Was zahlt die Kasse?

„Vorbeugen ist besser als heilen.“ Diese alte Lebensweisheit hat auch in unserer modernen Zeit nichts an Aktualität verloren. Wer zum Beispiel übergewichtig ist oder bereits eine Diabetesvorstufe (Prädiabetes) hat, kann mit einem gesünderen Lebensstil das Ruder in Richtung Gesundheit herumreißen.

Gesundheitskurse, die Tipps und Anleitungen für einen gesünderen Lebensstil bieten, können dabei hilfreich sein. Meistens geht es um mehr Bewegung, eine ausgewogene Ernährung oder auch eine bessere Stressbewältigung.

Wer mehr für seine Gesundheit tun möchte und Hilfe bei der Krankenversicherung sucht, steht oft vor Fragen wie: „Werde ich finanziell unterstützt?“, „Wo finde ich geeignete Angebote?“ und „Benötige ich eine ärztliche Verordnung, um Förderleistungen zu erhalten?".

Präventionsgesetz, um Gesundheit zu fördern und Krankheiten vorzubeugen

Die Themen Gesundheitsförderung und Prävention bekommen in Deutschland einen zunehmenden Stellenwert. Seit Juli 2015 gibt es bei uns daher ein Präventionsgesetz (PrävG). Das Wort Prävention kommt aus dem Lateinischen und ist gleichbedeutend mit Vorbeugung. Das Gesetz zielt auf die Verbesserung von Maßnahmen in den Bereichen Gesundheitsförderung, Vorbeugung gegen Krankheiten und Früherkennung von Krankheiten. Im Zuge des PrävG wurden die gesetzlichen Krankenversicherungen verpflichtet, die Präventionsangebote für ihre Versicherten auszuweiten.

Gut zu wissen:

Neben den Präventionsangeboten der Krankenkassen finanziert die Deutsche Renten-versicherung die Präventionsmaßnahme „RV Fit“. Das Angebot für Berufstätige enthält Elemente zu Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung. Hier finden Sie weitere Informationen zum Programm.

Heutzutage hat jede oder jeder gesetzlich Krankenversicherte ein Recht auf bestimmte kostenlose Vorsorgeuntersuchungen. Auch die meisten privaten Krankenversicherer haben sich diesen Bestimmungen angeschlossen. Beispielsweise wird bei Frauen und Männern ab dem Alter von 35 Jahren alle 3 Jahre ein allgemeiner Gesundheits-Check-up von der Kasse übernommen. Dazu gehören eine Ganzkörperuntersuchung mit Blutdruckmessung, Blutentnahmen zur Ermittlung der Blutzucker- und Cholesterinwerte, eine Urinuntersuchung und ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt.

Auf welche Tests Mitglieder einer gesetzlichen Krankenversicherung Anspruch haben, erfahren Sie in dieser Liste der Früherkennungsuntersuchungen.

Bereitschaft zur gesunden Lebensweise wird unterstützt

Krankenversicherungen haben die Möglichkeit, ihre Mitglieder für gesundheitsbewusstes Verhalten zu belohnen und dabei zu unterstützen. Das wird je nach Versicherer auf unterschiedliche Art und Weise umgesetzt. Die Kassen setzen dabei beispielsweise auf Bonusprogramme, finanzielle Zuschüsse, Gesundheitskurse, Fitness-Tracker und Gesundheits-Apps für Smartphones.

Gesetzliche Krankenversicherer bieten eigene Gesundheitskurse an oder bezuschussen zertifizierte Kurse. Die Themenpalette ist groß und reicht von Ernährungsberatung über Herz-Kreislauf-Training, Nordic-Walking und Aqua-Jogging bis hin zu autogenem Training, Yoga, Tai Chi, Qigong und vielem mehr. In Einzelfällen gewähren Krankenkassen ihren Versicherten auch Zuschüsse für Kurse als Kompaktveranstaltungen während des Urlaubs.

Grundsätzlich gilt: Wer aktiv werden möchte, sollte sich im Vorfeld bei seiner Krankenversicherung erkundigen, welche Angebote es gibt und was in welchem Umfang finanziell bezuschusst oder sogar komplett übernommen wird.

