Leben mit Diabetes

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Andreas Fritsche, Andreas Vosseler M.A.

Darf ich mit Diabetes Auto fahren? Kann es bei Diabetes zu Notfallsituationen kommen? Sind Fernreisen für Menschen mit Diabetes tabu? Und was muss ich bei einer (Urlaubs-)Reise einpacken?

Hier finden Sie eine Auswahl an häufig gestellten Fragen zum Thema ‚Leben mit Diabetes‘.

Darf ich mit Diabetes Auto fahren?

Ja. Wenn Menschen mit Diabetes Auto fahren, sollten sie vorab darauf achten, dass ihr Diabetes gut eingestellt ist. Wenn Medikamente eingenommen werden, die eine Unterzuckerung auslösen können (Sulfonylharnstoffe oder Insulin), müssen Patientinnen und Patienten das Risiko einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) erkennen können. Ratsam ist es dann, vor jeder Autofahrt den Blutzucker zu messen und nur bei Werten über 100 mg/dl (5,6 mmol/l) zu starten. Auf längeren Autofahrten sollten immer wieder Pausen eingelegt werden, um die Blutzuckerwerte zu messen. Darüber hinaus sollten schnell wirkende Kohlenhydrate wie Traubenzucker griffbereit sein, um einer Unterzuckerung frühzeitig entgegenwirken zu können.

Wohin soll das Insulin gespritzt werden?

Menschen mit Diabetes müssen Insulin ins Unterhautfettgewebe spritzen. Am besten geeignet ist hierfür der Bauch oder Oberschenkel. Ungeeignet sind die Arme, da hier die Gefahr von versehentlichen Injektionen in den Muskel und Unterzuckerungen durch zu schnellen Wirkeintritt des Insulins besonders hoch ist. Wichtig sind auch die korrekte Wahl der Nadellänge, die einmalige Verwendung der Nadeln und der konsequente Wechsel der Spritzstellen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich ein Knötchen aus Fettgewebe bildet, sogenannte Spritzhügel oder Lipohypertrophien. Sie verzögern die Aufnahme von Insulin ins Blut und können zu stärkeren Blutzuckerschwankungen und erhöhtem Insulinbedarf führen.

Kann es bei Diabetes zu Notfallsituationen kommen?

Ja, bei der Erkrankung Diabetes ist die körpereigene Regulation des Blutzuckers gestört. Sowohl sehr niedrige als auch hohe Blutzuckerspiegel sind möglich: Man spricht dann von Unterzuckerung (Hypoglykämie) oder Überzuckerung (Hyperglykämie). Sie stellen Notfallsituationen dar und können lebensbedrohlich sein. Wichtige Informationen und Tipps zum Umgang mit Notfallsituationen bei Diabetes werden jedem Menschen mit Diabetes unter anderem im Rahmen einer Schulung gegeben.

Können Menschen mit Diabetes sportlich gleich viel leisten wie gesunde Menschen?

Generell können Menschen mit  Typ-1-Diabetes ebenso wie Menschen mit Typ-2-Diabetes alle Sportarten ausüben. Wichtig ist es, dass ihr Diabetes vorab gut eingestellt ist und sie ihre Blutzuckerwerte entsprechend überwachen. Sie sollten auch gelernt haben, ihre Medikamente (insbesondere Insulin) an die körperliche Aktivität und die aktuellen Blutzuckerwerte anzupassen.

Regelmäßige Bewegung verringert den Insulinbedarf und verbessert die Blutzuckerwerte. Zudem senkt körperliche Aktivität den Blutdruck und den Ruhepuls und beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei Menschen mit Diabetes erhöht.

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die übergewichtig sind, hilft Sport bei der Gewichtskontrolle oder beim Abnehmen.

Um Unterzuckerungen zu vermeiden, sollten Menschen mit Diabetes während und nach dem Sport ihren Blutzucker kontrollieren. Sie sollten körperliche Aktivitäten möglichst vorher planen. Insbesondere Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen die Kohlenhydratzufuhr und Insulindosis berücksichtigen oder anpassen.

Ratsam ist es, sich abhängig vom Alter und eventuellen Begleiterkrankungen von einer ärztlichen Fachkraft untersuchen zu lassen. Sie kann am besten beurteilen, ob Sport gefahrlos möglich und empfehlenswert ist.

Sind Fernreisen für Menschen mit Diabetes tabu?

Bei entsprechender Vorbereitung ist die Reisefähigkeit von Menschen mit Diabetes kaum eingeschränkt. Mit ins Handgepäck gehören alle Utensilien zur Glukosemessung, Insulininjektion und Medikamente. Ratsam ist es, die doppelte Menge des Urlaubsbedarfs an Medikamenten mitzunehmen, um bei unvorhergesehenen Verlusten abgesichert zu sein. Um in Notfällen die notwendige ärztliche Versorgung zu erhalten, sollte man sich einen Diabetes-Pass in der jeweiligen Landessprache ausstellen lassen. Ein Muster-Exemplar finden Sie auf der Seite der Deutschen Diabetes Hilfe DiabetesDE. Sinnvoll ist zudem ein ärztliches Attest für Flugreisen für die Mitführung von Diabetes-Utensilien und Medikamenten im Handgepäck. Es liegt am besten in der Landessprache des Urlaubslandes oder zumindest auf Englisch vor.

Wenn man sich von einer Zeitzone in die andere bewegt, muss man eventuell Tabletten oder die tägliche Insulindosis entsprechend anpassen. Am besten klären Menschen mit Diabetes vor längeren Reisen die vorübergehende Änderung der Therapie in einem ärztlichen Gespräch.

Auch ein anderer Tagesablauf im Urlaub, andere Nahrungsmittel oder Klimawechsel können den Blutzucker beeinflussen und eine Anpassung der Insulintherapie erforderlich machen. Bei ungewohnter landestypischer Kost sollte der Blutzucker häufiger gemessen werden.

Was muss ich bei einer (Urlaubs-)Reise einpacken?

Menschen mit Diabetes müssen bei einer (Urlaubs-)Reise neben den üblichen Kofferinhalten, wie Kleidung und Hygieneartikel, an zusätzliche Verbrauchsmaterialien für das persönliche Diabetes-Management denken (Insulin, Tabletten, Kanülen, Teststreifen). Eine Packliste mit Utensilien und Dokumenten, die bei einer Reise mitzunehmen sind, finden Sie in unserem Download-Bereich.

Sind Menschen mit Diabetes anfälliger für Infektionskrankheiten?

Menschen mit Diabetes haben gegenüber Stoffwechselgesunden ein leicht erhöhtes Risiko für verschiedene Infektionskrankheiten, die durch Viren oder Bakterien ausgelöst werden. Dies ist insbesondere der Fall, wenn die Patientin oder der Patient dauerhaft zu hohe Blutzuckerwerte hat. Das wirkt sich negativ auf das Immunsystem aus: Die Anfälligkeit für Krankheiten steigt. Deswegen sollten sich Menschen mit Diabetes im Herbst beispielsweise gegen Grippe impfen lassen.

Helfen mir Selbsthilfegruppen?

Die Entscheidung eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen, müssen Menschen mit Diabetes individuell treffen. Der Austausch mit anderen betroffenen Menschen kann hilfreich sein. In Selbsthilfegruppen können Menschen mit Diabetes Erfahrungen austauschen. Darüber hinaus erhalten sie Tipps und Informationen zu Anlaufstellen in der Region, verschiedenen Dienstleistungen, Produkten und vieles mehr.