Diabetes im Urlaub und auf Reisen
Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Rüdiger Landgraf, Rosalie Lohr
Urlaub ist für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres. Er verspricht Erholung, neue Eindrücke und Abwechslung vom Alltag. Zu einer gelungenen Reise gehört auch eine gute Vorbereitung, besonders für Menschen mit Diabetes, egal ob Typ-1- oder Typ-2-Diabetes oder weitere Formen des Diabetes mellitus. Zeitverschiebungen, klimatische Unterschiede, ungewohnte Speisen oder ein veränderter Tagesrhythmus können den Blutzuckerspiegel (Blutglukosespiegel) beeinflussen oder zu diabetesbedingten Komplikationen führen. Mit der richtigen Vorbereitung steht einem entspannten Urlaub meist nichts im Weg.

Inhaltsverzeichnis
1. Gut vorbereitet in den Urlaub mit Diabetes
Eine gründliche Vorbereitung hilft Menschen mit Diabetes, ihre Reise sicher und unbeschwert zu genießen. Mit der richtigen Planung lassen sich mögliche Risiken verringern, egal ob es ans Meer, in die Berge, in die Wildnis oder auf eine Städtereise geht. Nehmen Sie sich vor der geplanten Reise ausreichend Zeit, um sich über ihr Reiseziel zu informieren, medizinische Fragen zu klären und benötigte Medikamente (wie auch entsprechende Reserven!) und Dokumente zu besorgen.
Informieren Sie sich über Ihr Reiseland
Bevor die Reise losgeht, ist es wichtig, sich über das Urlaubsziel zu informieren. Das Reisebüro, Konsulate oder Botschaften der Länder und auch das Auswärtige Amt können zu den Bedingungen im Zielland wichtige Informationen liefern. Dabei lohnt es sich, vorab einige Fragen durchzugehen: Wie ist die medizinische Versorgung vor Ort? In manchen Ländern kann es schwierig sein, Diabetes-Bedarf wie Insulin, Teststreifen, Insulinpumpen- und Sensorzubehör oder bestimmte Batterien oder Akkus nachzukaufen. Planen Sie daher ausreichend Vorräte für die gesamte Reise ein. Insbesondere sollte genügend Insulinpumpen- und Glukosesensor-Zubehör mitgenommen werden. Wenn möglich, können Sie beim Hersteller eine Ersatzpumpe ausleihen. Außerdem ist es sinnvoll, je nach Art der Behandlung für alle Fälle Spritzen oder Pens sowie Kurz- und Langzeitinsulin immer griffbereit zu haben. Je nach Reiseland können auch spezielle Dokumente, wie etwa der Impfpass, notwendig sein, die Sie frühzeitig organisieren sollten. Wie ist das Klima vor Ort? Extreme Temperaturen können den Insulinbedarf erheblich beeinflussen oder die Stabilität des Insulins, der Teststreifen und Gewebesensoren verändern.
An- und Abreise mitdenken
Je nach Art der Reise gibt es unterschiedliche Dinge zu beachten. Unterwegs sollten alle notwendigen Medikamente und Utensilien stets griffbereit im Handgepäck sein. Außerdem sollten Sie ein medizinisches Zertifikat dabeihaben, das Ihre Diabetes-Erkrankung und die Notwendigkeit der mitgeführten Medikamente und des Zubehörs bestätigt. Auf Flugreisen sollten Sie die Zeitverschiebung im Blick behalten und die Medikamentendosis entsprechend anpassen. Beachten Sie dabei: Bei Reisen nach Westen verlängert sich durch die Zeitverschiebung der Tag. Daher kann die Trendanzeige Ihres Sensors zur kontinuierlichen Gewebezuckermessung (CGM-Systems) zeitweise nicht korrekt sein und die Gewebeglukoseanzeige des Sensors kann sich überschneiden. Besprechen Sie das am besten vorher mit Ihrem Diabetes-Team.
