Unterrichtsmaterial zu Diabetes
Gesundheit erhalten
Krankheit vermeiden
Wissen, aktuelle Forschung
und Präventionsansätze
am Beispiel Diabetes
Reader
1. Allgemeine Biochemie und Stoffwechsel
Hintergrundinformationen
Stichworte aus Lehrplänen gesamt: Stoffwechsel; Nährstoffe; Enzyme; Hormone; Kohlenhydrate; Glukose; Stärke; Zucker; Nahrungsmittelbestandteile und deren physiologische Bedeutung; Zucker im
Blut; Weg der Nahrung im menschlichen Körper; Glukose; Zucker;
Enzyme; Verdauung; Resorption; Glykogen; Blutzucker; Glukagon; Bauchspeicheldrüse; Pankreas; Schlüssel-Schloss-Prinzip;
Signalwirkung; Bindung; Signalweiterleitung; Wirkung von Insulin;
Funktion der Hormone; Hormon; Insulin; Insulin-Rezeptor; Glukosetransport an der Zellmembran; Aufbau und Funktion der Bauchspeicheldrüse; Beta-Zellen; Alpha-Zellen; endokrine und exokrine
Drüsen; Insulin; Glukagon; Hormone; Hormondrüse; Kohlenhydratstoffwechsel; Blutzucker; Blutzuckerspiegel; Blutzuckerwerte;
Blutzuckerverlauf; Funktion der Hormone; Regulation am Beispiel
des Blutzuckerspiegels; Regelkreis (Sollwert, Istwert, Regelgröße,
Störgröße, Fühler, Stellgröße); Wirkung von Insulin und Glukagon;
Signalwirkung; Gegenspieler-Prinzip; Regulation zentraler Körperfunktionen am Beispiel Diabetes mellitus; Diabetes; Insulin; Stoffwechsel: Blutzuckerregulation und Diabetes; Insulinresistenz
Der
Stoffwechsel
(Metabolismus)
ist
eine
Grundfunktion aller lebenden Organismen. Ohne
ihn ist Leben nicht möglich. Ein komplexes System
aus biochemischen Reaktionen reguliert dabei das
Gleichgewicht zwischen Nahrungsaufnahme und
Nahrungsverwertung. Aus der Umwelt aufgenommene
Nährstoffe (Fette, Eiweiße (Proteine), Kohlenhydrate),
aber auch Vitamine, Mineralstoffe und Wasser)
sind zur Produktion körpereigener Substanzen
notwendig und dienen auch zur Energiegewinnung.
Diese Auf-, Um- und Abbauprozesse finden in jeder
einzelnen Zelle statt. Je nach Nahrungsstoff gibt es
verschiedene Arten des Stoffwechsels (Fettstoff-,
Kohlenhydrat- und Eiweißstoffwechsel).
Der Stoffwechsel ist untrennbar mit der Verdauung
der zugeführten Nährstoffe verbunden. Denn bei der
Verdauung wird durch den Verdauungssaft aus der
Bauchspeicheldrüse zusammen mit der Galle die aufgenommene Nahrung in kleinste Bausteine und Moleküle zerlegt, nur so können sie über die Darmwand
und die Lymphe ins Blut aufgenommen (resorbiert)
werden und gelangen an ihr Ziel, die Zellen.
Daher sind insbesondere der Verdauungstrakt, mit
seinen Organen wie dem Magen-Darm-Trakt, der
Leber und der Bauchspeicheldrüse, sowie Fett- und
Muskelgewebe, der Blutkreislauf und auch das Gehirn an der Stoffwechselkontrolle beteiligt.
Für den Umbau und das Weiterleiten der Nährstoffe
im Körper wird eine Vielzahl von Hormonen benötigt,
von denen das Insulin eine wichtige Rolle spielt, da
dieses Hormon in den Kohlenhydrat-, Eiweiß- und
Fettstoffwechsel maßgeblich eingreift.
Hormone sind biochemische Signal- bzw. Botenstoffe, produziert von speziellen Drüsen (z. B. Schilddrüse,
Nebenschilddrüse,
Hirnanhangsdrüse,
Langerhans‘sche Inseln der Bauchspeicheldrüse,
Nebenniere, Hoden, Ovar) die über das Blut transportiert werden und zahlreiche Prozesse im Körper
steuern. Die Signalwirkungen von Hormonen werden
durch ihre Bindung an einen (für sie passenden)
Rezeptor in der Zellwand erreicht.
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Enzyme wirken im Körper als Katalysatoren und setzen chemische Reaktionen in Gang bzw. beschleunigen diese, ohne dabei selbst verändert zu werden.
nicht alle süß.
Stoffwechselstörungen können verschiedene Ursachen haben. Das Gleichgewicht kann beispielsweise durch akuten und chronischen Stress, Lebensstil,
Entzündungsprozesse, hormonelle Prozesse oder
auch immunologische Reaktionen erheblich gestört
werden.
Einfachzucker
z.B. Traubenzucker (Glukose), Fruchtzucker (Fruktose)
Zweifachzucker
z.B. Haushaltszucker, Rohrzucker (Saccharose), Milchzucker (Laktose)
Mehrfachzucker
z.B. Stärke, Cellulose
Ein Beispiel für eine Stoffwechselerkrankung ist
Diabetes mellitus. Im Folgenden soll auf zentrale
Bestandteile der Stoffwechselwege eingegangen
werden, die bei der Entstehung von Diabetes eine
Rolle spielen.
Besondere Bedeutung haben vor allem Glukose und
Stärke.
Inhalt „Allgemeine Biochemie und Regelkreise
(Stoffwechsel)“:
Nahrungsbestandteile
•
Kohlenhydrate - Stärke, Glukose (und
andere Zucker)
Die Zelle als Ziel für Glukose
•
Wie kommt die Energie aus dem Essen in
die Zelle?
•
Zellulärer Wirkmechanismus Insulin
Die Bauchspeicheldrüse
Regelkreise und Regulation
•
Blutzuckerspiegel/Blutzuckerwerte/
Blutzuckerverlauf
•
Regelkreis Insulin – Glukagon
•
Blutzuckerregulation und Diabetes
Übersicht der Kohlenhydrate
Glukose ist einer der wichtigsten Energielieferanten
für die Körperzellen. Besonders Muskel- und Nervenzellen und das Gehirn benötigen den Zucker um
schnell ausreichend Energie herstellen zu können.
Pflanzen stellen Glukose während der Photosynthese her. Der Glukosegehalt in unserem Blut wird als
„Blutzuckerspiegel“ bezeichnet.
Stärke ist ein Polysaccharid aus einzelnen GlukoseEinheiten und besteht aus Amylose (lineare ZuckerKetten) und Amylopektin (verzweigte Zucker-Ketten).
Pflanzen können ungenutzte Glukose als Stärke
speichern und diese zur Energiegewinnung auch
wieder abbauen.
Nur Einfachzucker (wie Glukose) können ins Blut
- und damit auch in die Zellen - aufgenommen und
verstoffwechselt werden. Daher müssen langkettige
Kohlenhydrate vorab bei der Verdauung durch Enzyme in ihre kleinsten Untereinheiten aufgespalten werden. Zur Spaltung der unterschiedlichen Zuckerverbindungen gibt es verschiedene spezifische Enzyme.
Nahrungsbestandteile: Kohlenhydrate Je kleiner ein Kohlenhydrat-Molekül, also aus je
Stärke, Glukose (und andere Zucker)
Kohlenhydrate; Glukose; Stärke; Zucker; Nahrungsmittelbestandteile und deren physiologische Bedeutung
Kohlenhydrate, sogenannte Saccharide, gehören zu
den Hauptenergielieferanten für unseren Stoffwechsel.
Sie sind vor allem in stärkehaltigen Lebensmitteln wie
Brot, Kartoffeln, Nudeln, Obst und Gemüse enthalten
und bestehen chemisch gesehen aus langen Ketten
mit unterschiedlich vielen Zuckermolekülen. Sie
lassen sich in sog. Monosaccharide (Einfachzucker),
Disaccharide (Zweifachzucker) und Polysaccharide
(Mehrfachzucker) einteilen. Obwohl Kohlenhydrate
aus Zuckereinheiten bestehen, schmecken sie jedoch
weniger Zuckereinheiten es besteht (einfache
Kohlenhydrate), desto schneller steht die Glukose
dem Körper als Energielieferant zur Verfügung.
Andersherum bedeutet dies auch: Je länger die
Zuckerketten, desto mehr Zeit wird benötigt,
ehe die Glukose als Energieträger verfügbar ist.
Das etappenweise Aufspalten der komplexen
Kohlenhydrate, z.B. aus Mehl oder Kartoffeln hat
auch zur Folge, dass die Glukose stabil über einen
längeren Zeitraum ins Blut gelangt und so länger
vorhält.
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Die Zelle als Ziel für Glukose
Zucker im Blut; Weg der Nahrung im menschlichen Körper;
Glukose; Zucker; Enzyme; Verdauung; Resorption; Glykogen;
Blutzucker; Glukagon; Bauchspeicheldrüse; Pankreas; Schlüssel-Schloss-Prinzip; Signalwirkung; Bindung; Signalweiterleitung;
Wirkung von Insulin; Funktion der Hormone; Hormon; Insulin; Insulin-Rezeptor; Glukosetransport an der Zellmembran
Wie kommt die Energie aus dem Essen in die
Zelle?
Weg der Nahrung im menschlichen Körper; Glukose; Zucker; Enzyme; Verdauung; Resorption; Glykogen; Blutzucker; Glukagon;
Bauchspeicheldrüse; Pankreas
Damit die in der Nahrung enthaltenen Glukosemoleküle für die Zellen verfügbar sind, müssen die meist
komplexen Kohlenhydrate vorab in ihre kleinsten
Untereinheiten aufgespalten werden. Dies geschieht
während der Kohlenhydratverdauung durch Enzyme.
Im Mund wird das Essen zunächst mechanisch zerkleinert. Das Enzym Alpha-Amylase – produziert
von den Speicheldrüsen und daher auch als Speichel-Amylase bezeichnet – spaltet die langen Ketten
der Stärke in kurze Bruchstücke (Dextrine). Je länger
gekaut wird, also je länger die Amylase wirken kann,
desto kleiner werden die Bruchstücke. Dies kann bis
hin zum Disaccharid Maltose gehen.
Über die Speiseröhre gelangt der Nahrungsbrei in
den Magen. Durch den niedrigen pH-Wert der Magensäure wird die Alpha-Amylase inaktiviert, sodass im
Magen keine weitere Verdauung der Kohlenhydrate
stattfindet. Eiweiß wird hingegen im Magen chemisch
weiter zerkleinert.
Im Dünndarm werden die Kohlenhydrate weiter zerlegt. Dort gibt die Bauchspeicheldrüse (Pankreas)
eine Amylase, die sogenannte Pankreas-Amylase
in den Zwölffingerdarm ab. Diese spaltet die Dextrine weiter in Zweifachzucker. Die Enzyme Maltase,
Saccharase und Lactase spalten die Zweifachzucker
schließlich in Einfachzucker, sodass diese über die
Darmwand ins Blut aufgenommen werden können
(Resorption). Über das Blut gelangen die Nahrungsmoleküle, u.a. Glukose, an ihren Zielort die Zellen, in
denen sie weiter verstoffwechselt werden.
Beim Transport der Glukose in die Zellen spielt Insulin
eine entscheidende Rolle. Denn nur mit Hilfe dieses,
von der Bauchspeicheldrüse gebildeten Hormons,
können die Zuckermoleküle in die Zellen gelangen.
Energie, bzw. energiereiche Nährstoffe, die der Körper momentan nicht benötigt, werden gespeichert. Ist
Nahrung knapp, können diese Reserven wieder aktiviert und zur Energiegewinnung genutzt werden.
Überschüssige Glukose wird als Glykogen, einer
Speicherform von Zucker, vor allem in der Leber,
aber auch in den Muskeln gespeichert. Mit Hilfe der
Glykogenspeicher in der Leber kann der Blutzucker
auch in Zeiten aufrechterhalten bzw. reguliert werden, in denen wir keine Nahrung zu uns nehmen, z.B.
nachts. Die Zuckerneubildung aus Glykogen erfolgt
mit Hilfe des Hormons Glukagon, das ebenfalls von
der Bauchspeicheldrüse gebildet wird.
Überschüssige Energie, die beim Abbau der Glukose
entsteht, kann zudem als Fett in den Fettzellen gespeichert werden.
Zellulärer Wirkmechanismus von Insulin
Schlüssel-Schloss-Prinzip; Signalwirkung; Bindung; Signalweiterleitung; Wirkung von Insulin; Funktion der Hormone; Hormon; Insulin; Insulin-Rezeptor; Glukosetransport an der Zellmembran
Die Hauptaufgabe, des von der Bauchspeicheldrüse
gebildeten Hormons Insulin ist es, den Transport der
Zuckermoleküle (Glukose) aus dem Blut in die Körperzellen zu ermöglichen.
