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Wie wird Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert?

Wissenschaftliche Unterstützung: PD Dr. Sandra Hummel

Ein Schwangerschaftsdiabetes verursacht normalerweise keine typischen Symptome. Deshalb sollten alle Schwangeren zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche vorsorglich auf Schwangerschaftsdiabetes untersucht werden. Hierzu wird ein Zuckertest (oraler Glukosetoleranztest) durchgeführt. Die Schwangere trinkt eine Zuckerlösung. Anschließend wird der Blutzuckerwert bestimmt. Übersteigt der Wert eine bestimmte Grenze, kann dies ein Zeichen für Schwangerschaftsdiabetes sein.

Bei Frauen mit einem erhöhten Diabetes-Risiko wird bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes durchgeführt. Das betrifft zum Beispiel übergewichtige oder ältere Frauen. Werden keine erhöhten Blutzuckerwerte festgestellt, wird in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche ein weiterer Zuckertest gemacht. 

Der „Zuckertest“ zur Diagnose von Schwangerschaftsdiabetes

In der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche werden Schwangere routinemäßig auf Schwangerschaftsdiabetes getestet. Umgangssprachlich ist die Rede von dem „Zuckertest“. Fachleute sprechen von dem oralen Glukosetoleranztest (oGTT).

Dabei trinkt die Schwangere eine Zuckerlösung. Kurze Zeit später wird der Blutzuckerwert bestimmt. Der Wert zeigt, wie gut der Körper die Zuckermenge verarbeiten kann. In der Regel erfolgt er über ein 2-stufiges Verfahren, das für das Baby keinerlei Risiken birgt.

Vortest mit 50 Gramm Glukose

Zunächst wird jeder schwangeren Frau ein Vortest angeboten. Die Schwangere trinkt ein Glas Wasser, in welchem 50 Gramm Glukose (Zucker) gelöst sind. Sie muss dazu nicht nüchtern sein. Nach einer Stunde wird Blut aus der Armvene abgenommen und der Blutzuckerwert bestimmt. Ist der Blutzuckerwert unauffällig, ist der Test beendet. Wird zu diesem Zeitpunkt ein Blutzuckerwert von 135 mg/dl (7,5 mmol/l) oder mehr gemessen, wird ein zweiter Zuckertest durchgeführt: Der große Glukosetoleranztest mit 75 Gramm Glukose. Das Ergebnis des Vortests stellt allein noch keine Diagnose dar.

Diagnosetest mit 75 Gramm Glukose

Für den sogenannten Diagnose- oder großen Glukosetoleranztest muss die Schwangere nüchtern sein. Sie darf mindestens 8 Stunden vorher nichts gegessen und nichts Zuckerhaltiges getrunken haben. Zunächst wird der Schwangeren Blut abgenommen, daraufhin trinkt sie eine Zuckerlösung mit 75 Gramm Glukose. Dann wird ihr erneut zweimal Blut abgenommen. Einmal nach 1 Stunde und einmal 2 Stunden nach Einnahme der Zuckerlösung.

Die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes wird gestellt, wenn einer der 3 folgenden Blutzuckerwerte erreicht oder überschritten ist:

  • Nüchtern: 92 mg/dl (5,1 mmol/l)
  • Nach 1 Stunde: 180 mg/dl (10,0 mmol/l)
  • Nach 2 Stunden: 153 mg/dl (8,5 mmol/l)

Liegt der Nüchternblutzuckerwert bei 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder der Blutzuckerwert nach 2 Stunden bei 200 mg/dl (11,1 mmol/l), spricht man nicht von Schwangerschaftsdiabetes. Es liegt dann ein in der Schwangerschaft neu aufgetretener Diabetes vor. In diesem Fall werden weitere Tests durchgeführt, um die Diabetesform zu bestimmen und eine individuelle Behandlung in die Wege zu leiten. Es könnte sich beispielsweise um Typ-2-, Typ-1- oder MODY-Diabetes handeln.

Wenn ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wurde, muss eine Stoffwechseleinstellung erfolgen. Meistens genügt hierfür eine Ernährungsumstellung. Weitere Informationen zur Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes finden Sie hier.

Wird der Glukosetoleranztest von der Krankenkasse bezahlt?

Normalerweise wird nur der Vortest mit 50 Gramm Glukose von der Krankenkasse bezahlt. Ergibt dieser Test Werte über 135 mg/dl, wird der anschließende Diagnosetest mit 75 Gramm Glukose von der Krankenkasse erstattet.

Wie werden Frauen mit erhöhtem Diabetes-Risiko getestet?

In einem Gespräch prüft die Ärztin oder der Arzt bei Feststellung der Schwangerschaft, ob ein erhöhtes Diabetes-Risiko vorliegt. Dies kann beispielsweise bei starkem Übergewicht, höherem Alter bei Eintritt der Schwangerschaft oder einem vorangegangenen Schwangerschaftsdiabetes der Fall sein.

Liegt ein erhöhtes Risiko vor, sollte eine Blutzuckeruntersuchung bereits im 1. Schwangerschaftsdrittel, also gleich zu Beginn der Schwangerschaft, erfolgen. Dazu wird der Schwangeren im nüchternen Zustand – sie darf also mindestens 8 Stunden vorher nichts gegessen oder Zuckerhaltiges getrunken haben – Blut aus der Armvene entnommen, um den Zuckerwert im Blut zu bestimmen.

Wenn der Nüchternblutzucker bei über 92 mg/dl (5,1 mmol/l) liegt, sollte eine 2. Messung am folgenden Tag erfolgen. Liegt das Ergebnis dann zwischen 92 mg/dl (5,1 mmol/l) und 125 mg/dl (6,9 mmol/l), bestätigt sich die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes. Liegt der Wert darunter, wird zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche erneut ein Zuckertest (Glukosetoleranztest) durchgeführt.

Bei Werten von 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder höher lag bereits vor der Schwangerschaft ein Diabetes vor.

Alternativ kann der sogenannte Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) bestimmt werden. Dieser Wert verrät, ob der Blutzucker in den vergangenen 6 bis 8 Wochen zu hoch war. Man spricht auch vom Blutzucker-Langzeitgedächtnis. Er liegt bei gesunden Menschen ohne Zuckerstoffwechselstörung etwa bei 5 Prozent (31 mmol/mol).

Wird bei der Messung ein Wert bis 5,8 Prozent (40 mmol/mol) erreicht, wird der Blutzucker am Folgetag erneut in nüchternem Zustand durch Blutentnahme bestimmt, um einen Schwangerschaftsdiabetes auszuschließen. Liegt das Ergebnis dann zwischen 92 mg/dl (5,1 mmol/l) und 125 mg/dl (6,9 mmol/l), bestätigt sich die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes.

Werden HbA1c-Werte zwischen 5,9 und 6,4 Prozent (41 und 46,5 mmol/mol) gemessen, wird der Diagnosetest mit 75 Gramm Glukose durchgeführt, um den Verdacht auf Schwangerschaftsdiabetes zu bestätigen oder zu entkräften.

Bei einem HbA1c-Wert von über 6,4 Prozent (46,5 mmol/mol) lag bereits vor der Schwangerschaft ein Diabetes vor.

Mehr zu den Risikofaktoren für Schwangerschaftsdiabetes finden Sie hier!