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PAVK: Das Wichtigste zur „Schaufensterkrankheit”

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Karsten Müssig

Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK), umgangssprachlich auch Schaufensterkrankheit genannt, ist die Durchblutung in den Beinen und Füßen eingeschränkt. Betroffene Personen können unter Umständen nur noch wenige Meter schmerzfrei gehen.

Mithilfe von Blutdruckmessungen sowie bildgebenden Untersuchungsmethoden wird die PAVK diagnostiziert. Um die PAVK erfolgreich zu behandeln, gilt es in erster Linie, mögliche Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Rauchen vorzubeugen beziehungsweise ihnen entgegenzuwirken. Auch gerinnungshemmende Medikamente sowie in manchen Fällen chirurgische Eingriffe kommen zum Einsatz, um die Durchblutung in den Beinen zu verbessern.

Durch einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Rauchverzicht lässt sich der Schaufensterkrankheit vorbeugen.



1. Was ist die PAVK?

Ein Spaziergang durch die Innenstadt: alle paar Meter anhalten, kurz stehen bleiben, weitergehen, wieder stoppen. Was von außen so aussieht wie ein gemütlicher Schaufensterbummel, hat in Wahrheit eine andere Ursache: die periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz PAVK. Bei der PAVK ist die Durchblutung der Beine und Füße durch Einengungen und Schädigungen der Blutgefäße gestört oder sogar unterbrochen.

Die Muskeln werden bei der PAVK nicht mehr zuverlässig durchblutet. Das führt dazu, dass die betroffenen Personen beim Gehen mitunter so starke Schmerzen haben, dass sie regelmäßig anhalten müssen – so, als würden sie von einem Schaufenster zum nächsten schlendern. Aus diesem Grund wird die PAVK umgangssprachlich auch Schaufensterkrankheit genannt.

In den meisten Fällen steckt hinter der chronischen Durchblutungsstörung eine sogenannte Arteriosklerose. Dabei bilden sich Fettablagerungen (Plaques) an den Wänden der Blutgefäße (Arterien) und verengen diese. Platzen die Plaques, kann ein Blutgerinnsel (Thrombus) entstehen. Betroffen davon sind nicht nur die Beingefäße, sondern auch die Gefäße im Herzen oder im Gehirn. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen.

 

Die PAVK kommt relativ häufig vor: Zwischen 3 und 10 Menschen von 100 sind davon in Industrienationen betroffen. Mit dem Alter steigt die Zahl der Menschen mit einer PAVK kontinuierlich an. Bei Menschen über 70 Jahren erkranken zwischen 15 und 20 von 100 Personen an der Schaufensterkrankheit. Die PAVK kommt in jüngeren Altersgruppen bei Männern häufiger vor als bei Frauen. Ab 75 Jahren haben jedoch eher Frauen als Männer eine PAVK.

Die Stadien der PAVK

Die PAVK ist bei den betroffenen Personen unterschiedlich stark ausgeprägt und kann sich über den Krankheitsverlauf hinweg verschlechtern. Die PAVK lässt sich in verschiedene Stadien einteilen, die sich unter anderem darauf beziehen, wie stark die Symptome ausgeprägt sind.

Auch die Bezeichnungen für die PAVK ändern sich mit den Stadien: Während Fachleute in frühen Stadien von „Claudicatio intermittens“, dem unterbrochenen Hinken, oder der „Schaufensterkrankheit“ sprechen, ist in späten Stadien von einer sogenannten Extremitätenischämie die Rede, bei der sich ein Blutgefäß teilweise oder ganz verschließt. Bei einer PAVK im Endstadium sind Teile oder sogar größere Flächen des Gewebes an den Beinen und/oder Füßen aufgrund der mangelnden Durchblutung abgestorben. Medizinisch wird dies als Nekrose bezeichnet.

