Ernährung bei Diabetes

Wissenschaftliche Unterstützung: Theresa Kössler

Wie wirkt sich In­ter­vall­fas­ten auf Dia­be­tes aus? Fördert Gluten die Diabetes-Entstehung und wie ist Zimt einzuschätzen? Hier finden Sie eine Auswahl an häufig gestellten Fragen zum Thema Diabetes und Ernährung, mit denen Ihnen Patientinnen und Patienten in der Praxis möglicherweise begegnen. 

Wie wirkt sich Intervallfasten auf Diabetes aus?

Intervallfasten oder intermittierendes Fasten (IF) ist eine Fastenform, der eine gesundheitsfördernde Wirkung auf den Stoffwechsel zugeschrieben wird. Dabei wird tage- oder stundenweise auf Nahrung verzichtet mit dem Ziel der langfristigen Gewichtsreduktion.

Grundsätzlich gibt es verschiedene Methoden des Intervallfastens: Meist handelt es sich um die 16:8-Variante, bei der über Nacht 16 Stunden gefastet und tagsüber binnen 8 Stunden gegessen wird. Bei der sogenannten 5:2-Methode wird an 5 Tagen normal gegessen, während an 2 Tagen der Woche maximal 500 kcal aufgenommen werden beziehungsweise auf feste, energiehaltige Nahrung verzichtet wird. Beim "Alternate Day Fasting" (10 in 2) erstreckt sich die Fastenperiode gar auf jeden 2.Tag.
Dabei sollte die Fastenperiode nicht durch Nahrungsmittel oder Getränke unterbrochen werden, die den Blutglukosespiegel ansteigen lassen. Längere Essenspausen sorgen dafür, dass die Bauchspeicheldrüse nicht ständig Insulin produziert und der Körper Fettreserven abbauen kann. Dadurch verbessern sich die Blutglukosewerte, das Herz-Kreislauf-System und das Körpergewicht.

Studien deuten darauf hin, dass Intervallfasten bei der Gewichtsreduktion helfen und sich positiv auf die Gesundheit auswirken kann. Allerdings liegen bisher nur wenige Ergebnisse aus klinischen Humanstudien mit einer geringen Probandenzahl zu dieser Fastenform vor (mäßige bis niedrige Evidenz). Diese zum Teil mit ernüchternden Ergebnissen: So konnte in Studien an übergewichtigen und adipösen Probanden nach circa einem Jahr kein maßgeblicher Unterschied bei der Gewichtsreduktion zwischen der 5:2-Methode und einer herkömmlichen Reduktionsdiät beobachtet werden. Auch fehlen wissenschaftliche Erkenntnisse zu möglichen Langzeitfolgen und Studien an Menschen mit Prädiabetes oder bestehender Diabetes-Erkrankung.

Dennoch zeigt sich durch Intervallfasten ein ähnlicher Effekt wie bei herkömmlichen Reduktionsdiäten. Ob und inwieweit Menschen mit verschiedenen Stoffwechselerkrankungen von intermittierenden Fastenperioden profitieren und welche Methode am geeignetsten ist, müssen weitere langfristige, große angelegte Humanstudien klären.

Generell gilt: Um abnehmen zu können, muss mehr Energie verbraucht als aufgenommen werden. Dabei ist es entscheidend, die Ernährung dauerhaft umzustellen und den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.

Wie ist der Unterschied von Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen und ihre Wirkung auf Diabetes?

Süßungsmittel besitzen keine Kalorien und beeinflussen die Blutglukose nicht. Zusätzlich verfügen sie über eine deutlich höhere Süßkraft als Saccharose (Haushaltszucker). Aufgrund ihrer hohen Süßkraft kann man sie jedoch nur in geringen Mengen verwenden, weshalb sie zum Kochen und Backen ungeeignet sind. Einige Süßstoffe stehen zudem immer wieder im Verdacht krebserregend zu sein – Studien konnten diesbezüglich bisher allerdings noch keine eindeutigen Ergebnisse liefern. Ebenfalls wird kontrovers diskutiert, ob Süßstoffe Gewichtsprobleme fördern können. Zu den Süßstoffen zählen beispielsweise Cyclamat, Saccharin, Acesulfam, Aspartam oder Stevia.