Bei den Gesundheitskursen, die angeboten oder bezuschusst werden, kann es um 4 Themenbereiche gehen. Dazu gehören:

  • Kurse zur Ernährung: Die Teilnehmenden werden zu einer ausgewogenen, möglichst gesunden Ernährung motiviert und beraten. Ziel ist auch die Verringerung von Übergewicht.
  • Kurse zu Bewegungsgewohnheiten: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden angeleitet, wie sie einem Bewegungsmangel entgegenwirken. Es geht darum, die körperliche Ausdauer und Fitness zu steigern.
  • Kurse zum Stressmanagement: Es werden Methoden vermittelt, um mit belastendem Stress besser umgehen zu können und die Entspannung zu fördern.
  • Kurse zu Suchtproblemen: Es werden Wege aufgezeigt, um den Zigarettenkonsum zu reduzieren und gesundheitsgerecht mit Alkohol umzugehen.

Ein Kurs umfasst in der Regel 8 bis 12 Sitzungen, die auf mehrere Wochen verteilt sind.

Um eine Unterstützung für Gesundheitskurse zu erhalten, müssen diese entweder vom Krankenversicherer direkt angeboten werden oder aber zertifiziert sein. Zertifiziert bedeutet, dass der Kurs bestimmten vorgeschrieben Anforderungen genügt. Die Anforderungen sind im „GKV-Leitfaden Prävention“ festgelegt (Qualitätsvorgaben des GKV für § 20 SGB V), auf den sich alle gesetzlichen Krankenkassen geeinigt haben. Danach muss das Kurskonzept evaluiert und erprobt sein, der Kurs muss von einer professionellen Trainerin oder einem professionellen Trainer geleitet werden und der Kurs muss in Gruppen stattfinden. Eine Unterstützung für „Einzelunterricht“ gibt es nicht.

Die meisten Krankenkassen haben die „Zentrale Prüfstelle Prävention“ mit der Prüfung der genannten Kriterien beauftragt. Hier lassen sich externe Kurs-Anbieter zertifizieren, damit Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Zuschuss für die Kursgebühr bei ihrem Krankenversicherer beantragen können.

Versicherte können sich über die Website oder Telefonauskunft ihrer Krankenkassen nach zertifizierten Kursen erkundigen.

Die gesetzlichen Krankenkassen müssen einen Präventionsauftrag erfüllen. Dieser sieht vor, Krankheitsvorsorge und Gesundheitsförderung zu ermöglichen. Die gesetzlichen Krankenversicherungen sind daher verpflichtet, Gesundheitskurse oder finanzielle Zuschüsse für entsprechend zertifizierte Kurse vorzuhalten. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass die Krankenkassen in einem Jahr bis zu 2 Gesundheitsangebote oder Präventionsangebote pro Versichertem bezuschussen.

Darüber hinaus gibt es für die Versicherten keinen gesetzlich garantierten Anspruch auf Förderleistungen. Jede Krankenversicherung hat ihre eigenen Regeln und kann selbst entscheiden, in welchem weiteren Umfang sie bei ihr versicherte Personen bei der Gesundheitsförderung und Prävention unterstützt.

Die privaten Krankenversicherungen müssen im Gegensatz zu den gesetzlichen Krankenkassen keinen Präventionsauftrag erfüllen. Trotzdem kann es sich lohnen, nachzufragen: Auch manche privaten Krankenversicherer übernehmen Kosten für Gesundheitskurse.

Präventionsempfehlung vom Arzt

Seit Januar 2017 können Ärztinnen und Ärzte ihren Patientinnen und Patienten eine schriftliche Präventionsempfehlung für die Teilnahme an Gesundheitskursen ausstellen. Ziel ist es, verhaltensbezogene Risiken für bestimmte Erkrankungen zu verringern.

