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LADA – der spät auftretende Diabetes Typ 1

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Julia Szendrödi

Der Begriff LADA beschreibt eine besondere Diabetesform: den verzögert einsetzenden, autoimmun-bedingten Diabetes beim Erwachsenen. Die Abkürzung LADA steht für die englische Bezeichnung „Late onset (oder auch: latent) autoimmune diabetes in adults“.

Häufig erhalten Patientinnen und Patienten mit LADA-Diabetes anfangs die Diagnose Typ-2-Diabetes. Das Krankheitsbild wird dann nach und nach dem Typ-1-Diabetes immer ähnlicher. Betroffene Personen sind meist älter als 30 Jahre. Wird bei Laboruntersuchungen mindestens ein Antikörper gegen körpereigene Strukturen der Bauchspeicheldrüse (Autoantikörper) im Blut nachgewiesen, stellt die Ärztin oder der Arzt die Diagnose LADA-Diabetes – zum Teil erst Jahre nach der Diabetes-Erstdiagnose.

In den ersten 6 Monaten ist häufig noch keine Insulintherapie notwendig. Wird die Diagnose LADA-Diabetes vor dem 45. Lebensjahr gestellt, wird bei 7 von 10 Personen eine Behandlung mit Insulin erforderlich. Aber auch antidiabetische Medikamente oder eine Anpassung des Lebensstils können als Therapie ausreichen.

LADA – eine Diabetes-Mischform oder Doppeldiabetes?

Typ-1- oder Typ-2-Diabetes – in der Regel ist die Zuordnung zu einem dieser Krankheitsbilder relativ eindeutig. Es gibt jedoch auch Patientinnen oder Patienten, bei denen die Diagnose nicht so leichtfällt. Die korrekte Zuordnung ist aber wichtig, um ein mögliches Versagen der Bauchspeicheldrüse rechtzeitig zu bemerken.

Bei LADA-Diabetes handelt es sich um einen Typ-1-Diabetes, der nicht wie gewöhnlich im Kindesalter auftritt, sondern erst im Erwachsenenalter. Allerdings weisen Personen mit dieser Diabetesform auch Anzeichen eines Typ-2-Diabetes auf, sodass sie sich vom klassischen Typ-1-Diabetes unterscheiden.

Personen mit LADA-Diabetes sind meist schlanker als Menschen mit Typ-2-Diabetes, zeigen jedoch auch Hinweise auf ein Metabolisches Syndrom. Dazu zählen zum Beispiel Fettstoffwechselstörungen (Hyperlipidämie, erhöhte Triglyzeride) und Bluthochdruck. Häufiger als Menschen mit einem klassischen Typ-1-Diabetes tragen sie Risikogene für Typ-2-Diabetes in sich.

Trotzdem sprechen Ärztinnen und Ärzte nicht von einer Art „Mischdiabetes“ als neuem Krankheitsbild; offiziell gibt es die Diagnose einer Diabetes-Mischform nicht. Es wird davon ausgegangen, dass es sich um 2 gleichzeitig vorliegende Krankheitsbilder handelt, die sich parallel entwickeln. Die Abläufe im Körper, die zu den jeweiligen Symptomen führen, sind klar voneinander zu trennen und bei der Behandlung zu berücksichtigen.

Gut zu wissen:

Beim klassischen Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die meist im Kindesalter auftritt. Aber auch Erwachsene können an Typ-1-Diabetes erkranken. Weil die Bauchspeicheldrüse bei dieser Diabetesform immer weniger und schließlich kein Insulin mehr produziert, muss das lebenswichtige Hormon nach der Diagnose ein Leben lang gespritzt werden, um den Blutzucker im Normbereich zu halten. Warum Typ-1-Diabetes ausbricht, ist bis heute nicht geklärt.

Typ-2-Diabetes entwickelt sich vorwiegend im Erwachsenenalter, tritt aber zunehmend auch bei jüngeren Personen auf. Hauptursache der Erkrankung ist neben der genetischen Veranlagung ein gesundheitsschädigender Lebensstil. Wenig Bewegung und ungesunde Ernährung führen über viele Jahre dazu, dass der Blutzuckerspiegel steigt. Die erhöhten Blutzuckerwerte können durch eine gesunde Lebensführung, blutzuckersenkende Medikamente oder Insulin behandelt werden.

diabinfo Podcast Diagnose Diabetes Typ 1 im Alter (Prof. Dr. Julia Szendrödi)

Wie wird LADA-Diabetes diagnostiziert?