Die Süßkraft von Zuckeraustauschstoffen ist dagegen meist niedriger als die von Haushaltszucker und sie sind nicht kalorienfrei. Zuckeraustauschstoffe werden langsamer verstoffwechselt, wodurch sie den Blutglukosespiegel gar nicht oder nur gering beeinflussen. In hohen Mengen können sie allerdings unangenehme gastrointestinale Nebenwirkungen aufweisen. Zu den Zuckeraustauschstoffen zählen beispielsweise Fructose, Sorbit und Xylit.

Ist Fruktose ein Ersatz für andere Zuckerformen bei Diabetes?

Fruktose löst im Vergleich zu Glukose eine geringere Insulinausschüttung aus und könnte demnach theoretisch zur Prävention von Typ-2-Diabetes eingesetzt werden. Allerdings weist Fruktose auch eine Reihe von negativen Wirkungen auf, die dem entgegenstehen, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung in einer Stellungnahme aus dem Jahr 2009 darlegt.

Dazu zählen unter anderem, dass eine erhöhte Fruktose-Aufnahme ungünstige Effekte auf den Stoffwechsel haben und sich im Rahmen der Entstehung des metabolischen Syndroms nachteilig auswirken kann. Auch gibt es Hinweise dafür, dass Fruktose eine geringere Ausschüttung des Hormons Leptin verursacht, welches Sättigungssignale an das Gehirn sendet.

Gut zu wissen:

Im Tiermodell wurde ein Zusammenhang zwischen der Fruktose-Aufnahme und einer Gewichtszunahme (Körperfettzunahme) sowie eine Erhöhung der Blutfettwerte gezeigt.

Weiterhin belegen zahlreiche Studien, dass das Risiko für eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung bei einer hohen Fruktoseaufnahme stark erhöht ist. Dies gilt insbesondere für eine hohe Zufuhr von industriell hergestellter Fruktose, wie konzentriertem Fruktose-Mais-Sirup (High Fructose Corn Syrup, kurz HFCS), welche zahlreichen verarbeiteten Nahrungsmitteln, wie Softgetränken, Süßigkeiten und Fertigprodukten, zugesetzt und in der Leber zu Fett umgewandelt wird.

Aus diesem Grund wird nach gegenwärtigem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse der Verzehr von Fruktose als Zuckerersatz für Menschen mit Diabetes nicht mehr empfohlen.

Wie sind die Zuckerersatzstoffe Stevia und Xylit einzuschätzen?

Steviolglykoside, kurz Stevia, als Süßungsmittel für Lebensmittel sind seit Ende 2011 auf Basis einer Stellungnahme der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in der EU zugelassen. In dieser Stellungnahme wurden auch gesundheitliche Bedenken gegenüber Stevia ausgeräumt.

Auch Xylit ist EU-weit zugelassen und wurde vom Bundesinstitut für Risikobewertung (wie auch Stevia) als gesundheitlich unbedenklich beurteilt.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft weist darauf hin, dass das Süßungsmittel Stevia für Menschen mit Diabetes nicht besser oder schlechter geeignet ist als andere Zuckerersatzstoffe. Außerdem ist Stevia weder kariesfördernd noch krebserregend und nimmt keinen Einfluss auf das Erbgut. Das gilt in gleicher Weise für andere Süßungsmittel. Dennoch sollte man darauf achten, nicht mehr als die empfohlenen Mengen an Süßstoff oder mehr als 50 Gramm Zucker pro Tag aufzunehmen.

Gemäß den aktuellen EU-Bestimmungen gilt für Erwachsene für die Steviolglykoside eine tägliche Höchstmenge pro Kilogramm Körpergewicht von maximal 4 mg bezogen auf Steviol. Xylit, auch bekannt als Xylitol oder Birkenzucker, können erwachsene Personen mengenmäßig wie Zucker verwenden. Die Einnahme höherer Dosen kann allerdings abführend wirken – wie bei allen anderen Zuckeraustauschstoffen auch. Hier gelten eine Einzeldosis von 20 Gramm und eine Tagesdosis von 50 bis 70 Gramm Xylitol als Obergrenze.

Fördern glutenhaltige Lebensmittel die Entstehung eines Diabetes Typ 1?