Die Bauchspeicheldrüse misst stetig den Glukosegehalt im Blut (Blutzucker) - ist dieser hoch, schüttet sie
Insulin aus. Mit dem Blutstrom gelangt das Hormon
zu den Körperzellen und bindet dort an den Insulin-Rezeptor – ein Proteinkomplex an der Oberfläche
der Zellmembran. Insulin und sein Rezeptor passen
dabei ineinander wie ein Schlüssel zum passenden
Schlüsselloch (Schlüssel-Schloss-Prinzip). So wird
gewährleistet, dass kein anderes Hormon oder Molekül, den Insulin-Rezeptor aktiviert.
Die Bindung zwischen Insulin und seinem Rezeptor
löst innerhalb der Zelle ein Signal aus. Dieses aktiviert sogenannte Transportproteine in der Zellmembran, die Glukose-Transporter (GLUT4). Sie öffnen
sich und lassen die Glukose-Moleküle aus dem Blut
in die Zellen hinein.
Bei Typ-1-Diabetes fehlt das Insulin, daher bleibt das
Transportprotein verschlossen.
Bei Typ-2-Diabetes ist Insulin vorhanden, aber der Insulin-Rezeptor reagiert nicht oder nicht ausreichend,
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sodass auch hier das Transportprotein verschlossen
bleibt. (Siehe Kapitel 2 „Die Krankheit Diabetes“)
Die Bauchspeicheldrüse
Aufbau und Funktion der Bauchspeicheldrüse; Beta-Zellen; Alpha-Zellen; endokrine und exokrine Drüsen; Insulin; Glukagon;
Hormone; Hormondrüse; Kohlenhydratstoffwechsel
Die Bauchspeicheldrüse (das Pankreas) ist eine
Drüse des Magen-Darm-Trakts und gehört zu den
größten Drüsen des menschlichen Körpers. Das
längliche Organ ist etwa 10 bis 20 cm lang und liegt
im oberen Bauchraum quer hinter dem Magen.
Die Bauchspeicheldrüse ist gleichzeitig eine exokrine
und auch eine endokrine Drüse. Sie gibt gebildete
Stoffe also sowohl nach außen, z.B. in einen
Hohlraum (exokrin), als auch direkt in die Blutbahn
(endokrin) ab.
Das exokrine Gewebe (Azinus-Zellen) bildet ein
Sekret, das vor allem aus Enzymen besteht, die
bei der Verdauung von Fetten, Kohlenhydraten
und Eiweißen benötigt werden. Darunter auch die
Pankreas-Amylase, die Kohlenhydrate spaltet. Der
Verdauungssaft (etwa 1,5 Liter pro Tag) wird von der
Bauchspeicheldrüse über ein Gängesystem in den
Dünndarm abgegeben.
Das endokrine Gewebe der Bauchspeicheldrüse wird
von den sogenannten Langerhans-Inseln gebildet.
Dies sind inselförmige Ansammlungen von hormonproduzierenden Zellen, die im exokrinen Gewebe
der Bauchspeicheldrüse eingelagert sind. Die einzelnen Zellarten stellen verschiedene Hormone her.
Darunter die Stoffwechselhormone Insulin (aus BetaZellen) und Glukagon (aus Alpha-Zellen) die für den
Kohlenhydratstoffwechsel und die Blutzuckerregulation wichtig sind. Die gebildeten Hormone werden bei
Bedarf von der Bauchspeicheldrüse direkt in die Blutbahn abgegeben (endokrin).
Regelkreise und Regulation
Blutzucker; Blutzuckerspiegel; Blutzuckerwerte; Blutzuckerverlauf;
Funktion der Hormone; Regulation am Beispiel des Blutzuckerspiegels; Regelkreis (Sollwert, Istwert, Regelgröße, Störgröße, Fühler,
Stellgröße); Wirkung von Insulin und Glukagon; Signalwirkung;
Gegenspieler-Prinzip; Regulation zentraler Körperfunktionen am
Beispiel Diabetes mellitus; Diabetes; Insulin; Stoffwechsel: Blutzuckerregulation und Diabetes; Insulinresistenz
Blutzuckerspiegel/ Blutzuckerwerte/ Blutzuckerverlauf
Blutzucker; Blutzuckerspiegel; Blutzuckerwerte; Blutzuckerverlauf;
Der Blutzuckerspiegel beschreibt die Konzentration
der Glukose im Blut. Er kann entweder im kapillaren
Blut (Fingerbeere, Ohrläppchen) oder im venösen
Blut (Blutabnahme) bestimmt werden. Der Wert wird
in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder in Millimol pro
Liter (mmol/l) angegeben.
Beim gesunden Menschen soll der Blutzuckerspiegel
auch bei großer oder fehlender Nahrungsaufnahme
in einem engen Bereich zwischen 60 und maximal
140 Milligramm pro 100 Milliliter Blut (mg/dl) gehalten
werden. Im nüchternen Zustand liegt der Wert unter
100 mg/dl (5,6 mmol/l) (Nüchtern-Blutzuckerspiegel).
Der Blutzuckerspiegel steigt, wenn wir essen und
sinkt, wenn Energie benötigt wird, z.B. beim Sport.
Je einfacher die aufgenommen Kohlenhydrate, desto
schneller steigt, und fällt auch wieder der Blutzucker.
Essen wir komplexe Kohlenhydrate, z.B. Stärke aus
Mehl, Nudeln, Kartoffeln halten diese länger vor. Der
Blutzucker bleibt länger erhöht und wir sind damit
länger satt. In Zeiten, in denen wir keine Nahrung zu
uns nehmen, kann der Blutzucker mit Hilfe der Glykogenspeicher in der Leber aufrechterhalten bzw. reguliert werden.
Die Bestimmung der Blutglukosewerte ist bei der
Diagnose einer Diabetes-Erkrankung entscheidend,
da der Blutzucker bei unbehandeltem Diabetes
dauerhaft erhöht ist.
Regelkreis Insulin - Glukagon
Funktion der Hormone; Regulation am Beispiel des Blutzuckerspiegels; Regelkreis (Sollwert, Istwert, Regelgröße, Störgröße, Fühler,
Stellgröße); Wirkung von Insulin und Glukagon; Signalwirkung; Gegenspieler-Prinzip;
Bei gesunden Menschen wird der Blutzuckerspiegel
automatisch reguliert. Zellen, die Glukose-Rezeptoren
tragen, zum Beispiel Zellen der Langerhans-Inseln in
der Bauchspeicheldrüse, messen stetig den aktuellen
Blutzucker (Ist-Wert). Weicht der Ist-Wert vom SollWert, also der Menge an Glukose, die der Körper
momentan benötigt, ab, wird der Blutzuckerspiegel
mit Hilfe eines genau abgestimmten Regelkreises
angepasst.
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Ist der Blutzuckerwert zu hoch, zum Beispiel nach
einer Mahlzeit, schüttet die Bauchspeicheldrüse je
nach Bedarf das Hormon Insulin aus. Je höher der
Blutzuckerspiegel angestiegen ist, desto mehr wird
ausgeschüttet. Insulin sorgt als blutzuckersenkendes
Hormon dafür, dass die Körperzellen die Glukose aus
dem Blut aufnehmen und dadurch verwerten bzw. zu
Glukagon umbauen können – der Blutzucker sinkt.
mons an, sie werden resistent (Insulinresistenz). Da
das Insulin nicht oder nur noch schlecht an seinen
Rezeptor binden kann, nehmen die Zellen die Glukose aus dem Blut trotz hohem Insulinspiegel nur noch
vereinzelt auf. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel
langsamer bzw. bleibt länger erhöht. Dieses Anfangsstadium wird medizinisch als Prädiabetes bezeichnet.
Ist der Blutzuckerspiegel zu niedrig, wird das Hormon
Glukagon aus der Bauchspeicheldrüse freigesetzt.
Dieses bewirkt den Abbau von Zuckerreserven (Glykogen) in Muskeln und der Leber. Durch den Abbau
entsteht wieder Glukose, die in die Blutbahn abgegeben wird - der Blutzuckerspiegel steigt.
Der Körper kann eine Insulinresistenz lange Zeit ausgleichen, indem die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse mehr Insulin freisetzen. „Erschöpft“ durch die
vermehrte Insulinproduktion sind sie jedoch irgendwann nicht mehr in der Lage, genügend Insulin bereit
zu stellen. So entsteht im Lauf der Zeit der Typ-2Diabetes. Anfangs kann dieser noch mit Tabletten
behandelt werden, die die Empfindlichkeit der Zellen
für Insulin wieder erhöhen. Produziert die Bauchspeicheldrüse nach einigen Jahren kein eigenes Insulin
mehr, muss dieses auch bei Menschen mit Typ-2Diabetes als Medikament gespritzt werden.
Dass sich ein Typ-2-Diabetes tatsächlich entwickelt,
kann in vielen Fällen in frühen Stadien verhindert
oder zumindest verzögert werden. Oft reichen schon
relativ kleine Änderungen des Lebensstils aus, um
das Risiko deutlich zu senken. Stellt der Körper kein
eigenes Insulin mehr her, müssen auch Menschen
mit Typ-2-Diabetes diesen Mangel durch zugeführtes
Insulin ausgleichen.
Insulin und Glukagon wirken also als Gegenspieler
– beide beeinflussen den Blutzuckerwert, jedoch in
unterschiedliche Richtungen.
Die Regelgröße Blutzucker kann von verschiedensten Störgrößen von außen beeinflusst werden. Dies
sind zum Beispiel die Nahrungsaufnahme oder Muskelarbeit (normale Tätigkeiten oder Sport).
Blutzuckerregulation und Diabetes
Regulation zentraler Körperfunktionen am Beispiel Diabetes
mellitus; Diabetes; Insulin; Blutzuckerregulation und Diabetes;
Insulinresistenz
Bei Menschen mit Diabetes besteht ein Mangel an
Insulin oder die Wirkung des Insulins an den Körperzellen ist eingeschränkt (Insulinresistenz). In Folge
steigt der Blutzuckerspiegel ungehindert an, er „entgleist“. Je nach Diabetes Typ (Typ-1 oder Typ-2)
führen verschiedene Mechanismen zu erhöhten Blutzuckerwerten:
Bei Typ-1-Diabetes greift das Immunsystem der
Patientinnen und Patienten die insulinproduzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie. Es handelt sich also um eine Autoimmunerkrankung. Durch die zerstörten Beta-Zellen kann kein
Insulin mehr gebildet werden und die Glukose verbleibt im Blut. Der Blutzuckerspiegel steigt.
Die Therapie bei Typ-1-Diabetes besteht daher auch
aus der Gabe von Insulin.
Bei Typ-2-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse anfangs noch eigenes Insulin, aber die Zellen
sprechen immer schlechter auf die Wirkung des Hor-
Prinzipiell stehen zwei Arten von Insulin zur Verfügung, die per Spritze, Pen oder Insulinpumpe gegeben werden: langsam wirkende Basalinsuline und
schnell und kurz wirkende Bolusinsuline.
Basalinsuline decken den Grundbedarf des Körpers
an Insulin. Moderne Präparate wirken 24 Stunden
und müssen deshalb nur noch einmal am Tag injiziert
werden.
Bolusinsuline ahmen die nahrungsabhängigen
Anstiege der natürlichen Insulinausschüttung nach.
Sie wirken schnell und kurz und werden vor den
Mahlzeiten gespritzt. Betroffene müssen daher vor
den Mahlzeiten ihren Blutzuckerwert bestimmen, die
erforderliche Insulindosis berechnen und diese dann
spritzen.
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2. Die Krankheit Diabetes
Hintergrundinformationen
Definition Diabetes; Diabetes als Zivilisationskrankheit; Ernährungsbedingte Erkrankungen; Definition Diabetes; Wenn zu viel
Zucker im Blut ist – Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Diabetes mellitus Typ I und II (Ursachen, Diagnose und Maßnahmen
zu Intervention und Prävention); Informationen über Diabetes Typ I
und II geeignete Handlungen im Notfall und im persönlichen Leben
Diabetes, oder medizinisch korrekt Diabetes mellitus,
ist eine chronische Erkrankung des Zuckerstoffwechsels. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird sie daher
auch als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet. Ursache für
den bei Diabetes chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel kann ein Mangel an Insulin sein oder, dass die
Wirkung des blutzuckersenkenden Hormons Insulins
eingeschränkt ist (Insulinresistenz).
Es gibt jedoch nicht „den einen“ Diabetes. Diabetes
steht als Überbegriff für verschiedene Störungen des
Zuckerstoffwechsels, die ähnliche Symptome und
Folgen, aber verschiedene Ursachen haben. In der
Medizin werden mehrere Diabetes-Typen unterschieden. Die häufigsten Formen sind der Typ-1- und der
Typ-2-Diabetes.
Typ-2-Diabetes, die Form von der die meisten
Diabetiker (etwa 95 Prozent) betroffen sind, hängt
besonders mit Übergewicht, einer ungesunden Ernährung und mangelnder Bewegung zusammen. Es
handelt sich um eine Zivilisationskrankheit, die sich
momentan immer mehr zur chronischen Volkskrankheit entwickelt. Betroffen sind vor allem Menschen im
höheren Alter, jedoch werden die Patienten zunehmend jünger – einen großen Anteil daran hat der Lebensstil mit weniger Bewegung und ungesunder und
übermäßiger Ernährung. Aufgrund des stetigen Anstiegs der Erkrankten, wird Typ-2-Diabetes von den
Vereinten Nationen mittlerweile als internationale Bedrohung und Epidemie eingestuft. Die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, im Lauf des Lebens selbst mit
Diabetes konfrontiert zu sein – durch eine eigene Erkrankung oder die naher Angehöriger oder Freunde.
