieren, wobei es hierfür einen breiten Korridor gibt. Man unterscheidet zwischen

  • moderat low carb: 26 bis 45 Prozent der Gesamtenergiezufuhr an Kohlenhydraten
  • low carb: unter 26 Prozent (maximal 130 Gramm) der Gesamtenergiezufuhr an Kohlenhydraten
  • very low carb: unter 10 Prozent (maximal 50 Gramm) der Gesamtenergiezufuhr an Kohlenhydraten

Zum Vergleich: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) empfiehlt etwa 50 Prozent der täglichen Energiezufuhr in Form von Kohlenhydraten.

Für eine low carb-Kost entscheiden sich Menschen in der Regel, weil sie abnehmen, gesünder leben oder ihre Blutzuckerwerte verbessern wollen. Neben Konzepten, die ausschließlich den Kohlenhydratanteil in der Nahrung verringern, sind auch umfassendere Formen von low carb, beispielsweise die Paleo-Kost und die ketogene Ernährung unter den Ernährungskonzepten. Bei der traditionellen mediterranen Ernährung handelt es sich ebenfalls um eine kohlenhydratreduzierte Ernährungsweise.

Wesentliche Lebensmittelkomponenten bei low carb sind Fisch, Fleisch, Eier, Milch und Milchprodukte sowie pflanzliche Eiweißquellen.

Nachteil ist, dass bei kohlenhydratreduzierten Kostformen in der Regel der Fettanteil in der Nahrung steigt. In einigen Studien kam es dadurch zu einer Erhöhung des LDL (low density lipoprotein)-Cholesterins, des umgangssprachlich „schlechten Cholesterins“. Wie sich dies auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirkt, ist bisher unbekannt.

Neben einer ausgewogenen Mischkost nach den 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung eignet sich eine moderate low carb-Ernährung mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, um Typ-2-Diabetes vorzubeugen. Ein Beispiel dafür ist die mediterrane Ernährung. Zudem kann eine moderate kohlenhydratreduzierte Ernährung bei einer Gewichtsabnahme unterstützen. Dies gilt sowohl für Menschen mit als auch ohne Diabetes.

Bei Menschen mit bestehendem Typ-2-Diabetes deutet die aktuelle Studienlage darauf hin, dass der Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) durch eine low carb-Ernährung am effektivsten gesenkt werden kann. Zudem führt low carb im Vergleich zu low fat – zumindest kurzfristig – zu einer stärkeren Senkung des Nüchternblutzuckerspiegels und des Blutdrucks sowie zu verbesserten Blutfettwerten (Triglyzeride und HDL (high density lipoprotein)-Cholesterin). Wie bereits bei der low fat-Ernährung erwähnt, gleichen sich die Effekte jedoch nach mehreren Monaten an.

Gut zu wissen:

Wichtig ist, dass sowohl bei Typ-1-Diabetes als auch bei Typ-2-Diabetes eine Umstellung auf low carb immer mit ärztlicher Begleitung erfolgen sollte. Unter Umständen muss die kurzwirksame Insulindosis angepasst werden.

Kritisch sind very low carb-Konzepte, zu denen auch ketogene Ernährungsformen zählen. Dabei kann es zu einer vermehrten Wasserausscheidung und einer schnellen Blutzuckerabnahme kommen. Dies kann im schlimmsten Fall zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) führen, die lebensbedrohlich sein kann. Zudem ist die very low carb-Kostform sehr einschränkend und im Alltag schwierig umzusetzen.

diabinfo-Podcast Die low carb-Ernährung – so gut wie ihr Ruf? (Prof. Dr. Stephan Herzig)

Prof. Dr. Stephan Herzig von Helmholtz Munich stellt unter anderem den aktuellen Stand der Forschung zu low carb-Ernährung vor, ordnet die Effekte von low carb im Vergleich zu anderen Ernährungsformen ein und erläutert, was Menschen mit Diabetes bei low carb beachten sollten.


