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Welche Folgen kann Schwangerschaftsdiabetes für die Mutter haben?

Wissenschaftliche Unterstützung: PD Dr. Sandra Hummel

Auch wenn die Schwangerschaft bei den meisten Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes normal verläuft, werden sie als Risikoschwangere eingestuft. Ein Schwangerschaftsdiabetes kann sowohl zu akuten Folgen wie Infektionen der Harnwege, als auch zu Langzeitfolgen wie Typ-2-Diabetes führen.

Um die Risiken eines Schwangerschaftsdiabetes zu verringern, können regelmäßige Blutzuckerkontrollen, eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung helfen. Auch das Stillen des Kindes kann sich positiv auf die langfristige Gesundheit der Mutter auswirken.

Welche akuten Folgen kann Schwangerschaftsdiabetes für die Mutter haben?

Die meisten Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes erleben eine normal verlaufende Schwangerschaft. Wenn der Blutzucker jedoch dauerhaft zu hoch ist, kann es bereits während der Schwangerschaft zu gesundheitlichen Risiken kommen.

Zu den Risiken, die während der Schwangerschaft bei der werdenden Mutter auftreten können, zählen:

  • Harnwegsinfektionen und Infektionen der Vagina
  • Vorzeitige Wehen, die das Risiko für eine Frühgeburt erhöhen
  • Bluthochdruck, der manchmal von vermehrter Eiweißausscheidung im Urin begleitet wird (Präeklampsie)
  • Kaiserschnittentbindung oder Geburtsverletzungen durch das erhöhte Geburtsgewicht des Kindes

Gut zu wissen:

Viele Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben in der Regel eine normal verlaufende Schwangerschaft. Bei dauerhaft zu hohen Blutzuckerwerten können jedoch akute und langfristige Folgen für die Mutter und das Kind entstehen.

Welche Langzeitfolgen kann Schwangerschaftsdiabetes für die Mutter haben?

In der Regel verschwindet die Stoffwechselstörung nach der Geburt des Kindes wieder. Dennoch können verschiedene Langzeitfolgen für die Mutter auftreten.

Typ-2-Diabetes: Das Langzeitrisiko für einen chronischen Typ-2-Diabetes ist bei Schwangerschaftsdiabetes besonders hoch. Im europäischen Raum erkranken im ersten Jahr nach der Geburt etwa 20 von 100 Frauen, die einen Schwangerschaftsdiabetes hatten. In den folgenden 10 Jahren entwickeln 30 bis 60 von 100 Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes einen Typ-2-Diabetes.

Ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes haben vor allem Frauen, die

  • während der Schwangerschaft Insulin spritzen mussten
  • bereits vor der Schwangerschaft starkes Übergewicht (Adipositas) hatten
  • asiatischer Abstammung sind

Auch die familiäre Veranlagung spielt eine Rolle für das persönliche Typ-2-Diabetes-Risiko.

Metabolisches Syndrom: Ein Schwangerschaftsdiabetes kann langfristig auch zum sogenannten Metabolischen Syndrom führen. Davon sprechen Fachleute, wenn von bestimmten Erkrankungen beziehungsweise Symptomen mehrere gemeinsam auftreten.

Zu den Erkrankungen beziehungsweise Symptomen des Metabolischen Syndroms gehören:

  • Übergewicht, insbesondere im Bauchraum
  • erhöhter Blutdruck
  • eine Fettstoffwechselstörung
  • erhöhte Nüchternblutzuckerwerte oder Typ-2-Diabetes

Das Metabolische Syndrom kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall verursachen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: In einer großangelegten Studie mit über 1 Million Mütter beobachteten Forschende ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie beispielsweise Herzinfarkt bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes.

Depressionen: Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben ein höheres Risiko für Depressionen. Welche Risikofaktoren dies beeinflussen, ist noch nicht abschließend geklärt. Es mehren sich die Hinweise, dass die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft und eine Kaiserschnittgeburt das Risiko für eine Depression steigern können.

Wiederholungsrisiko: Frauen, die bereits einen Schwangerschaftsdiabetes hatten, haben ein erhöhtes Risiko diesen auch bei einer weiteren Schwangerschaft zu entwickeln.

Wie kann ein Diabetes Typ 2 nach einem Schwangerschaftsdiabetes verhindert werden?

Frauen mit starkem Übergewicht oder Frauen, die in der Schwangerschaft Insulin spritzen mussten, haben nach der Geburt ihres Kindes das größte Typ-2-Diabetes-Risiko. Oft kann die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes im späteren Leben aber durch einen gesunden Lebensstil verzögert oder ganz verhindert werden.