Bei Typ-1-Diabetes handelt es sich hingegen um eine
chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem körpereigene Zellen (die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse) angreift und
zerstört. Die Krankheit tritt meist bereits im Kindesoder Jugendalter auf und ist bislang nicht heilbar. Ursache sind genetische Veranlagungen, zudem wird
ein Einfluss von Umweltfaktoren vermutet.
Um den stetigen Anstieg der Typ-2-Diabetes-Zahlen zu bekämpfen, sind Aufklärung und Vorbeugung
von großer Bedeutung, denn man kann selbst vieles
tun, um das eigene Erkrankungsrisiko zu senken.
Mit den vorliegenden Unterrichtsmaterialien sollen
Schülerinnen und Schüler (SuS) bereits frühzeitig
für die Krankheit sensibilisiert und befähigt werden,
selbst präventive Maßnahmen zu ergreifen. So soll
ihre Gesundheitskompetenz, d.h. die Fähigkeit, sich
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Gesundheitsinformationen zu erschließen und auf die
eigene Situation anzuwenden, gestärkt werden.
Die Informationen zu den verschiedenen DiabetesFormen mit ihren individuellen Entstehungsmechanismen sollen zudem zur Entstigmatisierung von Kindern und Jugendlichen (eventuellen Mitschülern) mit
Typ-1-Diabetes beitragen. Sodass SuS die Krankheit
verstehen und auch im Umgang mit eventuellen Notfallsituationen geschult werden.
Inhalt „Die Krankheit Diabetes“:
Verbreitung Typ-2- und Typ-1-Diabetes
Die Krankheit Typ-2-Diabetes
•
Entstehung und klassische Therapie
•
Risikofaktoren und Prävention
•
Diagnose und Risikotest
Die Krankheit Typ-1-Diabetes
•
Entstehung und klassische Therapie
•
Risikofaktoren und Prävention
•
Diagnose und Risikotest
Unterschiede Typ-2- und Typ-1-Diabetes
Verhalten im Notfall
Folgekrankheiten von Diabetes
Verbreitung Typ-2- und Typ-1-Diabetes
Diabetes als Zivilisationskrankheit
In Deutschland gibt es etwa 7,5 Millionen Menschen
mit Diabetes (Stand 2019), somit leidet fast jede/r
Zehnte daran. Mit diesen Zahlen liegt Deutschland
in Europa an zweiter und im weltweiten Vergleich an
neunter Stelle. Laut der Weltgesundheitsorganisation
WHO gibt es weltweit rund 422 Millionen Menschen
mit Diabetes.
Typ-2-Diabetes
Die meisten Diabetiker in Deutschland, etwa 95 Prozent, sind an Typ-2-Diabetes erkrankt. Schätzungen
gehen davon aus, dass damit bei etwa sieben bis acht
Prozent der Erwachsenen ein Typ-2-Diabetes vorliegt
(5,7 bis 6,5 Millionen Menschen). Jedes Jahr wird die
Erkrankung bei rund 500.000 Menschen neu diagnostiziert. Und die Krankheitshäufigkeit (Prävalenz)
steigt kontinuierlich. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Erkrankung durch bessere Diagnostik
früher erkannt wird. Insgesamt geht die Wissenschaft
aber davon aus, dass die Typ-2-Diabetesprävalenz in
den nächsten Jahrzehnten - auch aufgrund des westlichen Lebensstils - weiter steigen wird. Forschende
errechneten 2019 einen Anstieg auf bis zu 12 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes im Jahr 2040.
Betrachtet man das Alter, ist über die Hälfte aller Menschen mit Typ-2-Diabetes älter als 65 Jahre. Daher
wurde die Krankheit früher auch als „Altersdiabetes“
bezeichnet, dies ist jedoch falsch. Zwar erkranken
tatsächlich in erster Linie ältere Menschen, zunehmend sind aber auch immer mehr jüngere Menschen
betroffen. Bei Kindern und Jugendlichen findet man
vor allem die Vorstufen der Erkrankung (gestörte
Glukosetoleranz oder abnormale Nüchternblutzuckerwerte). Die Diagnose Typ-2-Diabetes ist in dieser Altersklasse allerdings relativ selten (0,03 Prozent
bei Jungen und 0,04 Prozent bei Mädchen). Nach
aktuellen Schätzungen des Robert Koch-Instituts
haben insgesamt etwa 950 Jugendliche zwischen elf
und 18 Jahren in Deutschland einen Typ-2-Diabetes.
Auffallend ist auch, dass sich die Häufigkeit von
Typ-2-Diabetes zwischen verschiedenen sozialen
Schichten unterscheidet. So sind Menschen mit niedrigem Bildungsstatus häufiger betroffen als Personen
mit einer guten Bildung.
Typ-1-Diabetes
Kinder und Jugendliche erkranken in Deutschland
vorwiegend an Typ-1-Diabetes. Laut aktuellen Schätzungen sind etwa 32.000 Kinder unter 18 Jahren betroffen. Jährlich wird die Autoimmunerkrankung bei
rund 2.200 der 0- bis 14-Jährigen neu diagnostiziert.
Insgesamt leidet in Deutschland etwa 0,4 Prozent der
Bevölkerung (ca. 367.000 Menschen) an Typ-1-Diabetes, die Hälfte davon erkrankt bereits im Alter von
unter 20 Jahren.
Seit einigen Jahren beobachten Fachleute, dass die
Zahl der Typ-1-Diabetesfälle bei Kindern – insbesondere Kleinkindern – und Jugendlichen zunimmt.
In Deutschland steigt die Rate der Neuerkrankungen
pro Jahr derzeit um drei bis fünf Prozent. Prognosen
zufolge wird dieser Trend auch in Zukunft anhalten. Die Ursachen dieser Zunahme aufzuklären ist
Gegenstand intensiver Forschung. Diskutiert werden
Umweltfaktoren, Ernährung im Säuglingsalter und
andere Einflüsse auf das Immunsystem.
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Die Krankheit Typ-2-Diabetes
Risikofaktoren und Prävention
Diabetes mellitus Typ II: Prävention, Symptome, Typen und ihre
Behandlung, Zusammenhang von Übergewicht und Diabetes
mellitus Typ II: Ernährungs- und Bewegungsverhalten.
Wie oben erwähnt ist Typ-2-Diabetes eine Erkrankung
an deren Entstehung die Gene wesentlich beteiligt
sind. Auch das Alter spielt eine Rolle. Betroffene
sind bei der Erstdiagnose meist über 40 Jahre
alt. Zunehmend erkranken jedoch auch jüngere
Menschen.
Zentrale Risikofaktoren für die Krankheitsentstehung
finden sich jedoch besonders im eigenen Lebensstil:
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen hier
Bewegungsmangel, ungesunde, energiedichte und
ballaststoffarme Ernährung, starkes Übergewicht
und Fettsucht (Adipositas), Rauchen, übermäßiger
Alkoholkonsum oder auch chronischer Stress. Alles
Faktoren also, die man selbst beeinflussen kann, um
sein Typ-2-Diabetesrisiko zu senken.
Entstehung und klassische Therapie
Typ-2-Diabetes ist eine fortschreitende Erkrankung,
die besonders mit Übergewicht, einer ungesunden
Ernährung und mangelnder Bewegung zusammenhängt.
Die Krankheit entsteht auf Grundlage einer sogenannten Insulinresistenz der Körperzellen und einer
gestörten Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Bei einer Insulinresistenz sprechen die
Körperzellen immer schlechter auf die Wirkung des
blutzuckersenkenden Hormons an. Durch diese „Resistenz“ können sie die Glukose aus dem Blut immer
schlechter aufnehmen. Der Blutzucker steigt. Über
lange Zeit kann der Körper eine Insulinresistenz ausgleichen, indem er mehr Insulin freisetzt. Daher ist der
Nüchternblutzuckerwert bei Betroffenen anfangs häufig noch völlig „normal“ oder nur leicht erhöht. Sind die
insulinproduzierenden Zellen aber nicht mehr in der
Lage genügend Insulin bereit zu stellen, entsteht im
Laufe der Zeit Typ-2-Diabetes.
Die Ursachen für die Insulinresistenz bzw. den daraus entstehenden Typ-2-Diabetes sind vielfältig und
bis heute noch nicht vollständig aufgeklärt. Sicher
ist: Eine genetische Veranlagung bildet die Grundlage. Aber besonders der individuelle Lebensstil spielt
eine entscheidende Rolle. Schlechte Ernährung und
wenig Bewegung führen zu Übergewicht, dies wiederum begünstigt die Entstehung von Typ-2-Diabetes.
Erstes Ziel der Therapie ist es daher, den Blutzuckerspiegel vor allem durch Lebensstiländerungen
zu senken, besonders durch Umstellung der Ernährung, vermehrte körperliche Aktivität und Reduktion
des Körpergewichts. Auch die Einnahme von blutzuckersenkenden Medikamenten, zumeist in Form von
Tabletten, ist möglich. Wenn Ernährungsumstellung
und körperliche Bewegung allein oder auch die Behandlung mit antidiabetischen Medikamenten nicht
zum Erfolg führen, wird – besonders bei Patienten die
schon viele Jahre an Typ-2-Diabetes erkrankt sind –
oft eine künstliche Zufuhr von Insulin (Insulintherapie)
notwendig. Auch die regelmäßige Kontrolle des Blutzuckers gehört zur Standardtherapie.
Auch wenn bereits ein Prädiabetes – also eine gestörte Glukosetoleranz – vorliegt, können Primärpräventions-Strategien, wie Lebensstiländerungen, noch
greifen. Internationale Studien konnten zeigen, dass
das Risiko, aus einem Prädiabetes Diabetes zu entwickeln durch relativ einfache Maßnahmen, um bis zu
70 Prozent gesenkt werden kann. Hierzu gehören:
• Gewichtsreduktion um fünf Prozent
• vier Stunden körperliche Aktivität pro Woche, denn
Bewegung sorgt dafür, dass Insulin wieder besser
wirken kann und die energieverbrauchende Muskelmasse zunimmt
• ballaststoffreiche Ernährung (15 g Ballaststoffe pro
1000 Kilokalorien)
• Reduktion der Fettzufuhr auf maximal 30 Prozent
der täglichen Energieaufnahme
• Begrenzung der Aufnahme von gesättigten Fettsäuren auf zehn Prozent der täglichen Kalorienzufuhr
Neben Lebensstilmodifikationen können auch bestimmte Medikamente hilfreich sein, die Primärprävention eines Typ-2-Diabetes zu unterstützen.
Diagnose und Risikotest
Bei vielen Patienten bleibt Typ-2-Diabetes lange Zeit
unerkannt, da sich die Krankheit eher schleichend
entwickelt. Nicht selten fehlen sogar jegliche Symptome oder Betroffene klagen über unklare Beschwerden, die häufig auf ein fortschreitendes Alter bezogen
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werden. Diese Symptome sind z.B.
• Antriebsarmut,
• Konzentrationsschwäche,
• Vergesslichkeit,
• depressive Verstimmungen,
• Müdigkeit,
• Juckreiz,
• Infektionen,
• trockene Haut,
• schlecht heilende Wunden.
Nicht selten wird Typ-2-Diabetes erst aufgrund von
Folge- bzw. Begleitkrankheiten oder durch Zufall,
zum Beispiel beim Gesundheits-Check beim Hausarzt festgestellt. Neben eventuellen Symptomen werden zur Diagnosestellung verschiedene Methoden
zur Bestimmung des Blutzuckerspiegels genutzt (Bestimmung des HbA1c-Wertes, der Nüchternplasmaglukose oder der orale Glukose-Toleranz-Test).
ko auch individuelle Möglichkeiten an, das Erkrankungs-Risiko zu senken. (http://drs.dife.de/)
Neben dem DRT gibt zum Beispiel den international
und national evaluierten FINDRISK („Finde Dein Risiko“), der in neun Sprachen und auch online oder
als PDF zum Download zur Verfügung steht. (https://
www.diabetesstiftung.de/gesundheitscheck-diabetes-findrisk)
Siehe auch:
Kapitel1 Die Zelle als Ziel für Glukose
Kapitel1 Die Bauchspeicheldrüse
Kapitel1 Blutzuckerregulation und Diabetes
Kapitel 3 Prävention: Ernährung und Bewegung
Gerade der orale Glukosetoleranztest (oGTT) ermöglicht eine frühzeitige Diagnose von Typ-2-Diabetes.
Mit diesem Test lässt sich eine gestörte Glukosetoleranz (Prädiabetes) bereits Jahre vor Ausbruch der
Krankheit feststellen. Dabei wird der Blutzuckerspiegel nüchtern sowie zwei Stunden nach dem Trinken
von 75 g Glukose – gelöst in Wasser – gemessen.