3. Ketogen

Die ketogene Ernährung ist eine sehr strikte Umsetzungsform von low carb. Ziel ist, den Stoffwechselzustand beim Fasten, die sogenannte Ketose, nachzuahmen. Weil dem Körper Zucker (Glukose) aus Kohlenhydraten als Energielieferant fehlt, schaltet die Leber auf den Abbau von Fetten um. Dabei entstehen sogenannte Ketonkörper, die als Energiequelle dienen.
Ihren Befürworterinnen und Befürwortern zufolge soll diese Kostform beim Abnehmen helfen und sich positiv auf Typ-2-Diabetes, Demenz und die Behandlung von Krebs auswirken. Medizinisch anerkannt ist eine ketogene Ernährung lediglich als Therapie bei seltenen, angeborenen Stoffwechselerkrankungen und bei kindlicher Epilepsie.

Auf dem Speiseplan stehen vor allem fettreicher Fisch, Fleisch, Wurst, Eier und kohlenhydratarmes Gemüse, wie grüner Salat, Gurke oder Spargel. Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln und Lebensmittel mit zugesetztem Zucker fehlen.

Im Moment ist noch unklar, ob eine very low carb-Ernährungsweise für Schwangere und Personen mit Diabetes, mit einer chronischen Niereninsuffizienz oder mit Essstörungen geeignet ist. Aufgrund des erhöhten Unterzuckerungsrisikos sollten Menschen mit einem insulinpflichtigen Diabetes very low carb-Konzepte nur in enger ärztlicher Absprache und unter engmaschiger Anpassung der Insulintherapie anwenden. Auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die blutzuckersenkende Tabletten einnehmen – sogenannte orale Antidiabetika (OAD) –, kann es je nach Wirkstoff zu starken Blutzuckerschwankungen kommen.

Zudem kann bei einer sehr einseitigen Ernährung ein Nährstoffmangel auftreten. Ebenfalls ist bisher nicht bekannt, wie sich der hohe Fett- und Eiweißanteil bei einer ketogenen Ernährung langfristig auf das Risiko für Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen auswirken.

Wie bereits schon erwähnt, unterliegt die ketogene Ernährungsweise sehr strikten Regeln, die schwierig im Alltag umzusetzen sind.


4. Paleo

Die Paleo-Ernährung orientiert sich an der mutmaßlichen Kost der Jäger und Sammler in der Altsteinzeit (Paläolithikum), wobei auch diese Kostform nicht eindeutig definiert ist. Im Prinzip steckt die Theorie dahinter, dass der Stoffwechsel des modernen Menschen an später hinzugekommene Lebensmittel nicht angepasst ist. Diese (hochverarbeiteten) Lebensmittel werden unter anderem als Ursache von Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs gesehen.

Die Zusammenstellung der Nahrung ist weitestgehend low carb: Getreide und Getreideprodukte (insbesondere Weißmehl), Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Lebensmittel mit zugesetztem Zucker fehlen. Auch Milch und Milchprodukte oder Salz sowie raffinerte Pflanzenöle und -fette stehen nicht auf dem Speiseplan. Erlaubt sind lediglich Frucht- und Knollengewächse wie Paprika, Tomaten, Karotten oder Sellerie, Blattgemüse, Nüsse und Samen, Wildfleisch, Eier, Fisch und Meeresfrüchte sowie Honig in geringen Mengen. Weniger strenge Formen gestatten zudem Ghee (geklärte Butter), Kokos-, Oliven-, Avocado-, Macadamia-, Walnuss- und Sesamöl, Speck, Schmalz sowie selten und in geringen Mengen auch Reis.

Die Steinzeit- beziehungsweise Paleo-Ernährung ist für Menschen mit und ohne Diabetes nur mit Einschränkungen zu empfehlen. Die Annahmen, auf denen sie beruht, sind der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zufolge wissenschaftlich nicht belegt. Studien zeigen jedoch, dass sich mit ihr eine adäquate Zufuhr an Energie und Nährstoffen erreichen lässt. Längerfristige Untersuchungen fehlen aber noch.


