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Hitze und Diabetes

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Baptist Gallwitz

Sich mit dem Klimawandel zu beschäftigen und zu wissen, wie der Körper beispielsweise auf andauernde Hitze reagiert, ist für Menschen mit Diabetes besonders wichtig. Denn die im Zusammenhang mit der Erderwärmung zu erwartende Zunahme an Hitzeperioden kann für sie problematischer sein als für stoffwechselgesunde Menschen. Das gilt besonders im höheren Alter.

Klimawandel: Was Menschen mit Diabetes wissen sollten

Extremwetterlagen mit Hitze können für Menschen mit Diabetes problematischer sein als für stoffwechselgesunde Personen. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen mit Diabetes.

Bei ihnen lässt das Durstgefühl oft nach, sodass die Gefahr besteht, dass sie bei Hitze zu wenig Flüssigkeit zu sich nehmen. Dadurch erhöhen sich die Blutzuckerwerte, was zu einer verstärkten Ausscheidung des Zuckers über den Urin und einem weiteren Anstieg des Flüssigkeitsbedarfs führt. Eine schlechte Einstellung des Blutzuckers kann diese Effekte verstärken. Der Wasserhaushalt gerät zunehmend durcheinander. Dies kann Stoffwechselentgleisungen sowie Funktionsstörungen von Nieren, Herz und anderen Organen nach sich ziehen.

Gut zu wissen:

Das Informationsportal www.klima-mensch-gesundheit.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet qualitätsgeprüfte und unabhängige Informationen zum Thema Klimawandel, Hitze und Gesundheit.

Verminderte Hitzeverträglichkeit

Darüber hinaus gibt es weitere physiologische Faktoren, die bei allen Diabetesformen die Hitzeverträglichkeit herabsetzen können. Sie spielen im Hinblick auf die gesundheitlichen Folgen von hohen Temperaturen bei Diabetes aber keine so große Rolle wie das nachlassende Durstgefühl bei älteren Menschen mit der Stoffwechselerkrankung.

So reagieren Personen mit Diabetes mitunter später, langsamer und schwächer auf Hitze als stoffwechselgesunde Personen. Denn ihre physiologische Hitzeanpassung kann durch die Erkrankung gestört sein und nur eingeschränkt funktionieren: Die Ursache dafür ist eine herabgesetzte Aktivität sympathischer Nervenbahnen, die die Schweißdrüsen und Blutgefäße regulieren.

Beeinträchtigt ist sowohl der feuchte Hitzeaustausch über das Schwitzen als auch der trockene Hitzeaustausch über die Haut, der Wärme durch eine Erweiterung der Blutgefäße abführt. Periphere Nervenschädigungen und starkes Übergewicht (Adipositas) verschlechtern die Hitzeanpassung zusätzlich. So schränkt Adipositas die Wärmeabfuhr weiter ein, da die Körperoberfläche relativ zum Gewicht kleiner wird. Zudem verläuft die Wärmeabgabe bei Fettgewebe langsamer als bei Muskelgewebe.

Ebenfalls bei insulinpflichtigen Menschen problematisch ist, dass durch den erhöhten Blutfluss infolge des trockenen Hitzeaustausches das Insulin schneller im Körper verteilt wird. Das erhöht die Gefahr einer Unterzuckerung. Zudem reduziert sich bei Hitze oft der Appetit, was ebenfalls zu einer Unterzuckerung führen kann.

Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein: Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die unzureichend mit blutzuckersenkenden Tabletten eingestellt sind, kann es zu einer Überzuckerung kommen, was die Gefahr eines Flüssigkeitsmangels (Dehydrierung) steigert. Außerdem können sich bei Hitze Begleit- und Folgeerkrankungen, wie Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verschlechtern. Das Risiko für einen hitzebedingten Herzinfarkt ist bei Diabetes erhöht, da das Herz möglicherweise schlechter durchblutet ist.

Gut zu wissen:

Diese Faktoren erhöhen das Risiko für eine verminderte Hitzeverträglichkeit bei Personen mit Diabetes:

  • Höheres Alter
  • Übergewicht
  • Spritzen von Insulin
  • Begleit- und Folgeerkrankungen

Was sollten Menschen mit Diabetes an Hitzetagen beachten?