Bei Autoreisen empfiehlt es sich, regelmäßige Pausen einzuplanen, um Blutzuckerwerte zu messen oder bei CGM-Systemen die Glukosewerte zu kontrollieren. Nutzen Sie die Pausen auch, um sich die Beine zu vertreten und den Kreislauf zu aktivieren. Mobilisieren Sie die Füße und Waden im Sitzen, zum Beispiel durch Fußwippen. Das fördert die Durchblutung. Kompressionsstrümpfe können bei langen Reisen helfen, das Risiko für Thrombosen zu senken. Für Menschen mit Diabetes ist wichtig, vor dem Einsatz ärztlich prüfen zu lassen, ob Durchblutungsstörungen oder Nervenschäden vorliegen. Es sollten ausschließlich medizinisch angepasste Strümpfe in der passenden Kompressionsklasse verwendet werden. Kontrollieren Sie die Haut regelmäßig auf Druckstellen oder Verletzungen.
Vergessen Sie nicht, unterwegs ausreichend zu trinken: am besten Wasser oder ungesüßten Tee. Denken Sie auch an Notfall-Snacks gegen Unterzuckerung wie Traubenzucker, Saft oder Glukose-Gel sowie Verpflegung für eine längere Reisezeit. Bei einer Neigung zu schweren Unterzuckerungen (insbesondere bei Menschen mit Typ-1-Diabetes) sollten Sie Glukagon als Nasenspray oder -spritze griffbereit haben. Falls Sie jemand bei der Reise begleitet, informieren Sie diese Person darüber, was im Notfall zu tun ist. So sind Sie auch bei Verspätungen, fehlendem Board-Service oder ungeplanten Verzögerungen durch Staus oder Grenzkontrollen gut vorbereitet.
Was sollten Menschen mit Diabetes bei Flugreisen beachten?
Wer mit einem Diabetes fliegt, sollte sich vorab eine internationale ärztliche Bescheinigung über alle mitgeführten Medikamente und medizinischen Geräte ausstellen lassen. Dazu gehören Insulin-Pens, eine Insulinpumpe, ein Blutglukosemessgerät, ein CGM-System oder ein System zur automatisierten Insulinabgabe (AID-System). Diese Bescheinigung erleichtert die Sicherheitskontrollen am Flughafen.
Alle Medikamente, Geräte und das benötigte Zubehör gehören ins Handgepäck. So entsteht kein Engpass, falls sich der Flug oder das Gepäck verspätet oder verloren geht. Außerdem kann es im Frachtraum von Flugzeugen sehr kalt werden, was dem Insulin und anderen Medikamenten, Teststreifen oder Sensoren schaden kann. Flüssige Medikamente wie Insulin oder Glukose-Gel sind in der Regel von den üblichen Handgepäck-Beschränkungen ausgenommen, wenn sie zusammen mit der ärztlichen Bescheinigung bei den Sicherheitskontrollen vorgezeigt werden.
Für manche CGM-Sensoren kann es erforderlich sein, sie bei Ganzkörperscannern während der Sicherheitskontrollen abzulegen. Informieren Sie sich dazu gegebenenfalls beim Hersteller. Dafür und bei Röntgengeräten während der Handgepäckkontrolle ist es sinnvoll, das Sicherheitspersonal vorab zu informieren und um eine Sichtkontrolle zu bitten.
Informieren Sie sich bei einer Insulinpumpe, CGM- oder AID-Systemen, ob Sie Ihre Geräte während des Fluges in den Flugmodus setzen müssen.
Welche Impfungen werden empfohlen?
Vor allem bei Auslandsreisen lohnt sich ein Blick auf den Impfstatus. Je nach Urlaubsziel ist es ratsam, dass sich Menschen mit Diabetes rechtzeitig impfen lassen. Eine Erkrankung kann nicht nur das Urlaubserlebnis trüben, sondern auch die Stoffwechseleinstellung gefährden. Neben einem aktuellen Impfschutz, beispielsweise gegen Diphterie und Tetanus, können weitere Reiseimpfungen ratsam oder sogar erforderlich sein, zum Beispiel gegen Hepatitis A und B, Typhus, Gelbfieber oder Tollwut. Manche Impfungen benötigen mehrere Wochen Vorlauf, daher ist es sinnvoll, sich frühzeitig ärztlich beraten zu lassen. Vergessen Sie auch Ihren Impfpass nicht.
Gut zu wissen:
Auf der Webseite des Robert Koch-Institutes finden Sie aktuelle Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) zu Reiseimpfungen für verschiedene Länder.