5. Vegetarisch und Vegan

Unter die Bezeichnung vegetarisch fallen alle Kostformen mit einer vorwiegend pflanzlichen Ernährungsweise, die – wenn überhaupt – nur ausgewählte tierische Produkte zulassen. Dies geschieht vornehmlich aus Rücksicht auf Tiere, aus Sorge um Umwelt und Klima oder aus religiösen beziehungsweise gesundheitlichen Gründen. Je nach „erlaubten“ tierischen Lebensmitteln werden verschiedene Formen unterschieden:

  • Vegan ist die strengste Art, vegetarisch zu leben. Alles, was tierischen Ursprungs ist, ist tabu – auch Honig und Zusatzstoffe aus tierischen Quellen wie Lecithin, das aus dem Ei stammt.
  • Ovo-lakto-vegetarisch ernähren sich Menschen, die auf Fleisch, Fisch und Meerestiere sowie alle daraus gewonnenen Lebensmittel verzichten, aber nicht auf Eier, Milch und Milchprodukte.
  • Pescetarisch ist eine vegetarische Kost, die kein Fleisch, aber Fisch erlaubt.
  • Flexitarisch bezeichnet ein flexibles, aber sehr bewusstes Essverhalten ohne bestimmte Einschränkungen. Besonders bei tierischen Lebensmitteln wird auf die Menge sowie die Herkunft der Produkte geachtet.

Bei einer veganen Ernährung besteht das Risiko einer Unterversorgung oder eines Mangels an Nährstoffen. Eine ausreichende Versorgung von bestimmten Nährstoffen ist mit einer rein pflanzlichen Kost nur durch die Einnahme entsprechender Nährstoffpräparate zu erreichen. Kritisch ist insbesondere Vitamin B12. Aber auch die Versorgung mit einigen anderen Vitaminen, Proteinen, Amino- und Fettsäuren sowie manchen Mineralstoffen kann problematisch werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb eine vegane Ernährung nicht für Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche. Zudem wird empfohlen, regelmäßige den Nährstoffstatus über die Hausarztpraxis zu bestimmen. Des Weiteren ist eine bewusste Lebensmittelauswahl (zum Beispiel verschiedene Proteinquellen) zu empfehlen, um einem Mangel vorzubeugen.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass bei Menschen, die sich vegetarisch ernähren, das Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringert sein kann. Besonders hohe Anteile an ballaststoffreichen Getreideprodukten sowie Gemüse und Obst senken das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes. Unter den vegetarischen Ernährungsformen ist vor allem eine ausgewogene und abwechslungsreiche (ovo-) lakto-vegetarische Ernährung als Dauerkost geeignet.

Bei bestehendem Typ-2-Diabetes kann die vegetarische wie auch die vegane Ernährungsweise die Blutzuckerwerte, das Körpergewicht und die Blutfettwerte positiv beeinflussen. Und auch für Menschen mit Typ-1-Diabetes zählen laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft die vegetarische und vegane Ernährung zu den Kostformen, die geeignet sein könnten. Insgesamt sind die vorhandenen Studien – speziell für Typ-1-Diabetes – allerdings begrenzt und beziehen sich häufig auf wenig Studienteilnehmende und sind oftmals von kurzer Studiendauer. Großangelegte, langfristige Studien, die zwischen den verschiedenen Formen der vegetarischen und veganen Ernährung sowie auch zwischen den Diabetesformen differenzieren, fehlen bisher.


