Im Notfall

Wissenschaftliche Unterstützung: Dr. Yanislava Karusheva

Wie kommt es zu einer Unterzuckerung und was ist zu beachten? Und was passiert bei einer Überzuckerung?

Hier finden Sie eine Auswahl an häufig gestellten Fragen zum Thema ‚Diabetesbedingte Notfälle‘.

Wie kommt es zu einer Unterzuckerung und was ist zu beachten?

Bei einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) braucht man kein Insulin, sondern dringend Zucker (Glukose). Ein häufig verwendeter Grenzwert ist eine Blutzuckerkonzentration von weniger als 50 mg/dl (2,8 mmol/l).

Für eine Unterzuckerung kommen verschiedene Ursachen in Frage. Sie entsteht, wenn Insulin oder blutzuckersenkende Medikamente überdosiert wurden. Weitere mögliche Ursachen oder Verstärker einer Unterzuckerung sind große körperliche Anstrengung, zu wenig Nahrung oder Alkoholgenuss.

Erste Anzeichen sind zum Beispiel Zittern, Schwitzen, Herzrasen, Heißhunger oder Blässe. Dann sollten Menschen mit Diabetes umgehend schnellwirkende Kohlenhydrate in Form von Saftschorlen, Limonaden, Traubenzucker oder Gummibärchen zu sich nehmen. Anschließend sollten sie kontrollieren, ob sich der Blutzuckerspiegel normalisiert hat.

Bei einer schweren Unterzuckerung, bei der die Person das Bewusstsein verliert, ist umgehend ein Notarzt (Durchwahl: 112) zu rufen und erste Hilfe zu leisten. Die unterzuckerte Person darf wegen drohender Erstickungsgefahr keine Flüssigkeiten zu sich nehmen.

Für den Notfall können Patientinnen und Patienten außerdem einen Glukagon-Pen mit sich führen, der nach Injektion eigene Zuckerreserven aus der Leber freisetzt. Er wird in den Muskel oder in die Haut gespritzt. Hilfestellungen zur Anwendung sind auch auf den jeweiligen Glukagon-Sets zu finden. Nach dem Aufwachen muss die Person umgehend schnellwirkende Kohlenhydrate (zum Beispiel Traubenzucker oder Fruchtsaft) zu sich nehmen, damit der Blutzuckerspiegel nicht erneut absinkt.

Was passiert bei einer Überzuckerung?

Bei sehr hohen Blutzuckerwerten (über 250 mg/dl (13,9 mmol/l)) bilden sich sogenannte Ketonkörper wie Aceton. Bei einer schweren Überzuckerung  (Hyperglykämie)  fehlt dem Organismus ausreichend Insulin. Der Blutzucker kommt als Energielieferant nicht in die Körperzellen. Um den Energiemangel auszugleichen, wird einerseits von der Leber und den Nieren neuer Zucker (Glukose) produziert. Das verstärkt die Überzuckerung.

Andererseits verstoffwechselt der Körper vermehrt Fett. Es entstehen freie Fettsäuren. Dieses Überangebot an Fettsäuren wird als Energielieferant gebraucht. Der Teil der Fettsäuren, der nicht als Energie nutzbar ist, wird zu sogenannten Ketonkörpern abgebaut. Es kommt zur Übersäuerung des Blutes. Der typische Acetongeruch in der Atemluft (Geruch nach Nagellackentferner oder Obst) ist daher ein wichtiges Erkennungsmerkmal für einen schwer entgleisten Stoffwechsel. Die Überzuckerung und Ketoazidose treten häufiger beim Typ-1-Diabetes auf.

Sich darauf zu verlassen ist allerdings gefährlich. Daher sollten Menschen mit Diabetes lernen, wann und wie sie Ketonkörper im Blut oder Urin testen sollten. Weitere Symptome eines Überzuckers sind unter anderem Bauchschmerzen, Durstgefühl, Erbrechen und Müdigkeit. Die wichtigste Behandlungsmaßnahme ist die Zufuhr von viel Flüssigkeit. Bei einer Überzuckerung ist dringend eine Ärztin oder ein Arzt aufzusuchen.