Liegt der Blutglukosewert zwei Stunden nach dem
Trinken der Zuckerlösung zwischen 140 mg/dl und
199 mg/dl bei gleichzeitigen Nüchtern-Plasmaglukosewerten unter 126 mg/dl, spricht man von einer gestörten Glukosetoleranz oder einem Prädiabetes. Bei
Werten über 200 mg/dl liegt ein Diabetes vor.
Liegen Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes bei
Verwandten ersten Grades oder ein früherer Schwangerschaftsdiabetes vor, empfehlen Experten schon
jüngeren Patienten und in kürzeren Abständen einen
oGTT.
Das persönliche Risiko innerhalb der nächsten fünf
Jahre an Typ-2-Diabetes zu erkranken, lässt sich
zum Beispiel mit dem DIfE-Deutschen Diabetes-Risiko-Test (DRT) bestimmen. Der Test wurde vom
Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE)
besonders für Personen zwischen 24 und 74 Jahren
entwickelt und zeigt neben dem persönlichen Risi-
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Die Krankheit Typ-1-Diabetes
Entstehung und klassische Therapie
Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter, grundsätzlich kann sie jedoch in
jedem Lebensalter auftreten. Es handelt sich dabei
um eine Autoimmunerkrankung, bei der die körpereigenen insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse (Beta-Zellen) vom Immunsystem
(T-Lymphozyten) angegriffen und zerstört werden.
Das Immunsystem bildet verschiedene Diabetes-assoziierte Autoantikörper; diese dienen als Marker des
Autoimmunprozesses. Letztendlich führt dies zur Zerstörung der Zellen, sodass die Bauchspeicheldrüse
nicht mehr ausreichend Insulin herstellen kann. Hat
die Zerstörung der Beta-Zellen ein bestimmtes Maß
überschritten, bricht die Erkrankung aus.
Da bei Typ-1-Diabetes im Lauf der Zeit fast alle
insulinproduzierenden Zellen verloren gehen, sind die
Betroffenen ihr Leben lang auf eine Insulintherapie,
also die externe Zufuhr des blutzuckersenkenden
Hormons per Spritze, Pen oder Insulinpumpe
angewiesen. So müssen Betroffene (sowohl Typ1-Diabetiker, als auch Typ-2-Diabetiker, die Insulin
benötigen) beispielsweise vor jeder Mahlzeit
berechnen wie viele Kohlenhydrate enthalten sind,
sodass sie vorab die entsprechende Insulinmenge
spritzen können, die der Körper zur Verwertung
benötigen wird. Hierfür wird die sogenannte
Broteinheit (BE) herangezogen, sie ist ein Maß für
den Kohlenhydratgehalt eines Lebensmittels. Eine
BE entspricht zehn bis 12 Gramm Kohlenhydraten.
Schulungen und psychosoziale Betreuung sind
besonders in der Zeit direkt nach der Diagnose
wichtig. Im Gegensatz zu Typ-2-Diabetes spielen bei
Typ-1-Diabetes Antidiabetika in Form von Tabletten
keine Rolle.
Risikofaktoren und Prävention
Warum der Körper die eigenen Zellen angreift, ist bisher nicht geklärt – vermutet wird ein Zusammenspiel
aus Genen und Umwelt. Als sicher gilt, dass Typ-1-Diabetes auf Basis einer genetischen Veranlagung entsteht. Bisher sind mehr als 50 krankheitsrelevante
Genorte bekannt. Gibt es Verwandte mit Typ-1-Diabetes, ist dies mit einem erhöhten Erkrankungsrisi-
ko verbunden. Etwa drei bis acht Prozent der nahen
Verwandten (Kinder oder Geschwister) von Typ-1-Diabetespatienten entwickeln im Laufe ihres Lebens
selbst die Erkrankung. Andererseits haben aber etwa
90 Prozent der Personen mit Typ-1-Diabetes keine
betroffenen Verwandten. Zahlreiche Befunde legen
nahe, dass auch Umweltfaktoren eine wichtige Rolle
bei der Krankheitsentstehung spielen. Diskutiert werden beispielsweise Infektionen mit bestimmten Viren
oder Bestandteile der Ernährung im frühen Säuglingsalter. Daher wird zum Beispiel empfohlen, Getreide
erst nach dem sechsten Lebensmonat in die Ernährung einzuführen.
Im Gegensatz zu Typ-2-Diabetes ist die Entstehung
des Typ-1-Diabetes nicht vom Lebensstil abhängig
und es existieren bisher keine effektiven Präventionsstrategien, die den Ausbruch der Erkrankung sicher
verhindern könnten. Aktuell laufen jedoch Präventionsstudien, die das Ziel haben, z. B. durch die frühzeitige orale oder nasale Gabe von Insulinpulver den
Ausbruch der Krankheit bei Risikokindern zu verhindern. Bis Ergebnisse vorliegen, wird es aber noch viele Jahre dauern.
Siehe auch Kapitel 4 Forschung
Diagnose und Risikotest
Bei der Diagnose des Typ-1-Diabetes spielen
die Symptome eine wichtige Rolle. Anzeichen für
Typ-1-Diabetes sind unter anderem
• starkes Durstgefühl,
• häufiges Wasserlassen,
• allgemeine Abgeschlagenheit
• Gewichtsabnahme.
Diese Symptome können sich bei Typ-1-Diabetes
innerhalb weniger Wochen oder sogar Tagen entwickeln. Denn durch das fehlende Insulin und die
steigende Überzuckerung des Körpers kann relativ
schnell und ohne Vorwarnung eine schwerwiegende
Stoffwechselentgleisung entstehen, eine sogenannte
diabetische Ketoazidose. Eine akute Notfallsituation,
die bis hin zur Bewusstlosigkeit führen kann.
Die Messung des Blutzuckers gehört zur Standarddiagnostik. Hierfür wird heutzutage die Glukose
im venösen Plasma gemessen. Blutplasma ist der
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flüssige Anteil des Blutes, ohne die Blutzellen. Der
orale Glukosetoleranztest spielt bei Typ-1-Diabetes
eine eher untergeordnete Rolle. Die Blutzuckeruntersuchung liefert allerdings erst sehr spät Hinweise
auf geschädigte Beta-Zellen. Denn der Wert steigt an,
wenn etwa 80 Prozent der Zellen zerstört sind, dies
kann erst Monate bis viele Jahre nach Beginn des
Autoimmunprozesses sein.
Der beste diagnostische Marker für die frühe
Diagnose von Typ-1-Diabetes sind daher die bereits
genannten Inselautoantikörper gegen Beta-ZellProteine und Insulin. Damit kann ein beginnender oder
bereits bestehender Autoimmunprozess festgestellt
werden. Sie können häufig schon Jahre vor dem
Ausbruch der Krankheit nachgewiesen werden und
Aussagen über das Risiko und die Geschwindigkeit
einer Diabetesentwicklung liefern. Mittlerweile weiß
man, dass fast alle Kinder, die mindestens zwei
verschiedene Autoantikörper aufweisen, früher oder
später an Typ-1-Diabetes erkranken. Mit Hilfe des
Antikörpertests kann auch zwischen Typ-1- und Typ2-Diabetes unterschieden werden. Das Risiko Typ1-Diabetes zu entwickeln, kann auch mittels eines
Gentests bereits bei Säuglingen bestimmt werden.
So können Kinder identifiziert werden, deren Risiko
mehr als zehn Prozent beträgt, bis zum sechsten
Geburtstag an Typ-1-Diabetes zu erkranken. Dieser
Gentest oder ein Nachweis von Inselautoantikörpern
im Blut bietet die Möglichkeit, Kinder mit einem
erhöhten Risiko für die Entwicklung von Typ-1Diabetes sehr früh zu erkennen. Basierend auf
diesen Früherkennungsmöglichkeiten laufen aktuell
mehrere klinische Studien. Diese haben zum Ziel,
den Ausbruch der Erkrankung bei den oft sehr jungen
Risikoträgern zu verhindern.
Siehe auch:
Kapitel 1 Blutzuckerregulation und Diabetes
Kapitel 1 Die Bauchspeicheldrüse
Kapitel 4 Forschung zu personalisierter Therapie und
Prävention
Unterschiede Typ-2- und Typ-1-Diabetes
Wenn zu viel Zucker im Blut ist – Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Diabetes mellitus Typ I und II (Ursachen, Diagnose
und Maßnahmen zu Intervention und Prävention)
Typ-2-Diabetes
Allgemeines
Typ-1-Diabetes
• 90 bis 95 Prozent aller Menschen mit Diabetes • 5 bis 10 Prozent aller Menschen mit Diabetes
• Entstehung meist im Erwachsenenalter
• Entstehung im Kindes- bis Erwachsenenalter
• eher übergewichtig
• eher normalgewichtig
• Symptome kommen schleichend, oft auch erst • Symptome können schnell und plötzlich
keine Beschwerden
auftreten
• durch Lebensstiländerungen z. T. reversibel
• bislang nicht heilbar
Auslöser
In der Regel lebensstilabhängig (Übergewicht,
Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung) auf
der Basis von erblichen Faktoren
Autoimmunerkrankung (mögliche Ursachen:
genetische Veranlagung, Umweltfaktoren)
Krankheits-
• Insulinresistenz (Insulin kann nicht mehr an
seinen Rezeptor binden)
• Eigenes Immunsystem zerstört die insuli
produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, sodass kein Insulin mehr produziert
wird.
mechanismen
Diagnose
Therapie
• Die Glukose bleibt im Blut, der Blutzuckerspiegel ist erhöht.
• Bauchspeicheldrüse bildet aber weiterhin
Insulin
• Die Glukose bleibt im Blut, der Blutzuckerspiegel ist erhöht.
• Risikokonstellation
• Test auf Inselautoantikörper
• Symptome
• Symptome
• Blutzuckermessung
• Blutzuckermessung
• Umstellung des Lebensstils (gesunde
Ernährung, mehr Bewegung, Gewichtsreduktion)
• Insulin
• orale Antidiabetika
• Insulin
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Verhalten im Notfall
Informationen über Typ-1- und Typ-2-Diabetes: Geeignete Handlungen im Notfall und im persönlichen Leben
Wenn es nicht mehr gelingt den Blutzuckerspiegel
im Normalbereich zu halten, kann es bei Diabetes
mellitus zu akuten Komplikationen wie einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) oder einer Überzuckerung
(Hyperglykämie) kommen. Beide Fälle stellen akute
Notfälle dar, die lebensbedrohlich sein können und
müssen daher schnellstmöglich behandelt werden.
Unter der gebührenfreien Notrufnummer 112 sind
Polizei, Feuerwehr und Notarzt in jedem EU-Mitgliedsstaat von allen Festnetz- und Mobiltelefonen
erreichbar.
Gerade wenn es Mitschüler gibt, die an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, kann es für die Klassengemeinschaft sinnvoll sein zu wissen, wie die Situationen
erkannt werden können und was im Notfall zu tun ist.
Hypoglykämie (Unterzucker):
Der Blutzuckerspiegel sinkt stark ab (unter 54 mg/dl).
Ursachen sind z. B.
• zu hohe Dosis an Insulin oder blutzuckersenkenden Medikamenten,
• unzureichende Nahrungsaufnahme (z. B. vergessene Mahlzeiten) bei gleicher Insulin oder Tablettendosis oder
• ungewohnt hohe körperliche Belastung (z. B.
Sport) bei gleicher Insulin oder Tablettendosis.
Ein erhöhtes Risiko für eine Unterzuckerung besteht
auch nach Alkoholkonsum. Dieser kann mit mehrstündiger Verzögerung den Blutzucker-Spiegel senken.
Mögliche Symptome einer Unterzuckerung:
Schwitzen, Zittern, Herzklopfen, Hunger- und Angstgefühle, Konzentrations- und Sehstörungen, Schwindel und Störungen der Feinmotorik. Wird eine Unterzuckerung nicht rechtzeitig behandelt, kann sie zu
Koma, Krämpfen und sogar zum Tod führen.
Im Notfall: Was tun bei Unterzucker?
Ist die betroffene Person bei Bewusstsein, sollte sie
selbst - oder mit Unterstützung durch anwesende
Personen - Kohlenhydrate einnehmen, die möglichst
schnell ins Blut gehen. Also bevorzugt Glukose z. B.
in Form von Traubenzucker, Limonaden oder Fruchtsaft, Gummibärchen etc. Im Anschluss sollte der Blutzuckerspiegel engmaschig überwacht werden. Steigt
der Wert nicht an, sollte erneut Glukose eingenommen werden.
Bei Bewusstlosigkeit muss sofort ein Notarzt (112)
verständigt werden. Zuckerhaltige Nahrung darf nicht
gegeben werden, da diese in die Luftröhre gelangen
kann! Falls vorhanden können anwesende Personen
eine Glukagon-Spritze verabreichen. Diese wird unter
die Haut oder in den Muskel injiziert. Die Anleitung im
Deckel und im Beipackzettel des Notfallsets zeigt, wie
die Spritze eingesetzt wird.
Glukagon wirkt als Gegenspieler von Insulin und bewirkt, dass die Leber Glukose aus ihren Glukosespeichern freigibt. Dadurch steigt der Blutzucker innerhalb von einigen Minuten an. Sofern ein Arzt vor Ort
ist, wird dieser eine Glukoselösung direkt intravenös
verabreichen.