6. Mediterrane Ernährung (Mittelmeerkost)

Die mediterrane Ernährung richtet sich nach den Prinzipien der traditionellen Mittelmeerküche. Sie setzt auf eine vorwiegend pflanzenbasierte Mischkost mit viel Olivenöl, Oliven, Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst, Fisch, Getreide, Nüssen, Knoblauch, Zwiebeln, Kräutern und Geflügel. Milchprodukte wie Käse und Joghurt sowie gegebenenfalls auch Rotwein gibt es in Maßen, Eier, rotes Fleisch und Süßigkeiten selten.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass diese Kost besonders gesundheitsförderlich ist, beim Abnehmen helfen und Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs vorbeugen kann. Ebenbürtig scheint ihr die gesunde nordische Ernährung zu sein, die statt auf Olivenöl auf Rapsöl sowie reichlich Gemüse, Beerenfrüchte, Vollkornprodukte und Fisch setzt.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft sieht die traditionell mediterrane Ernährung als ein geeignetes Ernährungsmuster für Personen mit Typ-2-Diabetes an. In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass die traditionell mediterrane Ernährung im Vergleich zu anderen Ernährungsformen den Nüchternblutzuckerspiegel und die Blutfettwerte besonders positiv beeinflusst. Zudem führte die traditionelle mediterrane Ernährung bei Menschen mit Typ-2-Diabetes zu einem verbesserten Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c), Blutdruck und einem verringerten Körpergewicht. Dies wirkt sich neben dem Diabetes-Management auch positiv auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus.

Auch für Typ-1-Diabetes konnte bei Kindern und Erwachsenen in mehreren Studien gezeigt werden, dass eine traditionelle mediterrane Ernährung zu einer verbesserten Blutzuckerkontrolle und Blutfettwerten beitragen kann.


7. DASH-Diät

Die DASH-Diät ist eine spezielle Ernährungsform gegen Bluthochdruck. Die Abkürzung steht für „Dietary Approach to Stop Hypertension“. Zu Deutsch: „Ernährungsweise zum Stopp von Bluthochdruck“. Sie setzt auf eine kochsalzarme, mineralstoffreiche Kost mit viel Gemüse, Obst, frischen Kräutern, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Geflügel, Fisch, fettarmen Milch und Milchprodukten und Nüssen. Als Fettquellen dienen pflanzliche Öle, Nüsse und Ölsaaten. Rotes Fleisch, fettreicher Käse, Weißmehlprodukte, Süßigkeiten und Alkohol stehen nicht auf dem Speiseplan.

In einer umfassenden Übersichtsarbeit konnte gezeigt werden, dass die DASH-Diät das Risiko Typ-2-Diabetes zu entwickeln deutlich senken kann. Die DASH-Diät erzielte vergleichbare Ergebnisse wie die mediterrane Ernährung oder eine ausgewogene, ballaststoffreiche Mischkost mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sowie wenig oder gar keinem roten Fleisch und hochverarbeiteten Lebensmitteln.

Für Menschen mit Typ-2-Diabetes ist die Studienlage laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft aktuell nicht ausreichend, um die DASH-Diät für die Behandlung des Typ-2-Diabetes zu empfehlen. Für Menschen mit Typ-1-Diabetes könnte die DASH-Diät ein geeignetes Ernährungsmuster sein. Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen der DASH-Diät und einem niedrigeren Blutdruck und HbA1c-Wert bei Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes hin. Jedoch ist die Studienlage begrenzt.


8. Intermittierendes Fasten (Intervallfasten)

Beim intermittierenden Fasten wechseln Fasten- und Essphasen regelmäßig nach einem festen Muster ab, wobei es auch hierfür keine eindeutige Definition gibt. Intervallfasten soll helfen, gesund abzunehmen sowie Übergewicht, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes vorzubeugen. Empfehlungen zur Lebensmittelauswahl gibt es nicht. Es werden verschiedene Formen unterschieden:

  • 16:8 Fasten: Durch das Auslassen des Frühstücks oder des Abendessens ergibt sich eine Fastenzeit von 16 Stunden. Die restlichen 8 Stunden des Tages wird normal gegessen.
    Von dieser Form des intermittierenden Fastens gibt es noch weitere Variationen, zum Beispiel 18:6 (18 Stunden Fastenzeit) oder 20:4 (20 Stunden Fastenzeit).
  • 5:2-Methode: An 5 Tagen der Woche wird normal gegessen, an 2 Tagen nur 25 Prozent der üblichen Energiezufuhr.
  • Alternierendes Fasten: Fasten und „normales“ Essen wechseln täglich: An einem Tag wird normal gegessen, am nächsten Tag nur 25 Prozent der üblichen Energiemenge.
  • Dinner-cancelling: 2- bis 3-mal die Woche wird auf das Abendessen verzichtet, es gibt dann nur Tee, Wasser oder andere kalorienarme Getränke.