Wichtige Dokumente
Neben dem Impfpass und dem Personalausweis oder Reisepass sollten Sie auch den Diabetes-Notfall-Ausweis, Kopien ärztlicher Bescheinigungen, wichtige ärztliche Dokumente (idealerweise auch eine aktuelle Patientenverfügung) und Rezepte einpacken. Ebenfalls hilfreich ist ein internationaler Diabetes-Pass in mehreren Sprachen. Ein Muster-Exemplar finden Sie auf der Seite der Deutschen Diabetes Hilfe DiabetesDE. Nehmen Sie außerdem Ihren aktuellen Medikationsplan, Insulinplan sowie Informationen zu den Einstellungen Ihrer Insulinpumpe oder Ihres AID-Systems und gegebenenfalls das Umstiegsschema von der Insulinpumpe zur intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT-Therapie) mit. Diese Dokumente sollten Sie möglichst auch in englischer Sprache mitführen oder gegebenenfalls vor Ort digital übersetzen können. Sie enthalten alle wichtigen Angaben zu Ihrer Diabetes-Therapie. Sie informieren Ersthelfende oder medizinisches Personal über Ihren Gesundheitszustand und erleichtern es, im Notfall schnell die nötige Hilfe zu erhalten.
Gut zu wissen:
Denken Sie daran, sich eine umfangreiche ärztliche Bescheinigung über Ihre benötigten Medikamente und medizinischen Geräte, wie Insulinpumpen oder Blutzuckermessgeräte, ausstellen zu lassen. Diese Bescheinigung sollte möglichst zweisprachig, neben Deutsch auch auf Englisch, vorliegen. Ein Muster einer solchen ärztlichen Bescheinigung finden Sie in unserem Downloadbereich. Falls Sie fliegen möchten, informieren Sie sich auch über die Bestimmungen zum Handgepäck bei der jeweiligen Fluggesellschaft.
Auslandskrankenversicherung
Es ist empfehlenswert, eine Reisekrankenversicherung abzuschließen. Diese übernimmt im Notfall die Kosten für ärztliche Behandlungen oder einen Krankenhausaufenthalt und umfasst gegebenenfalls einen Rücktransport nach Deutschland. Achten Sie dabei auf die Formulierung: Die Versicherung sollte die Transportkosten übernehmen, sobald der Transport “medizinisch sinnvoll” ist, nicht nur wenn er als “medizinisch notwendig” gilt. Prüfen Sie ebenfalls, ob der Auslandsschutz auch diabetesbedingte Komplikationen und vorbestehende chronische Erkrankungen abdeckt.
Eine Reiserücktritts- oder Reiseabbruchversicherung ist auf alle Fälle sinnvoll.
Für Reisen innerhalb der EU sowie in einigen weiteren Ländern gilt die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC), die auf der Rückseite Ihrer Gesundheitskarte abgedruckt ist. Sie ermöglicht gesetzlich Versicherten, medizinisch notwendige Behandlungen (wie etwa bei Unfällen oder akuten Erkrankungen) im europäischen Ausland zu den gleichen Bedingungen wie Einheimische zu erhalten. Sie deckt jedoch nicht alle Leistungen ab und übernimmt in der Regel keinen Rücktransport, sodass eine zusätzliche Reisekrankenversicherung sinnvoll bleibt. Wenn Sie privat versichert sind, ist es sinnvoll, sich rechtzeitig bei Ihrer Versicherung zu erkundigen, welche Leistungen im Ausland tatsächlich abgedeckt sind.
