Was ist Schwangerschaftsdiabetes?

Wissenschaftliche Unterstützung: PD Dr. Sandra Hummel

Eine Schwangerschaft bewirkt durch den veränderten Hormonhaushalt starke Veränderungen im Stoffwechsel der Mutter. Diese Veränderungen können sich auch auf den Blutzuckerstoffwechsel auswirken: Dann übersteigt der mütterliche Blutzuckerspiegel dauerhaft bestimmte Werte. In der Folge entsteht ein Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). Ein Schwangerschaftsdiabetes kommt bei knapp 6 Prozent aller Schwangeren vor.

In der Regel kommt es erst in der 2. Hälfte der Schwangerschaft, also zwischen der 24. und 28. Woche, zu dieser Diabetes-Form. Ein unerkannter Schwangerschaftsdiabetes kann zu Risiken bei Mutter und Kind führen. Durch einen Blutzuckersuchtest (Glukosetoleranztest) kann die Erkrankung aber frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Erhöhte Blutzuckerwerte in der Schwangerschaft treten häufiger bei Frauen mit starkem Übergewicht, mit Verwandten mit Typ-2-Diabetes oder einem früheren Schwangerschaftsdiabetes auf.

Häufig normalisiert sich der Blutzuckerspiegel nach der Schwangerschaft wieder und der Diabetes verschwindet. Allerdings erkranken mehr als die Hälfte der Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes nach einigen Jahren an Typ-2-Diabetes. Frauen mit einem bestehenden Diabetes, die schwanger werden, fasst man nicht unter diesem Begriff zusammen.

Hier erfahren Sie mehr über die Entstehung von Schwangerschaftsdiabetes!

Gut zu wissen:

Schwangerschaftsdiabetes ist eine Stoffwechselstörung, die erstmals während der Schwangerschaft diagnostiziert wird. Sie verschwindet danach häufig wieder.

Wie häufig tritt Schwangerschaftsdiabetes auf?

Schwangerschaftsdiabetes zählt zu den häufigsten Komplikationen in der Schwangerschaft. Laut einer Erhebung im Jahr 2017 sind in Deutschland 5,9 Prozent aller Schwangerschaften betroffen. Doch die Dunkelziffer scheint deutlich höher zu liegen. Eine Auswertung von Schwangerschaftsscreenings aller gesetzlichen Krankenkassen aus den Jahren 2014 und 2015 weist auf eine weit höhere Verbreitung des Schwangerschaftsdiabetes hin. Danach wären 13,2 Prozent aller Schwangeren betroffen. Vermutlich liegt die tatsächliche Häufigkeit in der Mitte der beiden Werte.

Weltweit ist die Häufigkeit von Schwangerschaftsdiabetes in den letzten 15 Jahren angestiegen. Besonders gefährdet sind übergewichtige und ältere Schwangere. Beide gibt es immer häufiger. Ferner wurden die Testverfahren verändert und neue Grenzwerte zur Feststellung von Schwangerschaftsdiabetes eingeführt.

Mehr zu den Risikofaktoren für Schwangerschaftsdiabetes finden Sie hier!

Gibt es typische Anzeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes?

In der Regel verläuft die Stoffwechselerkrankung ohne auffällige Symptome. Die typischen Anzeichen von Diabetes (Typ 1 und Typ 2), wie starker Durst und verstärkter Harndrang, fehlen meist.

Andere Symptome, wie Müdigkeit oder Schwäche, werden fälschlicherweise oft als normale Begleiterscheinung der Schwangerschaft gedeutet. Umso wichtiger sind regelmäßige ärztliche Kontrollen. 

Wird Schwangerschaftsdiabetes nicht rechtzeitig behandelt, kann es zu ernsten Folgen für Mutter und Kind kommen. Auf einen Schwangerschaftsdiabetes können unter anderem folgende Anzeichen hinweisen:

  • Erhöhter Blutdruck
  • Gesteigerte Menge an Fruchtwasser
  • Erhöhter Zuckergehalt im Urin
  • Gesteigerte Anfälligkeit für Blasenentzündungen
  • Starke Gewichts- und Größenzunahme des Ungeborenen

Diese Anzeichen reichen aber nicht aus, um einen Schwangerschaftsdiabetes festzustellen. Dazu sind Blutzuckertests nötig.

Quellen:

Deutsche Diabetes Gesellschaft et al.: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2019. Kirchheim Verlag, Mainz, 2019
Deutsche Diabetes Gesellschaft et al.: S3-Leilinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM) - Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Langfassung. 2. Auflage. 2018
Deutsche Diabetes Gesellschaft et al.: S3-Leilinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM) - Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Patientinnenempfehlung. 2. Auflage. 2018
Kleinwechter, H. et al.: Gestationsdiabetes mellitus (GDM) – Diagnostik, Therapie und Nachsorge. In: Diabetologie, 2017, 12: S218–S232
Nationale Diabetes-Surveillance am Robert Koch-Institut: Diabetes in Deutschland – Bericht der Nationalen Diabetes-Surveillance 2019. Robert Koch-Institut, Berlin
Stand: 31.10.2019