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Nachhaltig und gesund leben

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Baptist Gallwitz

Ein nachhaltiger Lebensstil mit regelmäßiger körperlicher Bewegung und einer regionalen und saisonalen, pflanzenbetonten Kost ist das beste Mittel, um Typ-2-Diabetes vorzubeugen – und schützt gleichzeitig Klima und Umwelt.

Welche Maßnahmen am effektivsten sind, um den eigenen CO2-Fußabdruck zu senken, zeigen die Big Points für einen nachhaltigen Konsum des Kompetenzzentrums für nachhaltigen Konsum. Mit dabei: „pflanzenbetonte Ernährung“ und „weniger Auto fahren“.

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Was versteht man unter einem nachhaltigen Lebensstil?

„So leben, dass heute und zukünftig alle Menschen so leben können wie ich.“ – Das ist der Grundgedanke eines nachhaltigen Lebensstils. Zentrale Ziele sind dabei unter anderen den Klimawandel zu entschleunigen, Ressourcen zu erhalten und die Grenzen der Belastbarkeit der Erde zu beachten.

Ein guter Indikator für die Nachhaltigkeit des eigenen Lebensstils und die ökologischen Auswirkungen auf das Klima ist der CO2-Fußabdruck. Darunter versteht man die Menge an Kohlenstoffdioxid-Emissionen, die aufgrund der Aktivität eines Menschen verursacht werden. Er setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen.

In Deutschland beträgt der CO2-Fußabdruck im Schnitt pro Kopf und Jahr 10,8 Tonnen. Damit liegt er deutlich über dem Weltdurchschnitt, der bei 6,5 Tonnen liegt! Um das im Pariser Klimaabkommen 2015 von der Weltgemeinschaft vereinbarte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, ist eine Reduzierung des CO2-Fußabdrucks auf unter 1 Tonne pro Kopf notwendig. Dies würde dazu beitragen, die globale Erderwärmung bis zum Jahr 2100 möglichst nicht über 1,5 Grad und auf alle Fälle unter 2 Grad gegenüber dem Beginn der Industrialisierung zu begrenzen.

Was hat ein nachhaltiger Lebensstil mit der Gesundheit und Diabetes zu tun?

Sehr viel. Schließlich geht es bei einem nachhaltigen Lebensstil darum, die Erde so zu schützen, dass sie für Menschen lebenswert und bewohnbar bleibt. Und das betrifft die Gesundheit direkt. Große Bedeutung kommt dabei der Erderwärmung zu. Zu diesem Schluss kommt der Lancet Countdown, ein internationales Kollaborationsprojekt, das die Gesundheitsfolgen des Klimawandels unabhängig beurteilt: Laut dem Gremium wird der Klimawandel das entscheidende Kriterium für die menschliche Gesundheit werden.

Was einen nachhaltigen Lebensstil angeht, gilt: Der Großteil unserer Tätigkeiten zum Umwelt- und Klimaschutz kommt auch der Gesundheit zugute.

In den Bereichen Bewegung und Ernährung verlaufen die fachlichen Empfehlungen für Gesundheit und Nachhaltigkeit sogar parallel: Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger körperlicher Bewegung und saisonalen und regionalen Nahrungsmitteln ist nicht nur die beste Art, um einer Insulinresistenz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht vorzubeugen – er schützt gleichzeitig Klima und Umwelt.

Gut zu wissen:

Das Informationsportal www.klima-mensch-gesundheit.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet qualitätsgeprüfte und unabhängige Informationen zum Thema Klimawandel, Hitze und Gesundheit.

Bewegung schützt Klima und fördert die Gesundheit

Wer beispielsweise in der Stadt das Auto so oft wie möglich stehen lässt und auf das Rad umsteigt oder zu Fuß geht, um Treibhausgase, Feinstaub und Stickoxide zu reduzieren, sorgt nebenbei für mehr Bewegung. Das beugt Herz-Kreislauf-, psychischen und weiteren Erkrankungen sowie auch Übergewicht vor – und damit der Entstehung von Typ-2-Diabetes. Denn Bewegung senkt den Blutzuckerspiegel und steigert die Sensitivität der Körperzellen für Insulin. Da dieser Effekt aber nur kurzfristig anhält, ist es besonders wichtig, sich regelmäßig zu bewegen und möglichst viel Bewegung in den Alltag zu integrieren.

Hier erfahren Sie mehr darüber, wie Sie mit Bewegung der Entstehung von Typ-2-Diabetes vorbeugen können.

Gut zu wissen:

Das Hormon Insulin ist notwendig, damit Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Körperzellen gelangt. Bei Menschen mit einer Insulinresistenz reagieren die Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin, weshalb der Blutzuckerspiegel steigt. Übergewicht, Fehlernährung und Bewegungsmangel erhöhen das Risiko für eine Insulinresistenz. Daraus kann ein Typ-2-Diabetes entstehen.