Die ärztliche Bescheinigung wird der Krankenkasse beim Antrag auf einen Gesundheitskurs (zum Beispiel Sportkurs oder Ernährungsberatung) vorgelegt. Die Krankenkasse muss die ärztliche Präventionsempfehlung bei ihrer Förderentscheidung berücksichtigen. Allerdings ist die Krankenkasse nicht verpflichtet, in jedem Fall eine Förderleistung zu gewähren. Vorrang für eine Unterstützung sollen laut Gesetzgeber Menschen mit bestimmten Gesundheitsrisiken haben. Dazu gehören auch Übergewicht oder ein Prädiabetes.

Versicherte können aber auch ohne eine ärztliche Präventionsempfehlung Förderleistungen für Gesundheitskurse oder andere verhaltensbezogene Präventionsangebote bei ihrem Krankenversicherer beantragen.

So kann der Ablauf von der Präventionsempfehlung bis hin zur Kostenerstattung aussehen – ein Beispiel:

  • Die Ärztin oder der Arzt stellt eine schriftliche Präventionsempfehlung aus.
  • Der oder die Versicherte reicht die Präventionsempfehlung bei seinem oder ihrem Krankenversicherer ein und beantragt die Teilnahme an einem Gesundheitskurs.
  • Die Krankenversicherung entscheidet über die Förderung. Die gesetzlichen Krankenkassen müssen die Teilnahme an bis zu 2 Gesundheitskursen pro Jahr gewähren oder entsprechende eigene Gesundheitskurse anbieten.
  • Der oder die Versicherte bezahlt die Kursgebühr und lässt sich die Teilnahme am Kurs bescheinigen.
  • Die Teilnahmebescheinigung reicht der Versicherte nach Kursabschluss bei seiner Versicherung ein und erhält dann seinen Zuschuss.

Wo finde ich Angebote in meiner Region?

Die Krankenkassen können zertifizierte Leistungen zur verhaltensbezogenen Prävention bezuschussen oder selbst anbieten. Die Teilnahme an solchen Maßnahmen steht allen gesetzlich Versicherten nach Vollendung des 6. Lebensjahres offen. Viele Krankenkassen informieren die Versicherten über ihre Angebote.

Versicherte können sich bei ihrem Krankenversicherer auch selbst informieren, wo in ihrer Region zertifizierte Kurse stattfinden – zum Beispiel telefonisch oder online über die Homepage des jeweiligen Krankenversicherers.

Gut zu wissen:

Versicherte sollten mit ihrem Krankenversicherer im Vorfeld abklären, welche Förderangebote bereitgehalten werden und wofür es Zuschüsse gibt.

Der GKV-Spitzenverband stellt im Internet Links zu den Kursangeboten der einzelnen Krankenkassen zur Verfügung.

Privat Versicherte sollten sich direkt mit ihrem Versicherer in Verbindung setzen, um Fördermöglichkeiten für Präventionsmaßnahmen in Erfahrung zu bringen.

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Quellen:

Bundesministerium für Gesundheit: Präventionsgesetz. (Letzter Abruf: 18.09.2019)
Bundestag: Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (Präventionsgesetz – PrävG). In: Bundesgesetzblatt, 2015, 31: 1368-1379
Deutsche Rentenversicherung: RV fit - Jetzt Mitmachen! (Letzter Abruf: 17.08.2020)
Euro-Informationen GbR: Gesundheitsförderung – Bonusprogramme. (Letzter Abruf: 17.09.2019)
GKV-Spitzenverband: Kriterien zur Zertifizierung von Kursangeboten in der individuellen verhaltensbezogenen Prävention nach § 20 Abs. 4 Nr. 1 SGB V. 2019 (Letzter Abruf: 17.09.2019)
GKV-Spitzenverband: Präventionsangebote der Krankenkassen. (Letzter Abruf: 18.09.2019)
Kassenärztliche Bundesvereinigung: Gesundheitsvorsorge. (Letzter Abruf: 18.09.2019)
Kassenärztliche Bundesvereinigung:  Präventionsempfehlungen. (Letzter Abruf: 18.09.2019)
Verband der privaten Krankenversicherung: https://www.pkv.de/ (Letzter Abruf: 18.09.2019)
Stand: 30.09.2019