Hyperglykämie (Überzucker):
Starker Anstieg des Blutzuckerspiegels (über 250 mg/
dl). Dies kann bis hin zu einer sogenannten diabetischen Ketoazidose führen – eine der schwersten
Diabetes-Komplikationen – die auch bei noch unerkanntem Typ-1-Diabetes auftreten kann. Ohne rechtzeitige Behandlung, droht der Übergang in ein diabetisches Koma (schwere Stoffwechselentgleisung mit
tiefer Bewusstlosigkeit).
Ursachen sind meist
• zu geringe (oder vergessene) Insulin-Zufuhr
• technische Probleme bei der InsulinpumpenTherapie
• Infektionen wie fieberhafte Infekte (bes. Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte und Abszesse)
Denn trotz geringem Appetit und reduzierter Nahrungsaufnahme erhöhen fieberhafte Infekte den
Insulinbedarf, sodass die normale Dosierung zu
niedrig sein kann.
In allen Fällen fehlt dem Körper Insulin, wodurch die
Glukose nicht in die Zellen gelangt. Um den Energiemangel auszugleichen, produziert die Leber neue
Glukose, was die Überzuckerung weiter verstärkt.
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Andererseits wird der Fettstoffwechsel negativ
beeinflusst, wodurch vermehrt Substanzen (Ketone)
gebildet werden, die den pH-Wert des Blutes senken,
was letztlich zur Übersäuerung des Blutes führt.
Die Symptome der diabetischen Ketoazidose sind
eine Folge der Reaktionen des Körpers auf Hyperglykämie und Übersäuerung. Warnzeichen einer beginnenden Ketoazidose sind:
• verstärktes Wasserlassen
• verstärkter Durst
• Übelkeit und Erbrechen
• Appetitlosigkeit
• Bauchschmerzen
• Acetongeruch in der Atemluft (Geruch nach
Nagellackentferner oder überreifem Obst)
• vertiefte Atmung
• starke Müdigkeit oder Schläfrigkeit
• Muskelschwäche
• Gewichtsverlust
Im Notfall: Was tun bei Überzucker?
Um einer diabetischen Ketoazidose vorzubeugen
sollten Betroffene während eines Infektes engmaschig
ihren Blutzucker kontrollieren und mittels Teststreifen
den Ketongehalt im Urin ermitteln. So kann bei Bedarf
rechtzeitig die Insulindosis erhöht werden.
Fällt der Ketontest positiv aus und liegen die
Blutzuckerwerte anhaltend über 250 mg/dl, soll
umgehend ärztliche Hilfe gesucht werden. Nur
Medizinerinnen und Mediziner können entscheiden,
ob eine sofortige stationäre Aufnahme erforderlich
oder der Versuch einer ambulanten Behandlung
vertretbar ist.
Siehe auch: Kapitel 4 Moderne Möglichkeiten der
Früherkennung und Therapie
kommen. Ursache sind vor allem Gefäßkrankheiten,
da ein erhöhter Blutzucker die kleinen und großen
Arterien schädigen kann. Menschen mit Diabetes entwickeln schneller Ablagerungen und Veränderungen
in den Blutgefäßen wodurch Durchblutungsstörungen
gefördert werden. Besonders die ersten zehn Jahre
der Diabeteserkrankung und die Einstellung des Blutzuckers bestimmen das Risiko für Folgeerkrankungen. Daher ist es wichtig, veränderte Blutzuckerwerte
rechtzeitig zu erkennen und optimal zu behandeln.
Unter den diabetesbedingten Gefäßkrankheiten unterscheidet man zwischen der Makroangiopathie als
Erkrankung der großen Arterien im Gehirn, am Herzen (Herzkranzarterien) und an den Beinen und der
Mikroangiopathie, die kleine Blutgefäße betrifft und
Schäden an Nieren (Nephropathie), den Netzhäuten
der Augen (Retinopathie) und den Nerven (Neuropathie) zur Folge haben kann.
Folgekrankheiten
anderem:
eines
Diabetes
sind
unter
• Netzhautschäden (bis hin zur Erblindung)
• Nierenschäden
• Herzinfarkt
• Schlaganfall
• Nervenschäden, die Beschwerden in allen inneren
Organen hervorrufen können
• Diabetisches Fußsyndrom (chronische Wunden
und Wundbrand bis hin zur Amputation)
• Sexualstörungen
• Parodontose
Vor allem eine gute Stoffwechseleinstellung trägt
dazu bei, diese Folgekrankheiten eines Diabetes zu
vermeiden. Zudem sollten Betroffene regelmäßig
Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, z. B. beim
Augen- oder Zahnarzt.
Folgekrankheiten von Diabetes: Langfristige Auswirkungen des erhöhten
Blutzuckerspiegels
Was passiert, wenn die Blutzuckerregulation nicht mehr richtig
funktioniert? T1D, T2D
Durch den erhöhten Blutzucker kann es bei Diabetes
mellitus zu vielen verschiedenen Folgekrankheiten
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3. Prävention: Ernährung und Bewegung
Hintergrundinformationen
Ernährungs- und Bewegungsverhalten; Verantwortung gegenüber
dem eigenen Körper; gesundheitsfördernde Handlungsstrategien;
Zusammenhang von Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2: Ernährungs- und Bewegungsverhalten; Ernährungspyramide; Sich
gesundheitsbewusst ernähren; Diabetes als Zivilisationskrankheiten; Ernährungsbedingte Erkrankungen; Einfluss von Bewegung
auf das Diabetesrisiko
Durch die stetig steigenden Zahlen an Typ-2-Diabetes-Erkrankungen entwickelt sich die Erkrankung
mehr und mehr zur chronischen Volkskrankheit und
damit gleichermaßen zu einer gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Herausforderung. Denn Typ-2-Diabetes und seine Folgeerkrankungen beeinträchtigen
nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung sondern
verursachen auch hohe Kosten für das gesamte Gesundheitswesen. Wirksame Präventionsstrategien
sind daher dringend erforderlich.
Im Folgenden soll näher auf Möglichkeiten eingegangen werden, wie man einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung zuvorkommen kann. Schülerinnen und Schüler
(SuS) sollen lernen, dass dies bereits durch relativ
einfache Ernährungs- und Bewegungsmaßnahmen
möglich ist. Denn Typ-2-Diabetes entwickelt sich –
neben einer möglichen genetischen Veranlagung
– besonders durch Risikofaktoren wie Übergewicht,
Bewegungsmangel, Fehlernährung, Rauchen und
Alkoholkonsum. Ein gesundheitsbewusstes Ernährungs- und Bewegungsverhalten kann zudem nicht
nur Diabetes, sondern auch anderen nichtübertrag-
baren Krankheiten, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas oder Krebs vorbeugen. Ziel soll es sein, den SuS zu vermitteln, welche
Verantwortung sie gegenüber ihrem eignen Körper
tragen und wie gesundheitsfördernde Handlungsstrategien für den Alltag aussehen können.
Inhalt „Prävention: Ernährung und Bewegung“:
Ernährung
• Wie beeinflusst die Ernährung das DiabetesRisiko?
• Ernährung: Offizielle Empfehlungen
• Linktipps
Bewegung
• Bewegung und Diabetes
• Bewegung: Offizielle Empfehlungen
• Bewegung im Alltag
Ernährung
Eine bewusste, ausgewogene Ernährung ist zentraler
Bestandteil um Übergewicht bzw. Adipositas und damit auch Typ-2-Diabetes und seinen Folgeerkrankungen vorzubeugen. Auch für Menschen, die bereits an
Typ-2-Diabetes erkrankt sind, gehört die Ernährungstherapie zu den Hauptbehandlungsmaßnahmen.
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Wie beeinflusst die Ernährung das DiabetesRisiko?
https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/
Wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin,
dass bestimmte Ernährungsgewohnheiten die Entwicklung von Typ-2-Diabetes begünstigen. So ist das
Risiko für Typ-2-Diabetes bei Menschen mit hohem
Fleischkonsum (insbesondere rotes Fleisch) deutlich größer. Vermutet wird, dass ein Überangebot an
Eisen, wie auch an Nitrosaminen, die aus Nitrit entstehen, eine Schädigung der insulinproduzierenden
Beta-Zellen begünstigt und damit die Insulinfreisetzung beeinträchtigt.
https://www.dge.de/fileadmin/public/doc/fm/10-Regeln-der-DGE.pdf
Weitere Studien deuten darauf hin, dass sich sowohl
die Gesamtfett- und Kohlenhydrataufnahme als auch
die Fettqualität auf das Diabetesrisiko auswirken:
• Demnach sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren,
wie sie beispielsweise in pflanzlichen Ölen wie Rapsund Sojaöl enthalten sind, gesünder als gesättigte
Fettsäuren.
• Alkohol ist sehr energiereich und trägt sowohl zu
Übergewicht als auch zur Ausbildung einer Fettleber
bei. Diese befördert wiederum eine Insulinresistenz.
• Als gesichert gilt, dass eine hohe Ballaststoffaufnahme etwa aus Getreideprodukten, Obst und Gemüse vor Diabetes schützen kann.
• Starke Kaffeetrinker (4 Tassen täglich) erkranken
statistisch gesehen seltener an Typ-2-Diabetes.
Eine diabetesgerechte Ernährung entspricht daher
weitestgehend einer ausgewogenen vollwertigen
Mischkost, wie sie von der Deutschen Gesellschaft
für Ernährung (DGE) empfohlen wird. Diese liefert
ausreichend, aber nicht zu viel Energie (Kalorien)
und alle lebensnotwendigen Nährstoffe wie Vitamine,
Mineralstoffe, Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Ballaststoffe, sowie sekundäre Pflanzenstoffe.
Ernährung: Offizielle Empfehlungen
Auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse hat die Deutschen Gesellschaft für Ernährung
Ernährungsempfehlungen erarbeitet, die offiziell für
Deutschland gelten. Wie sich die Empfehlungen im
Alltag praktisch umsetzen lassen, zeigen zum Beispiel die „10 Regeln der DGE“:
1. Lebensmittelvielfalt genießen
2. Gemüse und Obst – nimm „5 am Tag“
3. Vollkorn wählen
4. mit tierischen Lebensmitteln die Auswahl
ergänzen
5. gesundheitsfördernde Fette nutzen
6. Zucker und Salz einsparen
7. am besten Wasser trinken
8. schonend zubereiten
9. achtsam essen und genießen
10.auf das Gewicht achten und in Bewegung
bleiben
Die detaillierten Empfehlungen führender deutscher
Fachgesellschaften zur Prävention und Therapie des
Diabetes lauten wie folgt:
Kohlenhydrate, Ballaststoffe und Zucker:
Kohlenhydrate (KH) sind wichtige Energielieferanten
für unseren Körper. Die tägliche Aufnahme sollte zwischen 45 und 60 Prozent der Gesamtenergie liegen.
Auch die Art der KH ist von Bedeutung. Man unterscheidet zwischen Kohlenhydraten, die schnell ins
Blut gehen (z. B. Weißmehlprodukte) und solche, die
langsam aufgenommen werden. Zu letzteren gehören unter anderem ballaststoffreiche Lebensmittel (z.
B. Vollkornprodukte).
Die Aufnahme von freiem Zucker – Einfach- oder
Zweifachzucker wie Haushaltszucker (Saccharose)
oder Glukose - sollten 10 Prozent der Tagesenergie
(maximal 50 g pro Tag) nicht überschreiten.
Vorsicht: Unter „freie Zucker“ fallen auch Zucker, die
verarbeiteten Lebensmitteln zugesetzt sind, wie beispielsweise Fruchtjoghurts, Fertiggerichte oder Fertigsoßen. 100 Gramm Ketchup enthalten z. B. durchschnittlich etwa 22 Gramm Zucker, also ca. sieben
Würfelzucker à drei Gramm. Auch Fruchtsäfte enthalten viel freien Zucker und sind daher nicht als Durstlöscher geeignet.
Bei der Beurteilung von Kohlenhydraten spielt auch
der Glykämische Index (GI) eine Rolle. Der GI, ausge-
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drückt in Prozent, teilt kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel nach ihrer Wirkung auf den Blutzuckerspiegel
ein und ist ein Maß dafür, wie schnell und stark der
Blutzucker – und damit auch die Insulinausschüttung
- nach dem Verzehr des Lebensmittels ansteigt.
• Lebensmittel mit hohem glykämischen Index (GI
70 bis 100, z. B. Weißbrot, Cornflakes, Pommes frites) lassen den Blutzuckerspiegel rasch und hoch
ansteigen, die Insulinantwort verläuft entsprechend.
Durch einen hohen GI fällt die Blutzuckerkonzentration aber auch schnell wieder ab. Insgesamt kann dies
Heißhungerattacken und Fettspeicherung fördern.
• Lebensmittel mit einem niedrigen Glykämischen
Index (GI < 55, z. B. Hülsenfrüchte, Gemüse, Vollkornprodukte) halten länger vor, werden also langsamer verstoffwechselt, wodurch der Blutzuckerspiegel
langsamer ansteigt.
• Als Referenzwert für den GI gilt der Blutzuckerspiegel nach Aufnahme von 50 g Glukose in Form von
Traubenzucker, dieser wird gleich 100 Prozent gesetzt.