Auch Personen mit Typ-1-Diabetes können bei einem ungünstigen Gesundheitsverhalten eine Insulinresistenz entwickeln. Dadurch wird – ähnlich wie beim Typ-2-Diabetes – immer mehr Insulin benötigt, um die Blutzuckerwerte im Normbereich zu halten. Umgangssprachlich ist dann die Rede von einem „Doppeldiabetes“.

Ernährung: Gesund und nachhaltig

In vielen Teilen der Welt herrscht Unterernährung. Zudem zeigen wissenschaftliche Berechnungen, dass das derzeitige energieintensive Nahrungsmittelsystem in den westlichen Ländern nicht nur für ein Viertel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, sondern auch der Gesundheit schadet. Es verleitet der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zufolge zu einem Überkonsum von verarbeiteten, hochkalorischen und tierischen Produkten mit viel Salz, Zucker und gesättigten Fetten. All dies sind Faktoren, die zur Entstehung von Typ-2-Diabetes, Übergewicht, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen.

Um diese vielfältigen Probleme zu lösen, hat die EAT-Lancet-Kommission, ein internationales Netzwerk aus Ernährungs-, Agrar- und Geowissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, die planetare Gesundheitsdiät (Planetary Health Diet) entwickelt. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) empfiehlt, sich an diesem Ernährungskonzept zu orientieren.

Es sieht vor, den Konsum von Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst und Nüssen etwa zu verdoppeln, den Verzehr von Fleisch und Zucker dagegen zu halbieren. Weiter gilt es, die Lebensmittelproduktion zu verbessern und Lebensmittelabfälle zu reduzieren.

Die Umsetzung der planetaren Gesundheitsdiät kann so aussehen:

  • Pro Woche 1 bis 2 Eier sowie
  • je ein Stück Fleisch und Fisch und
  • pro Tag nicht mehr als 250 Gramm Milch und Milchprodukte.
  • Der Rest sollte sich vor allem aus Gemüse, Obst und Getreide zusammensetzen.

Zudem sollte beim Kauf auf die Herkunft geachtet werden. Besonders nachhaltig sind möglichst unverpackte frische Produkte aus der Region ohne weite Transportwege, die nicht in beheizten Treibhäusern angebaut wurden.

Hier erfahren Sie, wie eine gesunde Ernährung mit einer ausgewogenen Mischkost aussieht.

Schon gewusst?

Die CO2-Fußabdrücke von Gerichten unterscheiden sich stark, wenn man bestimmte Lebensmittel austauscht. Hier ein Beispiel:

  • Rinderfrikadelle mit Reis und frischen Erbsen: 2,0 Kilogramm CO2e*
  • Veggiburger auf Sojabasis mit Reis und frischen Erbsen: 1,0 Kilogramm CO2e*

Weitere CO2-Fußabdrücke von Lebensmitteln und Gerichten finden Sie hier.
 

*CO2e: Die Abkürzung CO2e steht für CO2-Äquivalente. Das bedeutet, dass neben CO2 auch der Effekt weiterer Treibhausgase mit in die Berechnung einbezogen wurde.

Was kann ich für Klima, Umwelt und Gesundheit tun?

Wichtig ist, den eigenen CO2-Fußabdruck zu senken. Dazu gibt es im Alltag viele Möglichkeiten. Doch welche Maßnahmen sind am effektivsten?

Einen Anhaltspunkt geben die Big Points des Kompetenzzentrums für nachhaltigen Konsum. Es hat 7 Maßnahmen identifiziert, mit denen sich der durchschnittliche CO2-Fußabdruck pro Person und Jahr von 10,8 Tonnen um die Hälfte reduzieren lässt. Diese Maßnahmen sind:

 

  1. Sparduschkopf
    Ein Sparduschkopf reduziert den Wasserverbrauch beim Duschen um knapp die Hälfte und spart damit auch die Energie zum Erwärmen des Wassers. Das Anbringen dauert etwa 10 Minuten und der Spareffekt setzt bei jeder Dusche ein. Damit verkleinert der Sparduschkopf nicht nur den eigenen Fußabdruck, sondern auch den der anderen Personen im Haushalt.
     
  2. Flugverzicht
    Ein Flug von Frankfurt nach Barcelona und zurück verursacht knapp eine halbe Tonne CO2. Schon ein kurzer Wochenendtrip kann so auch einen kleinen Fußabdruck maßgeblich vergrößern. Flugreisen gehören deshalb bei der Halbierung des Fußabdrucks unbedingt auf den Prüfstand: Denn Flugverzicht ist ein Big Point.
     
  3. Gedämmter Wohnraum
    Eine gute Dämmung im Haus verringert den Energieverbrauch beim Heizen und spart schnell eine halbe Tonne und mehr CO2 pro Person und Jahr. Der große Hebel liegt in der Gebäudehülle, jedoch können auch kleinere Maßnahmen in der Wohnung Energie einsparen.
     