 

Die einzelnen PAVK-Stadien sind:

  • PAVK-Stadium I: Asymptomatisch, keine Beschwerden
  • PAVK-Stadium IIa: Betroffene Personen können beim sogenannten Gehtest eine Gehstrecke von mehr als 200 Metern ohne Schmerzen zurücklegen – leichte Claudicatio intermittens
  • PAVK-Stadium IIb: Betroffene Personen können beim Gehtest eine Gehstrecke von weniger als 200 Metern ohne Schmerzen zurücklegen – mäßige oder schwere Claudicatio intermittens
  • PAVK-Stadium III: Schmerzen aufgrund der verminderten Durchblutung im Ruhezustand
  • PAVK-Stadium IV: Geschwüre (Ulkus), abgestorbene Gewebebereiche (Nekrosen)

2. Was sind die Folgen einer PAVK?

Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) ist die Durchblutung der Beine eingeschränkt, weil Blutgefäße (Arterien), die die Beine mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, verengt oder – im Extremfall – sogar verschlossen sind. Dadurch wird das Gewebe nicht mehr ausreichend versorgt.

Je schlechter die Blutversorgung, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Geschwüre bilden oder sogar Gewebe abstirbt. Im schlimmsten Fall droht eine Amputation des betroffenen Körperteils.

Die Prognose der PAVK hängt vom Krankheitsstadium ab. Je weiter fortgeschritten die Schaufensterkrankheit ist, desto höher ist auch das Risiko für schwere Folgen wie eine Amputation. Eine PAVK schränkt außerdem die Lebenserwartung ein – das gilt insbesondere dann, wenn die Erkrankung schon Beschwerden verursacht.


3. Was erhöht das Risiko für eine PAVK?

Der bedeutendste Risikofaktor für die Entstehung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) ist Rauchen. Die Inhaltsstoffe (Nikotin und Schadstoffe) in Zigaretten, Zigarren und auch E-Zigaretten schädigen die Blutgefäße und begünstigen eine Arteriosklerose. Weitere Risikofaktoren sind unter anderem

  • Erhöhte Blutfettwerte
  • Bluthochdruck
  • Übergewicht und starkes Übergewicht (Adipositas)
  • Diabetes
  • Unausgewogene, kalorienreiche Ernährung
  • Bewegungsmangel
  • Familiäre Vorbelastung

Gut zu wissen:

Bei einer Arteriosklerose verengen und verhärten sich die Blutgefäße (Arterien) durch Ablagerungen an den Gefäßwänden. Schreitet die Gefäßerkrankung fort, können Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine PAVK entstehen.


4. Wie kann einer PAVK vorgebeugt werden?

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) ist eine Form der Gefäßverkalkung. Ein gesundheitsförderlicher Lebensstil kann helfen, die Gefäße zu schützen und damit der Schaufensterkrankheit vorzubeugen:

  • Geben Sie das Rauchen auf: Rauchen ist der bedeutendste Risikofaktor für eine PAVK, denn die Inhaltsstoffe von Zigaretten & Co. schädigen die Gefäße und begünstigen dadurch Durchblutungsstörungen.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig: Ein aktiver Lebensstil ist wichtig, um Gefäßerkrankungen vorzubeugen. Bereits 30 Minuten schnelles Gehen oder Fahrradfahren an 3 Tagen pro Woche stärken das Herz-Kreislauf-System.
  • Erhöhte LDL-Cholesterinwerte vermeiden: Zu hohe LDL-Cholesterinwerte begünstigen eine PAVK. Lassen Sie daher regelmäßig Ihre Blutfettwerte ärztlich kontrollieren und gegebenenfalls behandeln. Neben Medikamenten kann sich auch eine ballaststoffreiche Ernährung mit einem hohen Verzehr von Gemüse, Obst und Vollkornprodukten und einem geringen Anteil an tierischen Produkten positiv auf die Blutfettwerte auswirken.
  • Bluthochdruck vermeiden: Bluthochdruck belastet die Gefäße. Lassen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig messen und erhöhte Werte behandeln.
  • Diabetes behandeln: Menschen mit Diabetes haben häufiger Gefäßerkrankungen, da der erhöhte Blutzucker auf Dauer die Gefäße schädigt. Versuchen Sie daher, Ihre Blutzuckerwerte möglichst im individuellen Zielbereich zu halten.
  • Normalgewicht erreichen: Übergewicht begünstigt eine PAVK. Streben Sie deshalb Normalgewicht an oder versuchen Sie bestehendes Übergewicht möglichst zu verringern.