2. Urlaubs-Checkliste für das Reisegepäck bei Diabetes
Damit die Reise entspannt verläuft, lohnt es sich, das Gepäck sorgfältig zu planen. Wer gut vorbereitet ist, bleibt auch bei Verspätungen, verlorenem Gepäck oder unvorhergesehenen Situationen gelassener. Diese Dinge gehören auf jeden Fall ins Gepäck:
- Insulin(e) und alle notwendigen oder für den Notfall sinnvollen Medikamente (beispielsweise ein Antibiotikum, Medikamente gegen Übelkeit oder Durchfall) in ausreichender Menge
- Kühltasche
- Blutteststreifen für Ketone und Blutzucker
- Alkohol-Pads zur Desinfektion zur Verwendung vor dem Stechen und Spritzen
- Blutzuckermessgerät mit Ersatzbatterien oder Ladegerät (bei Bedarf Reiseadapter)
- gegebenenfalls CGM-Sensoren (bei der Behandlung mit CGM-Systemen sollte ein Blutzuckermessgerät zur Messung am Finger für den Notfall verfügbar sein)
- Insulin-Spritzen oder Pens mit Zubehör
- Nadeln, Lanzetten und andere medizinische Hilfsmittel
- Bei Insulinpumpentherapie: Insulinpumpe und Zubehör, Batterien und Ersatzgeräte
- Desinfektionsmittel, Pflaster oder Tapes
- Glukose für den Notfall (Traubenzucker, Glukose-Gels)
- Bei Neigung zu schweren Unterzuckerungen: Glukagon-Nasenspray oder -spritze
- Snacks, die den Blutzuckerspiegel stabil halten (beispielsweise Nüsse und Vollkornriegel) und je nach Reise Verpflegung (beispielsweise belegte Brote und Gemüsesticks)
- Medizinische Dokumente und Bescheinigungen (zum Beispiel Gesundheits-Pass-Diabetes, Impfpass, Internationaler Diabetes-Ausweis, Ärztliche Bescheinigung zum Mitführen von Medikamenten und Insulinspritzen oder weitere ärztliche Dokumente wie eine aktuelle Patientenverfügung sowie Insulin- und Medikationspläne) möglichst in deutscher und englischer Sprache.
- Verbandsmaterial für Hautinfektionen oder Wunden
- Sonnenmilch
- Hautdesinfektionsmittel
Gut zu wissen:
Nehmen Sie am besten die doppelte Menge Ihres Urlaubsbedarfs an Insulin und Medikamenten mit. So sind sie abgesichert, sollte etwas verloren gehen oder sich die Reise verzögern. Achten Sie stets gut auf Ihr medizinisches Gepäck, damit es nicht durch Diebstahl oder Vergessen verloren geht.
3. Insulin und Medikamente unterwegs richtig lagern
Eine sichere Aufbewahrung für medizinische Geräte wie Insulinpumpen und Sensoren ist auf Reisen besonders wichtig. Insulin und andere Diabetes-Medikamente als Injektionslösung (zum Beispiel GLP-1-Rezeptoragonisten) sind temperaturempfindlich. Sie sollten zwischen +2 und +8 Grad Celsius gelagert und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden.
Auf Flugreisen gehören alle wichtigen Medikamente, Bescheinigungen und Diabetes-Utensilien ins Handgepäck, idealerweise auf mehrere Handgepäcksstücke verteilt. So sind sie jederzeit griffbereit, falls das aufgegebene Gepäck verspätet am Zielort ankommt oder verloren geht. Zudem kann es im Frachtraum des Flugzeuges sehr kalt werden, sodass Insulin und weitere Medikamente durch die niedrigen Temperaturen ihre Wirkung verlieren.
Vorsicht ist auch bei Reisen mit dem Auto geboten: Im Sommer heizt sich der Innenraum schnell auf, besonders der Kofferraum. Nehmen Sie beim Verlassen des Autos am besten alle Arzneimittel in der Kühltasche mit.
Gut zu wissen:
Es gibt spezielle Kühltaschen, die sich für Medikamente gut eigenen. Klassische Kühlboxen sind nur eingeschränkt zu empfehlen.
Achten Sie darauf, das Insulin und andere Injektionslösungen nicht zu nahe an den Kühlakkus zu lagern. Denn: Das Insulin kann einfrieren und damit unwirksam werden. Sie können auch vorgekühlte Thermosflaschen und Styroporboxen verwenden oder die temperaturempfindlichen Präparate in ein feuchtes Handtuch einwickeln.
Im Winterurlaub wiederum drohen Kälteschäden. Bei sehr niedrigen Außentemperaturen können Sie diese vermeiden, indem Sie das Insulin nah am Körper tragen (zum Beispiel in einer Bauchgurttasche oder der Innentasche Ihrer Jacke).