  4. Pflanzenbetonte Ernährung
    Eine vegetarische oder sogar vegane Ernährung vermeidet bis zu einer Tonne an Treibhausgasen. Wer sich (umwelt-)bewusst ernährt, entscheidet sich zudem oft auch für saisonale, regionale und Bio-Lebensmittel, die ebenfalls CO2-ärmer sind.
     
  5. Ökostrom
    Der Wechsel zu Ökostrom geht schnell, ist einfach und spart durchschnittlich über eine halbe Tonne CO2 pro Person. Wichtig ist, bei der Wahl eines Ökostromtarifs auf gelabelte Produkte zurückzugreifen. Das Grüner-Strom-Label sowie das ok power-Label garantieren, dass durch den Ökostrombezug Neuanlagen gefördert werden.
     
  6. Weniger Auto fahren
    Wer für die täglichen Wege kein Auto nutzt, setzt einen Big Point um. Denn gerade bei häufigen Strecken summieren sich die Autokilometer übers Jahr, zum Beispiel beim Arbeitsweg oder dem Weg zur Kita. Einmalige Fahrten, etwa im Urlaub, für Ausflüge oder Transporte, fallen zusammengenommen nicht so stark ins Gewicht. Für sie bietet sich alternativ zum eigenen Auto Carsharing an – denn wer kein Auto besitzt, kommt auch nicht in Versuchung, es allzu oft zu nutzen.
     
  7. Bewusster Konsum
    Je geringer das Konsumniveau, desto kleiner der Fußabdruck. Um weniger zu konsumieren, gibt es viele Ansätze: Nutzungsdauer ausreizen, reparieren, gebraucht kaufen, leihen – vor allem: weniger neu kaufen und nutzen, was da ist. Auch Geld anzulegen und zu sparen, hält davon ab, es für Konsumgüter auszugeben. Privates Vermögen in grünen Geldanlagen oder Girokonten leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Zusammen genommen ergeben diese Aktionen den Big Point „Bewusster Konsum“.

Gut zu wissen:

Wie hoch ist Ihr CO2-Fußabdruck? Hier geht es zum CO₂-Rechner des Umweltbundesamtes.

Was bedeutet der Klimawandel für Menschen mit Diabetes?

Sich mit dem Klimawandel zu beschäftigen und zu wissen, wie der Körper beispielsweise auf andauernde Hitze reagiert, ist für Menschen mit Diabetes besonders wichtig. Denn die im Zusammenhang mit der Erderwärmung zu erwartende Zunahme an Hitzeperioden kann für sie problematischer sein als für stoffwechselgesunde Menschen. Das gilt besonders im höheren Alter. Lesen Sie hier mehr über die verminderte Hitzeverträglichkeit von Personen mit Diabetes.

 

Lesen Sie außerdem beim Allergieinformationsdienst, wie der Klimawandel mit Heuschnupfen und Pollenflug zusammenhängt.

Quellen:

Aachener Stiftung Kathy Beys: Lexikon der Nachhaltigkeit. (Letzter Abruf: 26.04.2022)
Bundeszentrum für Ernährung: Mein Essen – unser Klima. Einfache Tipps zum Klimaschutz. 4. Auflage. 2019
Bundeszentrum für Ernährung: Planetary Health Diet. Speiseplan für eine gesunde und nachhaltige Ernährung. (Letzter Abruf: 26.04.2022)
Bundesministerium für Bildung und Forschung: Was ist BNE? (Letzter Abruf: 26.04.2022)
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Nachhaltigkeit (nachhaltige Entwicklung). (Letzter Abruf: 26.04.2022)
Climate Watch: Historical GHG Emissions. (Letzter Abruf: 26.04.2022)
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung. Sonderheft 03. 2016
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Neue Broschüre „Menschen in Bewegung bringen“. Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung in Kurzform. (Letzter Abruf: 26.04.2022)
Bundeszentrum für Ernährung: Ernährung und Klimaschutz. (Letzter Abruf: 26.04.2022)
Deutsche Diabetes Gesellschaft: „Diabetes-Prävention und Klimaschutz sind zwei Seiten einer Medaille“. (Letzter Abruf: 26.04.2022)
Die Bundesregierung: Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie. Weiterentwicklung 2021
Reinhardt, G. et al.: Ökologische Fußabdrücke von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland. Heidelberg. 2020
Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum: Mit Big Points den Fußabdruck halbieren. (Letzter Abruf: 26.04.2022)
The EAT-Lancet Commission on Food, Planet, Health: The Planetary Health Diet. (Letzter Abruf: 26.04.2022)
The Lancet Countdown on Health and Climate Change: Policy Brief für Deutschland 2020. 2020
Watts, N. et al.: The 2020 report of The Lancet Countdown on health and climate change: responding to converging crises. In: Lancet, 2020, 9: 129-170
Romanello, M. et al.: Der Lancet Countdown Jahresbericht 2021 zu Gesundheit und Klimawandel: Alarmstufe Rot für eine gesunde Zukunft. 2021
Zilbermint, M.: Diabetes and climate change. In: J Community Hosp Intern Med Perspect, 2020, 10: 409-412
Stand: 08.08.2022