Patientinnen und Patienten mit LADA-Diabetes sind oft älter als 30 Jahre und weisen spezielle Autoantikörper wie bei Typ-1-Diabetes auf. In der Regel handelt es sich um sogenannte GAD-Antikörper, die sich gegen das Enzym Glutamat-Decarboxylase (GAD) richten.

Die Definition eines LADA-Diabetes bleibt auch heute noch unscharf. Einheitliche Kriterien zur Feststellung der Diabetesform gibt es nicht.

 

Fachleute empfehlen, folgende Parameter zur Diagnose des LADA-Diabetes heranzuziehen:

  • Das Alter bei Beginn der Erkrankung
  • Den Body-Mass-Index (BMI)
  • Autoantikörper gegen das Enzym Glutamat-Decarboxylase (GAD)
  • Den HbA1c als Blutzucker-Langzeitwert und den HOMA-Index (Homeostasis Model Assessment) zum Nachweis einer möglichen Insulinresistenz

LADA-Diabetes als Unterform des Typ-1 Diabetes wird im Erwachsenenalter etwa 3-mal häufiger diagnostiziert als der klassische Typ-1-Diabetes.

Gut zu wissen:

Liegen im Blut bestimmte Autoantikörper vor – wie beim Typ-1- oder LADA-Diabetes – ist dies ein Zeichen dafür, dass die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse vom eigenen Immunsystem zerstört werden. Die Ursache für diese falsche Reaktion des Körpers ist bisher nicht geklärt.

Die Autoantikörper führen dazu, dass immer weniger Insulin produziert wird. Ohne das Hormon kann der Körper den Zucker nicht aus dem Blut in die Zellen aufnehmen und verwerten. Der Blutzuckerspiegel steigt. 

Wie wird LADA-Diabetes behandelt?

Im Vordergrund der Behandlung steht eine gute Blutzuckereinstellung. Dabei kommen je nach Krankheitsstadium und -verlauf antidiabetische Medikamente oder eine Insulintherapie in Frage. Auch eine gesunde Lebensführung und eine Gewichtsabnahme bei bestehendem Übergewicht können zur Behandlung beitragen.

Ist die Konzentration der GAD-Antikörper relativ niedrig und liegen keine weiteren Insel-Autoantikörper vor, deutet dies darauf hin, dass die Bauchspeicheldrüse weiterhin genügend Insulin herstellt. Um dies zu beurteilen, kann die Ärztin oder der Arzt den Wert für das C-Peptid im Blut messen. Bei noch ausreichender Insulinproduktion genügt es, den Blutzuckerspiegel regelmäßig zu kontrollieren.

 

Antidiabetische Medikamente

Falls notwendig können antidiabetische Medikamente eingenommen werden. GLP-1-Rezeptoragonisten (Glutide) können helfen, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren und eine Gewichtszunahme zu vermeiden. GLP-1-Rezeptoragonisten ahmen die Wirkung des Darmhormons GLP-1 (engl.: Glucagon-like Peptide-1) nach. Das Hormon GLP-1 steuert die Insulinausschüttung nach den Mahlzeiten. Auch DPP-4 (Dipeptidylpeptidase-4)-Hemmer (Gliptine) kommen als medikamentöse Therapie bei LADA-Diabetes in Betracht.

Auch andere blutzuckersenkende Medikamente, wie zum Beispiel Metformin, welches die Insulinwirkung verbessert, können bei LADA eingesetzt werden, so lange die Insulinproduktion ausreichend ist. Solche Medikamente können dazu beitragen, dass die Betazellfunktion länger aufrechterhalten bleibt. Patientinnen und Patienten mit LADA sind meist insulinresistenter als Patienten mit klassischem Typ-1-Diabetes und profitieren daher auch von sportlichen Aktivitäten und Gewichtsabnahme zur Verbesserung der Insulinsensitivität.  Forschungsansätze einer frühen „Impfung“ mit Aluminium-gebundenem GAD (Glutamat-Decarboxylase), das unter die Haut gespritzt wird, erbrachten keinen positiven Effekt.