5. Wie hängen PAVK, Diabetes und Adipositas zusammen?

Menschen mit Diabetes haben ein 3- bis 4-fach erhöhtes Risiko, an Arteriosklerose zu erkranken im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes. Je höher der Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) ist, desto eher treten Gefäßprobleme auf. Der HbA1c-Wert beschreibt, wie hoch der Blutzucker in den letzten 8 bis 12 Wochen war. Deswegen ist es wichtig, den HbA1c-Wert regelmäßig im Blick zu behalten.

Auch Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte gehören zu den Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen wie die PAVK. Alle diese Faktoren werden durch Übergewicht und überschüssiges Bauchfett zusätzlich verstärkt. Menschen mit Adipositas (starkem Übergewicht), haben daher ein höheres Risiko, an Arteriosklerose und damit an einer PAVK zu erkranken als normalgewichtige Menschen.

Bei Menschen mit Diabetes tritt eine PAVK zudem häufig zusammen mit dem Diabetischen Fußsyndrom auf. Deshalb sollten betroffene Personen regelmäßig ihre Füße durch eine Ärztin oder einen Arzt untersuchen lassen. Menschen mit Diabetes und einem Diabetischen Fußsyndrom haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Amputationen.


6. Was sind die Symptome bei einer PAVK?

Menschen mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) haben beim Gehen bereits nach sehr kurzer Zeit Schmerzen, sodass sie anhalten müssen. Die Schmerzen äußern sich vor allem in den Waden, aber auch in den Oberschenkeln oder am Po.

Es gibt noch weitere PAVK-Symptome, die auf die Schaufensterkrankheit hindeuten können. Dazu gehören:

  • Trockene Haut an den Beinen und Füßen
  • Ausfall der Beinhaare
  • Schlecht heilende Wunden
  • Trockene, kühle und bleiche Haut
  • Stark verhornte Fußsohlen
  • Ungewöhnlich langsam wachsende Fußnägel

Bei Männern können auch Erektionsstörungen als Folge der Gefäßverkalkung auftreten.


7. Wie wird die PAVK diagnostiziert?

Um die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) zu diagnostizieren, befragt die behandelnde Fachkraft die Patientin oder den Patienten zunächst nach den Beschwerden. Dann untersucht die Ärztin oder der Arzt die Haut und Muskeln des betroffenen Bereichs und misst den Puls. Mithilfe eines Stethoskops wird der Blutstrom in den Arterien abgehört, um Auffälligkeiten nachweisen zu können.

Zur Ermittlung des sogenannten Knöchel-Arm-Index (ABI) wird zunächst der Blutdruck an den Armen und dann in den Unterschenkeln gemessen. Diese beiden Werte werden zueinander ins Verhältnis gesetzt. Daraus lassen sich Rückschlüsse darauf ziehen, wie hoch das Ausmaß der Durchblutungsstörung ist.

Bildgebende Verfahren wie eine sogenannte Duplex-Sonografie oder Angiografie liefern zusätzliche Informationen zum Zustand der Blutgefäße.

 

Da Menschen mit einer PAVK nur noch kurze Strecken schmerzfrei gehen können, ermittelt die Ärztin oder der Arzt das Ausmaß der Symptome anhand eines Gehtests. Dabei gehen betroffene Personen auf einem Laufband und es wird bestimmt, wie lange sie schmerzfrei beziehungsweise überhaupt gehen können.