Ballaststoffe – also Pflanzenfasern – können vom
Menschen nicht oder nur bedingt verdaut werden.
Trotzdem haben sie wichtige Wirkungen auf den
Stoffwechsel:
• sie bewirken ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl,
• regen die Verdauung an,
• senken die Cholesterinwerte im Blut,
• wirken sich positiv auf die Blutzuckerwerte aus
und beeinflussen eine Insulinresistenz günstig.
Zudem können Ballaststoffe, besonders aus Vollkornprodukten, das Risiko für weitere ernährungsmitbedingte Krankheiten wie Fettstoffwechselstörungen,
Dickdarmkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
senken. Die Ballaststoffaufnahme sollte idealerweise mindestens 30 g pro Tag (oder 15 g pro 1.000
kcal/Tag) betragen. Wichtige Quellen sind vor allem
Vollkornprodukte aber auch Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse oder Samen.
„5 am Tag“
In ihren 10 Regeln empfiehlt die DGE täglich mindestens 5 Portionen Gemüse und Obst zu essen (drei
Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst). Das
entspricht rund 400 g Gemüse und etwa 250 g Obst
täglich. Als Maß für eine Portion eignet sich auch die
eigene Hand, so ergeben sich Mengen, die auf Alter
und Körpergröße abgestimmt sind.
Fette:
Die Gesamtzufuhr von Fett sollte nicht über 35
Prozent der täglichen Energiezufuhr liegen. Doch
Fett ist nicht gleich Fett. So unterscheidet man
zum Beispiel gesättigte, einfach und mehrfach
ungesättigte Fettsäuren. Als „gesundheitsfördernde
Fette“ empfiehlt die DGE bevorzugt pflanzliche Öle (z.
B. Rapsöl) oder Fette aus Nüssen bzw. fettem Fisch.
Denn diese Lebensmittel enthalten viele ungesättigte
Fettsäuren, die die Gesundheit positiv beeinflussen.
Zudem sind einige davon lebensnotwendig, da unser
Körper sie nicht selbst herstellen kann (sog. essentielle
ungesättigte Fettsäuren). Gesättigte Fettsäuren, die
vor allem in tierischen Produkten wie Fleisch oder
Wurst vorkommen und trans-ungesättigte Fettsäuren
(z. B. in Fertiggerichten, Süßwaren oder Gebäck)
sollen eher gemieden und zusammen unter zehn
Prozent der Energieaufnahme liegen.
Vorsicht auch vor „versteckten Fetten“, die in
verarbeiteten Lebensmitteln, wie zum Beispiel Wurst,
Gebäck, Fast-Food oder Fertigprodukten stecken.
Proteine:
Generell können für eine vollwertige Ernährung täglich zehn bis 20 Prozent der Gesamtenergie in Form
von Proteinen (Eiweißen) aufgenommen werden.
Liegt eine Nierenerkrankung vor, z. B. bei Diabetespatienten, wird empfohlen die Proteinaufnahme auf
0,8 g pro kg Normalgewicht pro Tag zu beschränken.
Salz:
Kochsalz sollte moderat eingesetzt werden (maximal
sechs Gramm pro Tag).
Flüssigkeit:
Die DGE empfiehlt täglich etwa 1,5 Liter Flüssigkeit zu trinken. Idealerweise Wasser oder ungesüßte
Getränke wie z. B. Tee. Saftschorlen sollten aus drei
Teilen Wasser und einem Teil Saft bestehen, um als
Durstlöscher in Frage zu kommen. Denn pure Säfte enthalten, wie auch Limonaden oder Eistee, sehr
viel Zucker und sind daher ungeeignet. Auch Alkohol
enthält viele Kalorien. Zudem wirkt sich gerade der
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regelmäßige Konsum negativ auf die Gesundheit
aus, erhöht das Risiko für verschiedene Krebserkrankungen, kann Lebererkrankungen fördern, süchtig
machen und Bauchspeicheldrüse und Herzmuskel
schädigen.
Maximal sollte das Tageslimit für Alkohol für gesunde
Frauen bei zehn Gramm und für gesunde Männer bei
20 Gramm liegen, wobei 20 Gramm Alkohol ungefähr
einer Flasche Bier (0,5 l) bzw. einem Glas Wein (0,2 l)
entsprechen. Trotz allem sollte Alkohol nicht regelmäßig konsumiert werden!
en/health-topics/disease-prevention/nutrition/a-healthy-lifestyle
Kurz zusammengefasst:
• unterstützt die Gewichtsabnahme und vor allem
die Gewichtsstabilisierung
Für eine gesunde Ernährung wird folgende Zusammensetzung empfohlen:
• 45 bis 60 Prozent Kohlenhydrate, (v.a. aus ballaststoffreichen Lebensmitteln)
• 30 bis 35 Prozent Fett, (v.a. Pflanzliche Öle und
Fette mit einfach-ungesättigten Fettsäuren)
• 10 bis 20 Prozent Eiweiß,
• 40 g Ballaststoffe und
• maximal 6 g Salz täglich.
Wie eine abwechslungsreiche und ausgewogene
Ernährung gelingen kann, zeigt auch der „DGE-Ernährungskreis“. Hier finden sich auch beispielhafte
Orientierungswerte, wie viel man von welchen Nahrungsmitteln täglich zu sich nehmen sollte: https://
www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/ernaehrungskreis/
Weitere Linktipps
Bundeszentrum für Ernährung: Die Ernährungspyramide im Unterricht: https://www.bzfe.de/inhalt/
die-pyramide-im-unterricht-933.html
IN FORM - Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung: Ernährung von Kindern
und Jugendlichen https://www.schuleplusessen.de/
fachinformationen/ernaehrung-von-kindern-und-jugendlichen/allgemeines/
KIGGS – Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland https://www.kiggs-studie.
de/deutsch/home.html
WHO: A healthy lifestyle http://www.euro.who.int/
Bewegung
Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt sich in vielerlei Hinsicht positiv auf den Körper aus:
• verbessert den Blutzucker
• senkt den Blutdruck
• senkt den Cholesterinspiegel
• fördert den Aufbau von Muskelgewebe und Abbau
von Fettgewebe
• stärkt das Immunsystem und macht weniger
anfällig für Infektionen
• verbessert den Schlaf
• schützt vor Schlaganfällen und Herzinfarkten
• wirkt sich positiv auf die Knochendichte aus und
beugt Osteoporose vor
• steigert das persönliche Wohlbefinden
• legt den Grundstein für einen aktiven Lebensstil
auch im Alter
• schafft Möglichkeiten sozialer Kontakte.
Neben einem allgemein besseren Gesundheitszustand beugen Bewegung und Sport außerdem auch
einer Vielzahl von Krankheiten vor, darunter Adipositas, Typ-2-Diabetes, Depression, verschiedenen
Krebsarten und auch Herz-Kreislauferkrankungen.
Bewegung und Diabetes
Für Menschen mit Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes,
ist körperliches Training ein wichtiger Teil der Therapie. Denn Sport wirkt zum Beispiel der Insulinresistenz entgegen. In Folge steigt die Glukoseaufnahme
der Zellen, und die erhöhten Blutzuckerwerte sinken.
Auch Menschen mit Typ-1-Diabetes profitieren von
Sport, da es das Herz-Kreislauf-System stärkt und
damit verbundenen Erkrankungen vorbeugt, für die
Menschen mit Diabetes ein erhöhtes Risiko tragen.
Generell können Menschen mit Typ-1-Diabetes ebenso wie Menschen mit Typ-2-Diabetes alle Sportarten
ausüben, wenn sie ihre Blutzuckerwerte entspre-
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chend überwachen. Auch Schulsport ist möglich, sofern die Lehrer informiert sind und die Schüler während des Sports im Auge behalten. Betroffene sollten
aber vor Beginn des Sportprogramms unbedingt mit
ihrem Arzt oder ihrer Ärztin über ihre Sporttauglichkeit
sprechen.
man sich im Alltag mehr bewegen kann:
Bewegung: Offizielle Empfehlungen
• statt Aufzug oder Rolltreppe, die herkömmliche
Treppe nehmen.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt,
dass sich gesunde Kinder und Jugendliche zwischen
fünf und 17 Jahren täglich mindestens 60 Minuten bei
mittlerer (z. B. zu Fuß gehen) bis starker Anstrengung
(z. B. gezieltes Sporttreiben) bewegen sollten. Die
Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) gehen sogar noch einen Schritt weiter. Für
Kinder und Jugendliche zwischen sechs bis 18 Jahren wird eine tägliche Bewegungszeit von mindestens
90 Minuten in mittlerer bis hoher Intensität empfohlen.
60 Minuten davon können laut den BMG-Experten
durch Alltagsaktivitäten, wie z. B. mindestens 12.000
Schritte pro Tag, absolviert werden. Für Erwachsene
spricht sich das BMG für mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche bei mittlerer Intensität, oder 75
Minuten unter starker Anstrengung aus.
Beunruhigend sind hierzu Ergebnisse der KIGGSStudie des Robert Koch-Instituts zur Gesundheit von
Kindern und Jugendlichen in Deutschland: Sie zeigen,
dass in der Gruppe der 3- bis 17-Jährigen gerade
einmal 27,5 Prozent die von der WHO empfohlenen
60 Minuten Bewegung pro Tag erreichen.
• für kleine Besorgungen und kürzere Strecken öfter
mal das Fahrrad nehmen oder flott zu Fuß gehen.
• in öffentlichen Verkehrsmitteln einfach mal eine
Haltestelle früher aussteigen und den Rest der Strecke zu Fuß zurückzulegen.
• auch Hausarbeit bietet genügend Gelegenheit für
körperliche Aktivität. Staub saugen, Fenster putzen,
Rasen mähen…
• regelmäßig Spaziergänge oder Familienausflüge
Eine gute Möglichkeit, mehr Bewegung in den Alltag
zu bringen, kann auch ein Schrittzähler sein, der die
Aktivität aufzeichnet. Er motiviert dazu, deutlich mehr
Schritte zurückzulegen.
Studien zur Bewegung bei Kindern und Jugendlichen
zeigen, dass sowohl individuelle als auch umweltbezogene Faktoren Einfluss auf die körperliche Aktivität
haben. So wirken sich jüngeres Alter, männliches
Geschlecht und ein hoher sozioökonomischer Status
positiv auf das Sporttreiben im Kindes- und Jugendalter aus. Außerdem treiben Kinder und Jugendliche
statistisch häufiger Sport, wenn sich ein gut erreichbarer Sportplatz in Wohnortsnähe befindet oder wenn
auch ihre Eltern sportlich aktiv sind.
Grundsätzlich gilt: Jeder Schritt zählt – möglichst
viele Wege sollten zu Fuß zurückgelegt werden.
Ein zunehmendes Problem ist auch, dass Menschen
immer mehr Zeit im Sitzen verbringen. Zum Beispiel
durch Freizeitaktivitäten wie Fernsehen, Spielen von
Videospielen oder die Nutzung von Smartphone und
Tablet. Generell empfiehlt das BMG die Nutzung von
Medien am Bildschirm so gering wie möglich zu halten. Bei Grundschulkindern sollten es maximal 60 Minuten pro Tag sein, bei Jugendlichen 120 Minuten pro
Tag.
Bewegung im Alltag
Besonders wirkungsvoll ist natürlich gezieltes Training
wie Laufen, Schwimmen, Fußballspielen, Fitnesstraining etc., im Verein oder auch alleine. Daneben
gibt es aber auch eine Reihe von Möglichkeiten wie
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4. Diabetesforschung: Moderne Möglichkeiten
der Früherkennung, Prävention und Therapie
Hintergrundinformationen
Lehrpläne: Funktion von Stammzellen und ihre Bedeutung für die
medizinische Forschung;
Nur wenn es Forscherinnen und Forschern gelingt,
genau zu entschlüsseln, welche Mechanismen und
Risikofaktoren zur Entstehung von Typ-1- und Typ-2Diabetes beitragen, wird man in Zukunft erfolgreiche
Strategien zur Vorbeugung und – so ist zu hoffen –
auch zur Heilung entwickeln können.
Weltweit arbeiten Wissenschaftsteams an möglichen
Präventionsmöglichkeiten
und
therapeutischen
Konzepten um Diabetes zu bekämpfen.
In diesem Kapitel sollen einige ausgewählte
Forschungsprojekte vorgestellt werden. Schülerinnen und Schülern sollen so verschiedene Ansätze
wie z. B. der Einsatz von Stammzellen oder große
Bevölkerungsstudien und ihre Bedeutung für die
medizinische Forschung, näher gebracht werden.
Inhalt „Diabetesforschung: Moderne Möglichkeiten der Früherkennung, Prävention und Therapie“
Verlorene Beta-Zellen ersetzen
• Moderne/alternative Therapieansätze
• Forschung: Regenerative Therapieansätze
Personalisierte Therapieansätze entwickeln
• Epidemiologie: Ursachen und Risikofaktoren
erkennen
• Genetik
• Neue Wirkstoffe
Forschungsansätze zur Früherkennung und
Prävention
Verlorene Beta-Zellen ersetzen
Sowohl bei Typ-1-Diabetes als auch beim fortgeschrittenen Typ-2-Diabetes verlieren insulinproduzierende Beta-Zellen ihre Funktion oder gehen komplett
zugrunde, wodurch kein oder nicht mehr ausreichend
Insulin produziert wird. Medikamente stehen zwar zur
Verfügung, können aber Blutzuckerschwankungen
und damit auch Folgeerkrankungen nicht immer verhindern. Ein wesentliches Ziel der Diabetesforschung
ist es deshalb, verlorengegangene Beta-Zellen zu
ersetzen bzw. die vorhandenen Zellen und ihre
Funktion zu erhalten.