Studien, die in Deutschland (BABYDIAB-Studie, BABYDIÄT-Studie) und in den USA (Daisy = Diabetes Autoimmunity Study in the Young) durchgeführt wurden, zeigten, dass Kinder, die bereits vor dem 3. Lebensmonat Getreide und insbesondere glutenhaltiges Getreide erhalten, ein höheres Risiko für Autoimmunangriffe auf die Betazellen haben und auch häufiger an Typ-1-Diabetes erkranken. Kinder mit Diabetes-Risikogenen reagierten ganz besonders auf die frühe Glutengabe und entwickelten die Autoimmunerkrankung deutlich häufiger.

Derzeit gibt es keine Hinweise, dass eine Verzögerung der erstmaligen Glutengabe über mehr als die ersten 6 Lebensmonate hinaus das Diabetes-Risiko verringern könnte. Das ist das Ergebnis der BABYDIÄT-Studie: Dabei wurde bei Kindern mit erhöhtem Typ-1-Diabetes-Risiko untersucht, ob eine glutenfreie Ernährung während der ersten 12 Lebensmonate signifikant das Risiko für Inselzellautoimmunität beziehungsweise Typ-1-Diabetes verringern kann im Vergleich zu einer erstmaligen Glutengabe nach dem 6. Lebensmonat. Dabei wurde festgestellt, dass das Inselzellautoimmunitäts-Risiko der Kinder beider Gruppen vergleichbar war.

Gut zu wissen:

Gluten ist ein Protein, das in den meisten Getreidesorten enthalten ist und bereits als Auslöser von Zöliakie, einer chronischen Erkrankung der Dünndarmschleimhaut, identifiziert wurde.

Als Konsequenz aus diesen Untersuchungen wird empfohlen, Getreide erst nach dem 6. Lebensmonat in die Ernährung einzuführen. Dies ist zwar schon lange Bestandteil der Ernährungsempfehlung, aber bei Kindern mit erhöhtem Typ-1-Diabetes-Risiko sollte besonders stringent auf die Einhaltung dieser Vorgabe geachtet werden.

Dies entspricht auch der Leitlinie der DDG zu Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter.

Kann auch fett- und eiweißhaltiges Essen den Blutglukosespiegel ansteigen lassen? Und wie berechnet sich die Fett-Protein-Einheit?

Die Blutglukose kann auch durch Fett und Eiweiß erhöht werden. Häufig deckt aber das für die kohlenhydratreichen Lebensmittel berechnete Insulin diesen Anstieg mit ab. Wenn jedoch eine große Menge an Fett und Eiweiß aufgenommen wird, wandelt der Körper einen Teil davon in Glukose um. Dies dauert allerdings eine längere Zeit, sodass auch 3 bis 5 Stunden nach dem Verzehr von fett- und proteinreicher Nahrung noch ein Anstieg der Blutglukosekonzentration möglich ist. Um den verspäteten und langsamen Glukoseanstieg durch eine hohe Zufuhr an Fett und Eiweiß abzufangen, sollte die Insulindosis nicht nur an den Kohlenhydrat- sondern auch an den Fett- und Eiweißgehalt der Mahlzeit angepasst werden.

Dafür gibt es die Fett-Protein-Einheit (FPE). Sie lässt sich für Lebensmittel ohne Kohlenhydrate einfach berechnen, wobei man den Kaloriengehalt durch 100 teilt.

Die FPE für Lebensmittel mit Kohlenhydraten berechnet sich wie folgt:

  • Fettgehalt in Gramm geteilt durch 11 ergibt die FPE aus Fett. 11 Gramm Fett entsprechen 1 FPE.
  • Eiweißgehalt in Gramm geteilt durch 25 ergeben die FPE aus Eiweiß. 25 Gramm Eiweiß entsprechen 1 FPE.
  • Beide Ergebnisse zusammen ergeben die Gesamt-FPE.
  • KE wie gewohnt berechnen.

Wie viel Insulin für eine FPE benötigt wird, ist individuell unterschiedlich. Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes kommen ohne Berechnung der Fett-Protein-Einheit zurecht. Beobachtet man allerdings einen Blutglukoseanstieg nach fett- und proteinreichen Mahlzeiten, lohnt sich möglicherweise die Berücksichtigung der FPE. Die FPE sollte auch berücksichtigt werden, wenn ungewöhnlich viel Eiweiß gegessen wird, beispielsweise im Rahmen einer Diät mit eiweißreichen Shakes.