8. Wie wird die PAVK behandelt?

Die Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung und der Schwere der Symptome. Es kommen verschiedene Behandlungsoptionen in Frage:

Bestehenden Risikofaktoren entgegenwirken

Die zentrale Ursache der Schaufensterkrankheit ist die Arteriosklerose. Eine Anpassung des Lebensstils und die Behandlung beziehungsweise Vermeidung möglicher Risikofaktoren können das Fortschreiten der Arteriosklerose hinauszögern oder verhindern. Folgende Maßnahmen werden empfohlen:

Behandlung mit Medikamenten

Falls erforderlich, verordnen Ärztinnen oder Ärzte Medikamente. Dazu gehören Wirkstoffe, die die Blutgerinnung absenken (Blutverdünner) oder die Gefäße erweitern und so die Durchblutung erleichtern.

Gehtraining

Hauptsymptom der PAVK ist, dass die betroffenen Personen keine weiten Strecken mehr gehen können oder beim Gehen schnell Schmerzen verspüren. Bewegung ist jedoch wichtig für die Gesundheit der Gefäße und die allgemeine Leistungsfähigkeit. Menschen mit einer PAVK wird daher ein gezieltes Gehtraining empfohlen, um ihre Fitness und Lebensqualität zu steigern. Täglich sollten betroffene Personen mindestens 60 Minuten trainieren und dabei immer 5 bis 15 Minuten am Stück gehen, bis sie Schmerzen verspüren.

Behandlung bei Gefäßverschlüssen

In fortgeschrittenen PAVK-Stadien ist die Durchblutung in den Beinen deutlich eingeschränkt. Es können sich verstärkt offene Wunden und Geschwüre entwickeln, die ärztlich versorgt werden müssen. Zusätzlich kommen möglicherweise Schmerzmittel sowie Medikamente gegen auftretende Infektionen zum Einsatz.

Bei Menschen mit fortgeschrittener PAVK können operative Eingriffe die Durchblutung der Beine verbessern, vor allem, wenn die Lebensqualität schon stark eingeschränkt ist. Dazu können Behandelnde zum Beispiel einen Katheter, also einen sehr dünnen Schlauch, bis zur Gefäßengstelle vorschieben und dort einen kleinen Ballon entfalten, der das Gefäß weitet und vor Ort Medikamente abgibt. Ein Stent, ein feines Drahtgitter aus Metall, stabilisiert im Anschluss das geweitete Blutgefäß und hält es offen.

In einigen Fällen legen Operierende auch einen Bypass: Im Rahmen einer Operation entnehmen sie an anderer Stelle im Körper ein gesundes Blutgefäß und legen mit dessen Hilfe eine Art “Umleitung”, die die Engstelle des beschädigten Blutgefäßes umgeht.

Quellen:

Aboyans, V. et al.: 2017 ESC Guidelines on the Diagnosis and Treatment of Peripheral Arterial Diseases, in collaboration with the European Society for Vascular Surgery (ESVS): Document covering atherosclerotic disease of extracranial carotid and vertebral, mesenteric, renal, upper and lower extremity arteries. Endorsed by: the European Stroke Organization (ESO), The Task Force for the Diagnosis and Treatment of Peripheral Arterial Diseases of the European Society of Cardiology (ESC) and of the European Society for Vascular Surgery (ESVS). In: Eur Heart J, 2018, 39: 763-816
Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin: S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. 2015 (Gültigkeit abgelaufen, in Überarbeitung)
Gerhard-Herman, M. D. et al.: 2016 AHA/ACC Guideline on the Management of Patients With Lower Extremity Peripheral Artery Disease: Executive Summary: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Clinical Practice Guidelines. In: Circulation, 2017, 135: e 686-e725
Kvitkina, T. et al.: Follow-up von Menschen mit diabetischem Fußsyndrom sowie Trends von Amputationen in Deutschland und international. In: Diabetologie, 2023, 19: 571-578
Morbach, S. et al.: Diabetic foot syndrome. In: Exp Clin Endocrinol Diabetes, 2021, 129: S82-S90
Pahwa, R. et al.: Atherosclerosis. In: StatPearls [Internet], 2023 (Letzter Abruf: 07.05.2024)
Stand: 07.05.2024