  • Genügend Trinken
    Das Wichtigste ist, ausreichend zu trinken! Dieser Ratschlag gilt für ältere Personen mit Diabetes ganz besonders. Empfehlenswert sind mindestens 1,5 Liter pro Tag am besten in Form von Wasser oder anderen kalorienfreien Getränken wie ungesüßtem Tee. Zuckergesüßte und alkoholische Getränke sind zu meiden. Bei Symptomen wie Schwindel oder Müdigkeit sollten vor allem ältere Personen nicht lange warten, sondern sofort ärztliche Hilfe kontaktieren.
  • Insulin richtig lagern
    Wer Insulin benötigt, sollte zudem unbedingt auf ausreichend Vorrat und die richtige Lagerung bei 2 bis 8 Grad achten. Der im Gebrauch befindliche Pen sollte nicht über 30 Grad gelagert werden – also nicht auf der Fensterbank oder unter direkter Sonneneinstrahlung. Denn Insulin reagiert empfindlich auf hohe Temperaturen von über 30 Grad und wird inaktiv. Achtung: Insulin darf nicht gefrieren, da es dadurch unwirksam wird!
  • Messgerät und Teststreifen außerhalb der Sonne aufbewahren
    Extreme Temperaturen können auch das Blutzuckermessgerät und die Teststreifen beeinflussen. Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Insulinpumpe und sonstige Hilfsmittel zur Diabetes-Therapie sollten, soweit es geht, bei normaler Raumtemperatur aufbewahrt beziehungsweise vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden. Allerdings können auch kalte Temperaturen zu irreführenden Ergebnissen führen, sodass Sie die Utensilien nicht kühlen sollten.
  • Dosierung von Insulin und Medikamenten anpassen
    Wer insulin- oder tablettenpflichtig ist, sollte zudem bei Hitze mit dem Arzt oder der Ärztin die Insulingabe sowie die Dosierung blutzuckersenkender Tabletten absprechen und gegebenenfalls anpassen. Auch die Dosierung anderer Medikamente wie beispielsweise Blutdrucksenker sollte abgeklärt werden.
  • Häufige Blutzuckerkontrollen
    Grundsätzlich ist es bei Diabetes an heißen Tagen empfehlenswert, den Blutdruck und den Blutzucker mindestens 2-mal täglich zu messen.
  • Ansonsten gilt, was auch für stoffwechselgesunde Personen an heißen Tagen zu beachten ist
    Auch im Sommer ist genügend Sport und Bewegung unerlässlich. An besonders warmen Tagen sollte man die sportlichen Aktivitäten aber in die frühen Morgen- beziehungsweise späten Abendstunden verlegen, um die Mittagshitze zu vermeiden. Hält man sich draußen auf, ist es wichtig, Kopf, Haut und Augen vor UV-Strahlung zu schützen.

Wie kann ich klimafreundlich und gesund leben?

Im Alltag gibt es viele Möglichkeiten, den CO2-Fußabdruck zu senken. Welche Maßnahmen am effektivsten sind, zeigen die Big Points für nachhaltigen Konsum des Kompetenzzentrums für nachhaltigen Konsum. Wir haben sie in diesem Artikel zusammengefasst. Das Schöne an einem nachhaltigen Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung: Man beugt Folgeerkrankungen des Diabetes vor und schützt gleichzeitig das Klima und die Umwelt.

Quellen:

Geissel, W.: Hitzewellen sind für Diabetiker besonders bedrohlich. In: ÄrzteZeitung, 2021 (Letzter Abruf: 26.04.2022)
Ärzteblatt online: Diabetologen warnen vor erhöhter Sterblichkeit durch Klimawandel. (Letzter Abruf: 26.04.2022)
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Neue Broschüre „Menschen in Bewegung bringen“. Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung in Kurzform. (Letzter Abruf: 26.04.2022)
Deutsche Diabetes Gesellschaft: Hitzewelle in Deutschland: Bei Menschen mit Diabetes steigt das Risiko für einen Herzinfarkt. (Letzter Abruf: 26.04.2022)
Edmonds, C. J. et al.: Dehydration in older people: A systematic review of the effects of dehydration on health outcomes, healthcare costs and cognitive performance. In: Arch Gerontol Geriatr, 2021, 95: 104380
Stand: 26.04.2022