Moderne/alternative Therapieansätze
In der Therapie des Typ-1-Diabetes gibt es bereits
einige moderne Behandlungsansätze, um zerstörte
Beta-Zellen zu ersetzen. Bei Patienten, die mit der
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herkömmlichen Insulintherapie keine ausreichende
Stoffwechselkontrolle erreichen, können diese im Einzelfall auch schon eingesetzt werden. Zwei Methoden
stehen zur Verfügung:
• eine Organtransplantation der kompletten Bauchspeicheldrüse eines Spenders
• oder eine sogenannte Inselzelltransplantation.
Ziel beider Methoden ist es, den Blutzucker durch
eine wiederhergestellte körpereigene Insulinausschüttung zu stabilisieren, so Notfallsituationen und
Diabetes-bedingte Spätfolgen zu vermeiden und
damit auch die Lebensqualität der Betroffenen zu
verbessern. Um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, müssen Betroffene sowohl nach der Organ- als
auch nach einer Inselzelltransplantation lebenslänglich Medikamente einnehmen, die die normale Funktion des Immunsystems unterdrücken. Eine sorgfältige
Nutzen-Risiko-Abwägung ist daher entscheidend.
Die Transplantation der kompletten Bauchspeicheldrüse ist ein relativ großer chirurgischer Eingriff, der
wie alle Operationen gewisse Risiken mit sich bringt.
Im Gegensatz dazu ist die Inselzelltransplantation
ein wenig invasives Verfahren. Bei dieser Methode
werden zunächst die Langerhans’schen Inseln aus
einer Spender-Bauchspeicheldrüse gewonnen. Also
die Zellbereiche, in denen die insulinproduzierenden
Beta-Zellen sitzen. Das Gewebe wird im Labor aufbereitet und entweder durch eine gezielte LeberPunktion oder über einen minimalen Bauchschnitt
(Mini-Laparotomie) in die Pfortader der Leber eingebracht. Dort siedeln sie sich als eine Art Mini-Organ
an und beginnen mit der Insulinproduktion.
Die einmalige Transplantation von Inselzellen reicht
allerdings meist nicht aus, um so viel Insulin herzustellen, dass die Patienten das Hormon nicht mehr
zuspritzen müssen. Daher wird die Methode häufig
stufenweise durchgeführt, mit bis zu drei Präparationen von Inseln mehrerer Spender. In Ländern wie
Deutschland sind Spenderorgane allerdings Mangelware, sodass eine Mehrfach-Transplantation nicht
umgesetzt werden kann. Anstelle einer kompletten
Insulinunabhängigkeit, sind daher die Therapieziele
bei uns von vorne herein eher die Stabilisierung des
Blutzuckerspiegels durch eine einigermaßen ausreichende Insulinproduktion und die Vermeidung von
Unterzuckerungen (Hypoglykämien).
„Bio-Reaktor“ – Die künstliche Bauchspeicheldrüse
Ein relativ neuer Forschungsansatz, der langfristig
eine dritte Option neben Inselzell- und Bauchspeicheldrüsentransplantation werden könnte, sind sogenannte „Bio-Reaktoren“, eine Art künstliche Bauchspeicheldrüse. Neben zahlreichen Arbeitsgruppen
weltweit, arbeitet in Deutschland ein Forscherteam
der Universität Dresden an diesem System.
Grundlage bildet eine Kapsel aus Kunststoff, die nach
außen hin von einer speziellen Teflonmembran abgeschirmt ist und in die insulinproduzierende Inselzellen
eingebracht werden können. Die Membran ermöglicht
den Einstrom von körpereigenen Nährstoffen und
in die Gegenrichtung den Ausstrom des gebildeten
Insulins. Sie verhindert aber, dass Zellen des Immunsystems die körperfremden Inselzellen erreichen,
attackieren und zerstören. Um die Inselzellen optimal
mit Sauerstoff zu versorgen, enthält der Bioreaktor
einen zentralen Sauerstofftank, der von außen über
einen Port befüllt werden kann. Die momentane Version des Bioreaktors ist eine knapp sechs Zentimeter
lange flache Dose, die direkt unter die Bauchdecke
eingesetzt wird .
Dass die transplantierten Zellen in diesem System
vom Immunsystem abgeschirmt sind, bietet gleich
mehrere Vorteile: So würde zum einen die lebenslange Einnahme von Medikamenten gegen Abstoßungsreaktionen entfallen. Zum anderen könnten sogar
tierische Beta-Zellen in den Bioreaktor eingebracht
werden (Xenotransplantation). Diabetespatienten
erhielten bereits vor 90 Jahren von Schweinen und
Rindern gewonnenes Insulin. Auf diese Weise könnte
man auch das Problem der fehlenden Spenderorgane umgehen. In ersten Studien am Tiermodell wurden bereits Bio-Reaktoren mit Schweine-Inselzellen
getestet. Sowohl die Sicherheit als auch die Wirksamkeit des Systems wurden sehr positiv bewertet. Bevor
aus diesem Konzept jedoch eine tatsächliche Therapieoption wird, sind noch viele Fragen in weiteren
Studien zu klären.
Forschung: Regenerative Therapieansätze
Neben der Transplantation insulinproduzierender
Zellen von menschlichen Spendern oder aus
tierischem Gewebe, könnten auch Stammzellen als
Quelle für Transplantate dienen.
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Die Stammzellforschung bzw. die regenerative Forschung ist großer Hoffnungsträger der Diabetes-Forschenden. Ziel ist es, Beta-Zellen aus Stammzellen
herzustellen (Zellersatztherapie) oder verbliebene
Zellen zur Regeneration anzuregen (Regeneration
körpereigener Beta-Zellen).
Zellersatztherapie:
Für die Zellersatztherapie versucht man, im Labor
neue Beta-Zellen aus Stammzellen zu gewinnen um
mit ihnen verlorengegangene Beta-Zellen zu ersetzen.
Stammzellen besitzen einerseits eine hohe Selbsterneuerungsrate und andererseits die Fähigkeit, sich
in beliebige Arten von Körperzellen entwickeln (differenzieren) zu können. Die molekularen Schlüsselmechanismen, durch die Stammzellen zu gewebsspezifischen funktionellen Zellen heranreifen, stehen
im Fokus der Stammzellforschung. Hat man diese
Mechanismen einmal verstanden, soll es möglich
werden, Stammzellen künstlich zu einer bestimmten
Reifung anzuregen.
Neben den molekularen Mechanismen muss man
auch herausfinden, welche Art von Stammzellen sich
besonders gut eignet.
Eine Möglichkeit sind sogenannte pluripotente (von
lateinisch ‚plus‘, mehr, und ‚potens‘, mächtig, fähig)
menschliche embryonale Stammzellen. Sie werden
aus undifferenzierten Zellen des Embryos in einem
frühen Entwicklungsstadium gewonnen und anschließend in Zellkulturen nahezu unbegrenzt vermehrt.
Jedoch gibt es bei diesen Stammzellen große rechtliche und ethische Fragen und Hürden.
Daneben gibt es adulte (erwachsene) gewebespezifische Stammzellen. Diese Vorläuferzellen (z. B.
aus dem Knochenmark) bilden im Körper bestimmte Zelltypen als Ersatz für geschädigtes Gewebe. Im
Vergleich zu embryonalen Stammzellen haben adulte
Stammzellen jedoch eine geringere Teilungsrate und
damit begrenzte Differenzierungsmöglichkeiten.
Die dritte Möglichkeit, auf die Forschende zurzeit
große Hoffnung setzen sind sogenannte induzierte
pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen). Sie entstehen mittels künstlicher Reprogrammierung aus adulten gewebespezifischen Stammzellen, im Falle von
Diabetes aus der Bauchspeicheldrüse. Funktionell
ähneln iPS-Zellen den embryonalen Stammzellen.
Mit ihnen könnten sowohl die ethischen Probleme der
humanen embryonalen Stammzellen umgangen, als
auch individuelle, maßgeschneiderte Therapien entwickelt werden. Für die Entdeckung, dass reife Zellen
in embryonale Stammzellen zurückgewandelt werden
können, wurde 2012 der Nobelpreis für Medizin verliehen.
Eine Therapie mit körpereigenen Zellen kann die Gefahr einer Abstoßungsreaktion deutlich senken und
auch das Problem mit limitierten Spenderorganen
könnte man mit diesem Ansatz umgehen. Allerdings
kann eine Stammzelltherapie auch Risiken mit sich
bringen, z. B. die Gefahr von Tumorbildungen aufgrund der hohen Zellteilungsrate. Daher ist es unerlässlich, die genauen Mechanismen erst intensiv zu
erforschen, bevor Stammzellen tatsächlich in der Behandlung des Diabetes angewendet werden. Wann
dies soweit sein wird, ist bisher nicht absehbar.
Generell würde die Zellersatztherapie vor allem
bei Typ-1-Diabetes in Frage kommen, da hier die
insulinproduzierenden Beta-Zellen durch fehlgeleitete
Immunzellen zerstört werden. Ein Problem ist allerdings, dass eben diese fehlgeleiteten Immunzellen
auch die Ersatzzellen angreifen können. Parallel zu
einer Zellersatztherapie müsste daher auch die Autoimmunität bekämpft werden. In verschiedenen
Therapiestudien werden daher auch Ansätze erprobt,
die Immunreaktion aufzuhalten.
Regeneration körpereigener Beta-Zellen:
Neben der Herstellung neuer Beta-Zellen aus
Stammzellen zielt die „Zellregeneration“ darauf
ab, verbliebene Beta-Zellen wieder zur Funktion
oder zum Wachstum anzuregen. Denn sowohl bei
Typ-1-, aber insbesondere auch bei Typ-2-Diabetes
gibt es Hinweise darauf, dass sich Beta-Zellen
zu einem nicht funktionalen Vorläuferstadium
zurückentwickeln und deshalb kein Insulin mehr
produzieren. Es wird vermutet, dass sie sich aus
diesem Zustand auch wieder erholen können. Die
Betazellfunktion wiederherzustellen ist ein komplexes
Unterfangen, denn man muss verstehen, über
welche Mechanismen das Betazellwachstum und ihre
Funktion reguliert werden.
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Ein Ansatz aus der Forschung ist zum Beispiel, die
vorhandene Betazellmasse zu vergrößern, z. B.
durch wachstumsanregende Botenstoffe. Bei älteren
Menschen ist dies jedoch nahezu ausgeschlossen,
da sich die vorhandenen Zellen im hohen Alter kaum
noch teilen. Zudem birgt ein überschießendes Zellwachstum auch die Gefahr eines Tumorwachstums.
Auch die Bildung von Beta-Zellen aus Vorläuferzellen
für andere Gewebe (zum Beispiel dem Bauchspeicheldrüsengang) wird diskutiert.
Personalisierte Therapie- und
Präventionsansätze entwickeln
Forschende suchen natürlich auch abseits der Regeneration von Beta-Zellen nach neuen therapeutischen Konzepten zur Behandlung von Diabetes.
Ansätze hierfür finden sich in vielen Teilgebieten der
Forschung, von der Genetik über die Immunologie bis
hin zur Epidemiologie. Ziele der Forschung sowohl für
Typ-1 als auch für Typ-2 sind unter anderen:
• Risikofaktoren identifizieren (Gene, Umwelteinflüsse etc.)
• Molekulare Ursachen der Erkrankungen verstehen, um neue Angriffspunkte für Arzneimittel zu
finden und neue Wirkstoffe zu entwickeln
• Biomarker für die frühe Diagnose finden
Epidemiologie: Ursachen und Risikofaktoren
erkennen
Die Epidemiologie befasst sich mit der Verbreitung
und den Ursachen von Krankheiten wie Diabetes in
verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Um herauszufinden, welchen Einfluss Gene sowie Umwelt- und
Lebensstilfaktoren auf die Krankheitsentstehung, den
-verlauf und die -folgen haben, nutzt die Epidemiologie große Bevölkerungsstudien. Dies sind langfristig
angelegte Gesundheitsstudien in die meist mehrere
tausend Menschen in sogenannte Kohorten aufgenommen und regelmäßig zu Folgeuntersuchungen
und -befragungen eingeladen werden. Für die Studienauswertung werden moderne Methoden der klinischen Diagnostik, Genomik, Metabolomik, Mikrobiom-Analyse, Genexpressionsanalysen oder Nutrigenomik herangezogen.
Auch für die Entwicklung vorbeugender Maßnahmen
ist es wichtig herauszufinden, wie die Erkrankung verläuft und welche Gene und Umweltfaktoren die Entstehung des Diabetes sowohl positiv als auch negativ
beeinflussen. Nur wenn man weiß, welche Faktoren
im Zusammenhang mit einem erhöhten Diabetesrisiko stehen, können gezielte Präventionsmaßnahmen
entwickelt werden.