Wichtig ist:

  • eine ausgewogene Ernährung
  • möglichst viel Bewegung
  • eine Gewichtsnormalisierung

Am besten wird der Lebensstil bereits vor oder in der Schwangerschaft umgestellt und über die Geburt hinaus weitergeführt. Nach der Geburt sollten regelmäßige Blutzuckertests durchgeführt werden.

Gut zu wissen:

Eine ausgewogene Ernährung, angemessene Bewegung während der Schwangerschaft und Stillen nach der Geburt verbessern die Blutzuckerwerte sowie die allgemeine Gesundheit für Mutter und Kind.

Mehr Informationen, wie Sie gesund abnehmen können, lesen Sie in unserem Portal „Diabetes vorbeugen“.

Zudem kann das Stillen des Kindes das spätere Typ-2-Diabetes-Risiko der Mutter positiv beeinflussen. Stillende Mütter mit Schwangerschaftsdiabetes verringern ihr Risiko für Typ-2-Diabetes und das Metabolische Syndrom bis zu 15 Jahre nach der Entbindung deutlich. Fachleute empfehlen eine Stillzeit von mindestens 4 bis 6 Monaten. Beikost für das Neugeborene sollte zusätzlich zum Stillen frühestens ab dem 5. Monat, spätestens ab dem 7. Monat gefüttert werden. Säuglinge sollten möglichst lange weiter gestillt werden.

Wie kann das spätere Risiko für Diabetes Typ 2 eingeschätzt werden?

Ein Forschungsteam hat ein Punktesystem entwickelt, mit dem das Typ-2-Diabetes-Risiko nach einem Schwangerschaftsdiabetes eingeschätzt werden kann.

Faktoren, die dabei berücksichtig werden sind:

  • Body-Mass-Index (BMI) in der frühen Schwangerschaft
  • Insulinbehandlung des Schwangerschaftsdiabetes
  • Familiäre Diabetes-Veranlagung
  • Stillen

Während die ersten 3 Risikofaktoren zum Zeitpunkt der Entbindung feststehen, können betroffene Mütter beim Faktor Stillen aktiv ihr Erkrankungsrisiko senken.

Der genaue Punktestand errechnet sich wie folgt:

5 x BMI (in der frühen Schwangerschaft) + 132 (falls der Schwangerschaftsdiabetes mit Insulin behandelt wurde) + 44 (bei familiärer Diabetes-Veranlagung der Mutter) – 35 (falls die Mutter ihr Kind gestillt hat).

Je höher der Punktestand ist, desto höher ist das Risiko, nach einem Schwangerschaftsdiabetes an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Risikofaktoren, die positiv gewichtet werden wie eine Insulinbehandlung während der Schwangerschaft, erhöhen das Risiko. Risikofaktoren, die negativ gewichtet werden, verringern es (zum Beispiel Stillen).

Bedeutung des Punktesystems:

Punktestand

Risiko, als Frau mit Schwangerschaftsdiabetes innerhalb von 5 Jahren nach der Entbindung an Typ-2-Diabetes zu erkranken

kleiner oder gleich 140

Eher niedriges Risiko: 13 von 100 Frauen erkranken

Zwischen 141 und 220

Mittleres Risiko: 31 von 100 Frauen erkranken

Zwischen 221 und 300

Erhöhtes Risiko: 60 von 100 Frauen erkranken

301 und größer

Sehr hohes Risiko: 90 von 100 Frauen erkranken


Quellen:

Deutsche Diabetes Gesellschaft et al.: S3-Leilinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM) - Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Langfassung. 2. Auflage. 2018
Deutsche Diabetes Gesellschaft et al.: S3-Leilinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM) - Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Patientinnenempfehlung. 2. Auflage. 2018
Köhler, M. et al.: Development of a simple tool to predict postpartum diabetes in women with gestational diabetes mellitus. In: Acta Diabetol, 2016, 53: 433-437
Schäfer-Graf, U. et al.: Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge – Kurzfassung der S3-Leitlinie. In: Diabetologie, 2021, 16: S215-S225
Yu, Y. et al.: Gestational Diabetes Mellitus and the Risks of Overall and Type-Specific Cardiovascular Diseases: A Population- and Sibling-Matched Cohort Study. In: Diabetes Care, 2022, 45: 151-159
Stand: 14.12.2022