Intermittierendes Fasten hat wie zuvor beschrieben verschiedene Ansätze, wobei die Energiezufuhr sowie die Lebensmittel- beziehungsweise Getränkeauswahl für die Fastenperiode nicht einheitlich definiert sind. Bezüglich einer Gewichtsabnahme hilft Intervallfasten nur, wenn auch eine negative Energiebilanz erzielt wird. Das heißt, wenn insgesamt weniger Kilokalorien gegessen als verbraucht werden. Der Effekt des Intervallfastens auf das Körpergewicht ist vergleichbar mit einer herkömmlichen (=kontinuierlichen) verringerten Kalorienaufnahme. Aktuell kann keine Empfehlung bezüglich einer bestimmten Form des Intervallfastens gegeben werden, wobei die 16:8 Methode die meist umgesetzte und die am besten untersuchte Form des Intervallfastens darstellt.

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes kann intermittierendes Fasten sowohl beim Abnehmen helfen als auch den Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c) verbessern. In Experimenten mit Mäusen zeigte sich, dass diese durch Essenspausen wieder empfindlicher auf das Hormon Insulin reagierten, das den Blutzucker reguliert. Besonders positiv auf den Insulinspiegel scheint sich abendliches Fasten auszuwirken. Allerdings fehlen zu diesen Effekten bisher langfristige, groß angelegte Studien beim Menschen.

Für Menschen mit Typ-1-Diabetes ist Intervallfasten unter Anpassung der Insulindosierung wahrscheinlich auch eine Option für eine gesunde Ernährungsweise oder zur Gewichtsreduktion (falls nötig).

Jedoch besteht beim intermittierenden Fasten eine erhöhte Gefahr für Unterzuckerungen (Hypoglykämien) oder gegebenenfalls auch Überzuckerungen (Hyperglykämien) nach dem Essen. Je nach Diabetes-Therapie ist eine Anpassung der blutzuckersenkenden Medikamente oder der Insulindosis erforderlich, um starke Blutzuckerschwankungen zu vermeiden. Deswegen sollte Intervallfasten – sowohl bei Typ-1-Diabetes als auch bei Typ-2-Diabetes – nur in enger Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt erfolgen.

diabinfo-Podcast Intervallfasten mit Diabetes – geht das? (Prof. Dr. Stephan Herzig)

Wir sprechen mit dem Wissenschaftler Prof. Dr. Stephan Herzig von Helmholtz Munich unter anderem über die Wirkung von Fasten beziehungsweise Intervallfasten auf den Körper, für wen sich diese Ernährungsform eignet und was Menschen mit Diabetes bei einer Ernährungsumstellung auf Intervallfasten beachten sollten.

Quellen:

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Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Paleo-Diät, Glyx-Diät, Formula-Diäten – ein Überblick. In: DGEinfo Praxis, 2018, 4: 56-62
Evert, A. B. et al.: Nutrition Therapy for Adults with Diabetes or Prediabetes: A Consensus Report. In: Diabetes Care, 2019, 42: 731-754
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Rubin, D. et al.: Empfehlungen zur Ernährung von Personen mit Typ-1-Diabetes mellitus. In: Diabetologie, 2022, 17: S237-S255
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Verbraucherportal Bayern: Paleo-Ernährung – Was steckt dahinter? (Letzter Aufruf 17.03.2023)
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Stand: 17.03.2023