Mittlerweile ist die „FPE-Schulung: Proteine und Fette beim Insulinbolus beachten“ für Menschen mit Typ-1-Diabetes verfügbar. Dazu gibt es eine Train-the-Trainer-Ausbildung in Form von Webinaren.

Wie ist die Wirkung von Zimt bei Diabetes Typ 2 und seine gesundheitliche Unbedenklichkeit?

Zimtpräparaten zur Behandlung des Typ-2-Diabetes wird eine blutglukosesenkende Wirkung aufgrund einer Steigerung der Insulinsensitivität und Insulinsekretion zugeschrieben. Da diese Präparate nicht als Arzneimittel in Verkehr gebracht werden, sondern als Nahrungsergänzungsmittel oder diätetisches Lebensmittel, liegen für sie kaum aussagekräftige klinische oder toxikologische Studien vor.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft und die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft raten von einer therapiebegleitenden Einnahme von Zimt bei Typ-2-Diabetes ab. Eine Übersicht zur bestehenden Studienlage zeigt, dass die blutglukosesenkende Wirkung von Zimt bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden kann. Zudem sind die Nebenwirkungen einer längerfristigen Einnahme nicht untersucht.

Die Unbedenklichkeit von Zimt ist bisher nicht geprüft. Bedenklich ist der Inhaltsstoff Cumarin, der in allen Zimtsorten enthalten ist. Zimt sollte auch als Lebensmittel nur in begrenzten Mengen aufgenommen werden. Mögliche Folgen einer längeren Anwendung sind unter anderem Leberschäden. Sollte sich ein gesundheitlicher Effekt von Zimt zukünftig bestätigen, müssen Zimtpräparate als Arzneimittel eingestuft und deren Unbedenklichkeit überprüft werden.

Quellen:

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Baumeier C. et al.: Caloric restriction and intermittent fasting alter hepatic lipid droplet proteome and diacylglycerol species and prevent diabetes in NZO mice. In: Biochim Biophys Acta, 2015, 1851: 566-576
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Zimtpräparate als Antidiabetikum. 2016 (Letzter Abruf: 22.10.2020)
Bundesinstitut für Risikobewertung: Erhöhte Aufnahme von Fruktose ist für Diabetiker nicht empfehlenswert. Stellungnahme Nr. 041/2009 des BfR, 2009 (Letzter Abruf: 22.10.2020)
Bundesinstitut für Risikobewertung: Bewertung von Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen. Hintergrundinformation Nr. 025/2014 des BfR, 2014 (Letzter Abruf: 22.10.2020)
Bundesärztekammer et al.: Nationale Versorgungsleitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes. Langfassung. 2014 (Gültigkeit abgelaufen, in Überarbeitung)
Deutsche Diabetes Gesellschaft et al: S3-Leitlinie Diagnostik Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter. 2015
Deutsche Diabetes Gesellschaft: Stevia ist nicht gesünder als andere Zuckerersatzstoffe. 2013 
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: Heilfasten, Basenfasten, Intervallfasten – ein Überblick. In: DGEinfo, 2018, 2:18-25
European Food Safety Authority: EFSA bewertet die Sicherheit von Steviolglycosiden. 2010 (Letzter Abruf: 22.10.2020)
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Hohmann, C.: Xylitol: Zuckeraustauschstoff gegen Karies. In: Pharmazeutische Zeitung, 2007 (Letzter Abruf: 22.10.2020)
Horne, B. D. et al.: Health effects of intermittent fasting: hormesis or harm? A systematic review. In: Am J Clin Nutr, 2015, 102: 464-470
Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München: Babydiab Study
Schübel, R. et al.: Effects of intermittent and continuous calorie restriction on body weight and metabolism over 50 wk: a randomized controlled trial. In: Am J Clin Nutr, 2018, 108: 933-945
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Wei, M. et al.: Fasting-mimicking diet and markers/risk factors for aging, diabetes, cancer, and cardiovascular disease. In: Science Translational Medicine, 2017, 9: eaai8700
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Stand: 22.10.2020