4. Worauf ist mit Diabetes bei Zeitverschiebungen zu achten?
Wenn man sich von einer Zeitzone in die andere bewegt, kann es notwendig sein, die tägliche Insulin- oder Medikamentendosis anzupassen. Zeitverschiebungen von weniger als 4 Stunden erfordern in der Regel keine Anpassung. Bei größeren Zeitverschiebungen gilt: Je weiter man nach Westen reist, desto länger wird der Tag. Bei Reisen nach Osten verkürzt sich der Tag hingegen. Entsprechend erhöht sich der Insulinbedarf bei längeren und verringert sich bei kürzeren Tagen.
Auch lange Sitzzeiten auf Langstreckenflügen sowie zusätzlicher Reisestress können den Insulinbedarf verändern. Es ist daher empfehlenswert, während der Reise regelmäßig den Blutzucker zu kontrollieren, um den Bedarf an blutzuckersenkenden Medikamenten zu überprüfen. Passen Sie die Insulindosis gegebenenfalls an die Mahlzeiten und aktuellen Werte an. Dies gilt auch für Menschen mit Typ-2-Diabetes, die orale Antidiabetika einnehmen. Alle Empfehlungen zur Insulinanpassung bei Zeitverschiebung sind nur grobe Richtwerte. Wie die Anpassung der Medikation im Einzelfall aussieht, sollte vor Reisebeginn mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.
Bei Reisen Richtung Westen (verlängerter Tag) – der Insulinbedarf steigt:
- Option 1: Erhöhen Sie vor Abflug die Basalinsulin-Dosis anteilig entsprechend der Dauer der Tagesverlängerung (pro Stunde Zeitverschiebung etwa ein 24stel der Tagesdosis).
- Option 2: Halten Sie sich morgens und abends an die gewohnte Menge an Basalinsulin. Wenn Sie ein Basalinsulin verwenden, das nur einmal täglich oder einmal wöchentlich gespritzt wird (beispielsweise das Insulin Icodec), behalten Sie die üblichen Dosen und den gewohnten Zeitpunkt der Injektion bei. Gleichen Sie unterwegs die verlängerte Zeitspanne mit schnellwirksamem Insulin aus. Behalten Sie dann wieder den gewohnten Rhythmus Ihrer Injektionen entsprechend der Ortszeit der neuen Zeitzone bei.
Bei Reisen Richtung Osten (verkürzter Tag) – der Insulinbedarf sinkt:
- Option 1: Sie können die Basalinsulin-Dosis vor Abflug proportional zur Tagesverkürzung reduzieren (pro Stunde Zeitverschiebung etwa ein 24stel der Tagesdosis).
- Option 2: Sie spritzen die übliche Menge an Basalinsulin vor Abflug. Dann berechnen Sie wie gewohnt das Insulin, das Sie zu Mahlzeiten einnehmen, reduzieren am nächsten Tag jedoch die Menge des Basalinsulins.
Gut zu wissen:
Alkohol sollte vor und während des Fluges vermieden werden. Er wirkt blutzuckersenkend und erhöht dadurch die Gefahr von Unterzuckerungen. Zudem steigert Alkohol das Risiko für Thrombosen.
diabinfo-Podcast Mit Diabetes Typ 1 auf Reisen (Erfahrungsbericht-Podcast mit Ivo Rettig)
5. Ernährung auf Reisen und lokale Spezialitäten
Ein Highlight der Reisen ist meist auch die landestypische Küche. Auch mit Diabetes sollten Sie im Urlaub landestypische Gerichte genießen. Bei ungewohnten oder exotischen Speisen ist es hilfreich, sich im Vorfeld über die Zutaten zu informieren, um den Kohlehydratgehalt etwas besser abschätzen zu können. Da sich die Blutzuckerreaktion auf ungewohnte Gerichte trotzdem nicht immer vorhersagen lässt, ist es sinnvoll, den Blutzucker häufiger zu messen
Im Urlaub wird oftmals auch mehr Alkohol getrunken. Allerdings kann Alkohol den Blutzuckerspiegel senken. Trinken Sie Alkohol deshalb nur in Maßen und nicht auf nüchternen Magen. Wer Insulin spritzt oder blutzuckersenkende Medikamente (insbesondere Sulfonylharnstoffe) einnimmt, sollte daher zu alkoholischen Getränken stets auch Kohlenhydrate zu sich nehmen, um einer Unterzuckerung vorzubeugen. Es ist sinnvoll, die nächtlichen Basalinsulindosen oder die Basalrate zu reduzieren und einen höheren Glukosezielwert für die Dauer der Alkoholwirkung zu wählen. Halten Sie dazu vor der Reise Rücksprache mit Ihrem Behandlungsteam.
6. Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1 auf Reisen
Familienreisen
Für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes erfordert die Reisevorbereitung besondere Sorgfalt. Eltern sollten darauf achten, dass ausreichend Medikamente, Zubehör und Notfall-Glukose eingepackt sind. Im Urlaub bewegen sich Kinder und Jugendliche wie auch Erwachsene oft mehr als zuhause – beispielsweise beim Schwimmen oder Wandern. Mehr Bewegung kann den Insulinbedarf senken. Deshalb sind regelmäßige Blutzuckerkontrollen und gut geplante Pausen besonders wichtig, um Schwankungen zu vermeiden. Besprechen Sie die Urlaubsreise frühzeitig mit dem Diabetes-Team. Dort erhalten Sie Tipps, wie sich der Insulinplan an veränderte Tagesabläufe anpassen lässt.
Klassenfahrten oder Jugendreisen
Für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes ist es wichtig, dass sie an allen Aktivitäten teilnehmen. Dazu zählen auch Klassenfahrten, Jugendfreizeiten oder Auslandsaufenthalte. Je nach Alter und dem Grad der Selbstständigkeit sind dafür unterschiedliche Vorbereitungen zu treffen:
- Eltern sollten gemeinsam mit dem Diabetes-Team besprechen, welche Aufgaben das Kind selbstständig übernehmen kann und wo es Unterstützung benötigt.
- Eine rechtzeitige Vorbereitung und Schulung des Kindes oder Jugendlichen erleichterten den sicheren Umgang mit der Erkrankung auf Reisen. Planen Sie dafür genügend Vorbereitungszeit ein. Besonders bei jüngeren Kindern kann eine zusätzliche Betreuungsperson sinnvoll sein. Diese sollte frühzeitig eingeplant und angefragt werden.
- Wichtig ist auch, dass Lehrkräfte die Schulleitung oder Gruppenleitungen über den Diabetes des Kindes oder Jugendlichen informiert und eingewiesen werden, damit sie in Notfällen richtig handeln können.
- Beziehen Sie Ihr Kind aktiv in die Reisevorbereitungen ein. Es sollte wissen, an wen es sich wenden kann, wenn es Unterstützung braucht. Dabei ist der Smartphone-Gebrauch häufig hilfreich.
Gut zu wissen:
Die Broschüre „Wenn Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes reisen – Ein Wegweiser für Eltern und Betreuer“ der Deutschen Diabetes Stiftung bietet praxisnahe Tipps und Checklisten für die Reisevorbereitung.
Planen Jugendliche einen längeren Auslandsaufenthalt, sollten sich Eltern und ihre Kinder frühzeitig bei der Krankenkasse informieren, wie die Versorgung mit Medikamenten und Hilfsmitteln, zum Beispiel Insulinpumpenzubehör und Blutzuckermessstreifen, im Gastland organisiert ist, welche Kosten erstattet werden und wie ein eventueller Rücktransport geregelt ist.
Quellen:
ADAC: Medikamente auf Reisen: Das darf ins Handgepäck. Artikel vom 5. August 2025 (Letzter Abruf: 17.10.2025)
aerzteblatt.de: Diabetes: Die richtigen Empfehlungen zum Umgang mit Alkohol. Artikel vom 31. Mai 2019 (Letzter Abruf: 17.10.2025)
diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe: Reisen mit Diabetes. (Letzter Abruf: 17.10.2025)
Deutsche Diabetes Stiftung: Wenn Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes reisen: Ein Wegweiser für Eltern und Betreuer. (Letzter Abruf: 17.10.2025)
Robert Koch-Institut: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e. V. (DTG) zu Reiseimpfungen. 2025 (Letzter Abruf: 17.10.2025)
Stand: 17.10.2025