Weitere Informationen zu blutzuckersenkenden Medikamenten finden Sie hier.

 

Insulintherapie

Oft ist bei LADA-Diabetes eine Insulintherapie in den ersten 6 Monaten oder länger nach der Diagnose noch nicht notwendig. Ob Patientinnen und Patienten bei einem positiven Antikörper-Befund gegen das Enzym Glutamat-Decarboxylase (GAD) früher oder später eine Insulintherapie benötigen, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Im Allgemeinen benötigen jüngere, schlankere Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) unter 25 kg/m2, einem höheren Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c) sowie einer bestimmten genetischen Hochrisiko-Komponente früher Insulin. Zudem spielen die Höhe der GAD-Antikörper-Konzentration, das Vorliegen weiterer Autoimmunmarker und das Ausmaß der noch vorhandenen körpereigenen Insulinausschüttung eine Rolle.

Im Durchschnitt beginnen 70 Prozent der Menschen mit LADA-Diabetes, die jünger sind als 45 Jahre, innerhalb von 6 Jahren nach der Diagnose mit einer Insulintherapie. Sind die Patientinnen oder Patienten älter als 45 Jahre, werden im Schnitt nur noch 40 Prozent von ihnen insulinpflichtig.

Weitere Informationen zur Insulintherapie bei Diabetes finden Sie hier.

Vorsicht

Wenn Insulin notwendig wird, kann dies sehr plötzlich auftreten. Der Insulinmangel äußert sich in einer starken Überzuckerung. Wird zu spät gehandelt, besteht die Gefahr einer lebensbedrohlichen diabetischen Ketoazidose.

Symptome einer starken Überzuckerung sind zum Beispiel:

  • Durst
  • Häufiges Wasserlassen
  • Gewichtsverlust
  • Müdigkeit

Bei diesen Symptomen sollte schnellstmöglich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt informiert werden.

Lebensstil

Auch eine Anpassung des Lebensstils mit Gewichtskontrolle, regelmäßiger körperlicher Bewegung, Rauchstopp und gesunder Ernährung ist wichtig für das Diabetes-Management.

Menschen mit Diabetes brauchen keine spezielle Ernährung oder besondere Lebensmittel. Stattdessen eignet sich eine ausgewogene, vollwertige Mischkost, die nährstoff- und ballaststoffreich ist und möglichst wenige verarbeitete Lebensmittel enthält. Sehr energiereiche Lebensmittel mit zugesetzten Zuckern sowie stark-verarbeitete Getreideprodukte sollten möglichst vermieden werden.

Weitere Informationen zur Ernährung finden Sie hier.

Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf das Körpergewicht aus und reduziert das Risiko für diabetesbedingte Folgeerkrankungen. Auch der HbA1c-Wert kann durch regelmäßige Bewegung gesenkt werden. Liegt eine Insulinresistenz vor, verbessert körperliche Aktivität die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen. Dadurch kann mehr Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen aufgenommen werden. Der Blutzuckerspiegel sinkt.

Weitere Informationen zur Bewegung finden Sie hier.

Schwangerschaft bei LADA-Diabetes

Frauen mit Diabetes, egal welcher Form, können in der Regel uneingeschränkt schwanger werden. Allerdings ist eine Schwangerschaft gut zu planen. Bereits vor der Empfängnis, das heißt bevor die Befruchtung der Eizelle stattfindet, ist auf eine möglichst gute Einstellung der Blutzuckerwerte zu achten. Ist eine Schwangerschaft eingetreten, sollte die Patientin mit Diabetes engmaschig kontrolliert und durch eine Diabetologin beziehungsweise einen Diabetologen mitversorgt werden. Wenn die Patientin mit Insulin behandelt wird, kann es notwendig sein, die Insulindosen im Verlauf der Schwangerschaft anzupassen. Dies liegt daran, dass sich mit Fortschreiten der Schwangerschaft die Insulinresistenz verstärkt. Auch die Zielwerte für den Blutzucker sind während der Schwangerschaft anders.

Weitere Informationen zur Schwangerschaft bei Diabetes finden Sie hier.

Quellen:

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Stand: 16.01.2023