Ein großer Schritt hin zu personalisierten Therapien ist erst kürzlich mit Hilfe großer Kohortenstudien gelungen. Denn es wird aktuell darüber diskutiert, ob man die Diabetes-Typen neu einteilen und
erweitern sollte. 2018 veröffentlichten skandinavische
Forschende eine Studie, auf Basis der Daten von fast
15.000 Patientinnen und Patienten, die im Erwachsenenalter an Diabetes erkrankten. In ihren Untersuchungen zeigten die Studienautoren, dass sich die
Krankheitsbilder und -verläufe stark unterscheiden
können. Anhand sechs verschiedener Parameter
(Alter bei Diagnose, Body-Mass-Index (BMI), Langzeitblutzuckerwert (HbA1c-Wert), Betazell-Funktion,
Insulinsekretion (HOMA2 B), Insulinresistenz
(HOMA2 IR) und Autoantikörper gegen Glutamatdecarboxylase (GADA)) konnten sie die Probanden
in fünf verschiedene Subgruppen einteilen, die sich
hinsichtlich ihres Risikos für diabetesbedingte Folgeschäden unterschieden. Untermauert wird die vorgeschlagene Einteilung durch erste genetische Tests,
die typische Unterschiede zwischen den verschiedenen Subgruppen ergaben.
Anhand der neuen Einteilung ließen sich Komplikationen und die Entwicklung von Diabetes-Spätfolgen
besser voraussagen, so die Autoren. So könnte eine
differenzierte Diabetestherapie, die sich an individuellen Risiken orientiert, möglich werden. Jedoch
müssen zunächst weitere Studien zeigen, ob sich die
Subgruppen tatsächlich bestätigen lassen.
Beispiele für Bevölkerungsstudien zu Diabetes
NAKO Gesundheitsstudie (Nationale Kohorte): Im
Fokus der größten deutschen Bevölkerungsstudie
stehen Volkskrankheiten, darunter auch Typ-2-Diabetes. In die Langzeit-Studie mit einer vorgesehenen
Dauer von 20 bis 30 Jahren sollen deutschlandweit
an insgesamt 18 Studienzentren 200.000 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger zwischen 20 und
69 Jahren umfassend medizinisch untersucht und
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nach ihren Lebensgewohnheiten befragt werden. Die
NAKO ging 2013 an den Start, bis 2018 sollen alle
Teilnehmenden eine Basisuntersuchung erhalten, bis
2022 eine Folgeuntersuchung mit demselben Untersuchungsprogramm. Alle zwei bis drei Jahre werden
zusätzlich Fragebögen verschickt. https://nako.de/
EPIC-Potsdam-Studie: Die European Prospective
Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC)-Potsdam-Studie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam hat zum Ziel, den Einfluss der Ernährung auf die Entstehung von Krebs
und chronischen Krankheiten wie Typ-2-Diabetes
zu erforschen. Die deutsche Studie mit über 27.000
Teilnehmerinnen und Teilnehmern, ist Teil einer europäischen Kohortenstudie mit insgesamt etwa
521.000 Studienteilnehmenden. Die 1994 begonnene EPIC-Potsdam-Studie wurde als Langzeitstudie mit einer Nachbeobachtungszeit von 20 Jahren
konzipiert. http://www.dife.de/forschung/abteilungen/
epic-potsdam-studie.php
KiGGS-Studie: Die „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS)
des Robert Koch-Instituts (RKI) wurde erstmals von
2003 bis 2006 durchgeführt (Basiserhebung). Seit
2009 wird sie als Langzeitstudie fortgeführt. Die Gesundheitsdaten werden dabei sowohl mit Hilfe von
Befragungen als auch mittels medizinischer Untersuchungen, Tests und Laboranalysen erhoben. Zudem
beinhaltet die Studie eine Kohorte: Kinder und Jugendliche der Basiserhebung werden bis ins Erwachsenenalter hinein wiederholt eingeladen, um gesundheitliche Veränderungen im Lebenslauf zu erkennen
und mögliche Ursachen analysieren zu können. Die
KiGGS-Studie gibt zum Beispiel Auskunft darüber,
wie viele Kinder und Jugendliche an Übergewicht,
Adipositas oder Typ-1- bzw. Typ-2-Diabetes erkrankt
sind. https://www.kiggs-studie.de/deutsch/studie.html
TEDDY-Studie: Die internationale TEDDY-Studie
(The Environmental Determinants of Diabetes in the
Young) untersucht den Einfluss verschiedener Faktoren auf die Entstehung von Inselautoimmunität und
Typ-1-Diabetes. Im Fokus stehen genetische Faktoren, aber auch Einflüsse aus der frühen Kindheit wie
Ernährung, Kinderkrankheiten sowie Umwelteinflüsse. Ziel ist es, neue Strategien zu entwickeln, die die
Typ-1-Diabetes-Entstehung verhindern, verzögern
oder sogar rückgängig machen könnten. Über 8000
Kinder mir Risikogenen für Typ-1-Diabetes werden im
Rahmen von TEDDY bis zum 15. Lebensjahr nachuntersucht. https://teddy.epi.usf.edu/
Genetik
Sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetes sind polygenetische Erkrankungen, d.h. an der Krankheitsentstehung sind neben Umweltfaktoren viele verschiedene
Gene bzw. Genvarianten beteiligt, in denen die Baupläne der einzelnen Komponenten des Zuckerstoffwechsels festgelegt sind.
Übergeordnetes Ziel der Genforschung zu Diabetes
ist es, die Ursachen und Entstehungsmuster der Erkrankung aufzuklären. Insbesondere suchen die Forschenden nach neuen Genen als Biomarker, die eine
individuelle Risikovorhersage ermöglichen und die
Diagnose verbessern sollen.
Um den Einfluss von Genen zu untersuchen, stehen
verschiedene Ansätze zur Verfügung:
• Von krankhaft veränderten Körperfunktionen auf
die dafür verantwortlichen Kandidatengene schließen.
• In großen Bevölkerungsgruppen nach Genveränderungen suchen, die sich zwischen Menschen mit
Diabetes und Gesunden unterscheiden.
• Analyse veränderter Gene in speziellen Mausmodellen, um daraus Schlüsse für das menschliche
Genom zu ziehen.
Mit Hilfe von genomweiten Assoziationsstudien konnten allein beim Typ-2-Diabetes schon über 80 Genorte identifiziert werden, die einen Einfluss auf das
Erkrankungsrisiko haben. Die Genveränderungen
beeinflussen unter anderem die Insulinsekretion, die
Körperfettmasse, die Energieaufnahme und den Insulinabbau. Ihre exakte Rolle bei der Krankheitsentstehung muss aber noch eingehender erforscht werden. Auch für Typ-1-Diabetes sind inzwischen über
50 verschiedene Genregionen bekannt, die scheinbar einen Einfluss auf die Immunantwort haben und
mit der Krankheitsentstehung in Verbindung gebracht
werden können.
Wenn es gelänge, Personen mit genetisch bedingt er-
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höhtem Diabetesrisiko zu identifizieren, wäre es möglich, mittels maßgeschneiderter Präventionsmaßnahmen den Ausbruch von Diabetes zu verhindern
oder zumindest hinauszuzögern. Zudem nehmen
bestimmte Genvarianten Einfluss auf die Wirksamkeit
medikamentöser Therapien. Denkbar wäre daher,
diese Therapien auf die individuellen Genvarianten
der Patienten abzustimmen, um eine optimale Wirkung zu erzielen.
Auch die Epigenetik steht im Fokus der Diabetes-Forschung, denn eine genetische Veranlagung alleine
kann nicht verantwortlich sein für den schnellen Anstieg der weltweiten Typ-2-Diabetes-Zahlen. Grundlage der Epigenetik sind chemische Modifikationen an
den Chromosomen, die sich auf die Aktivität einzelner
oder mehrerer Gene auswirken. Die Veränderungen
sind vererbbar, verändern im Gegensatz zu Mutationen aber nicht die DNA-Sequenz, sondern die dreidimensionale Struktur der Chromosomen.
Die Epigenetik gilt als Bindeglied zwischen der
Umwelt und den Erbinformationen, denn es wird
vermutet, dass Umweltfaktoren, Ernährung und Lebensumstände mögliche Auslöser der Veränderungen
am Erbgut sind. Im Mausmodell konnten Forschende
z. B. zeigen, dass durch Ernährung verursachte Fettleibigkeit und Diabetes sowohl über Eizellen als auch
über Spermien epigenetisch an die Nachkommen
vererbt werden können.
Neue Wirkstoffe
Die Suche nach neuen Wirkstoffen ist natürlich ebenfalls ein essentieller Punkt der Diabetesforschung.
Ein aktueller Ansatz in der Behandlung des Typ-2-Diabetes sind z. B. synthetische Hormonmoleküle, die
jeweils die Wirkung von zwei oder drei natürlichen
Darm- oder Bauchspeicheldrüsen-Hormonen gleichzeitig besitzen. So haben Forschende beispielsweise einen Wirkstoff entwickelt, der die Wirkungen der
drei Magen-Darm-Pankreas-Hormone GLP-1, GIP
und Glukagon auf sich vereint. Das Dreifachhormon,
senkt im Tiermodell nicht nur Blutzuckerspiegel, Appetit und Körperfett deutlich, sondern verbessert auch
Leberverfettung, Cholesterinwerte und Kalorienverbrennung – und das noch effektiver als es mit bisher
verfügbaren mono-aktiven oder dual wirksamen Molekülen möglich war.
Forschungsansätze zur Früherkennung
und Prävention
Je früher Diabetes erkannt wird, desto besser, denn
durch eine gute Blutzuckereinstellung kann z. B. das
Risiko für Folgeerkrankungen reduziert werden.
Bei Typ-2-Diabetes können bestimmte Stoffwechselprodukte und Proteine im Blut bereits im Vorstadium
(Prädiabetes) ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes
anzeigen. Mit Hilfe dieser Biomarker sollen einfache
diagnostische Laborverfahren für die Frühdiagnose
von Typ-2-Diabetes entwickelt werden. Wird die Erkrankung früh genug erkannt, kann eine individuell
auf den jeweiligen Stoffwechsel abgestimmte Präventionstherapie – bestehend aus Gewichtsreduktion,
Bewegung und Ernährungsumstellung – greifen und
den Ausbruch einer Typ-2-Diabeteserkrankung stark
verzögern oder gar verhindern.
Präventionsstrategien bei Typ-1-Diabetes
Auch bei Typ-1-Diabetes spielen Biomarker eine entscheidende Rolle für die frühe Diagnose. Denn die
Autoimmunreaktion gegen die Beta-Zellen verläuft
lange Zeit schleichend und ohne Symptome. Allerdings lassen sich die entsprechenden Antikörper (Inselautoantikörper) bereits schon Jahre vor Ausbruch
des Diabetes mittels Blutuntersuchung nachweisen.
Noch früher setzt die genetische Risikobestimmung
ein: Mithilfe eines Gentests kann bereits bei Säuglingen bestimmt werden, ob sie ein erhöhtes Risiko für
die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes tragen.
Aufbauend auf diesen Früherkennungsmöglichkeiten laufen aktuell mehrere klinische Studien, die zum
Ziel haben, den Ausbruch der Erkrankung bei den oft
sehr jungen Risikoträgern zu verhindern. Unter dem
Schlagwort ‚A World Without 1‘ – also eine Welt ohne
Typ-1-Diabetes, haben sich dabei Forschende weltweit zusammengeschlossen.
Der allgemeine Ansatz der Präventionsstudien: Durch
orale Gabe von Insulinpulver (in der Nahrung) soll
dem Immunsystem eine Toleranz gegenüber dem
körpereigenen Insulin antrainiert werden – ähnlich
der Desensibilisierung bei einer Allergiebehandlung.
Dadurch soll die krankmachende Immunreaktion verzögert oder bestenfalls verhindert werden. Das mit
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der Nahrung aufgenommene Insulin hat dabei keinerlei Einfluss auf den Blutzuckerspiegel.
Weitere Ansatzpunkte der Forschung zur Prävention
bzw. Verzögerung von Typ-1-Diabetes sind zum Beispiel auch Wirkstoffe, die das Immunsystem beeinflussen (z.B. Antikörper) und so den Autoimmunprozess unterdrücken sollen.
Auch die Gabe von Insulin per Nasenspray oder
sogar eine Art Impfung, bei der Insulin injiziert wird,
sind Gegenstand aktueller Forschung, mit dem Ziel
Typ-1-Diabetes zu verhindern bzw. zu verzögern.
Bildnachweise:
S. 2 © Helmholtz Zentrum München, S. 7 © Helmholtz Zentrum
München, S. 15 © Clemens Schüssler - Fotolia.com, S. 20 ©
Helmholtz Zentrum München
Quellenverzeichnis:
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Quellen Kapitel 4:
Bundesministerium für Gesundheit: Bewegungsempfehlungen https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-vona-z/b/bewegungsempfehlungen.html
WHO: Physical Activity https://www.who.int/dietphysicalactivity/pa/
en/
WHO: Physical Activity and Health in Europe http://www.euro.who.
int/__data/assets/pdf_file/0011/87545/E89490.pdf?ua=1
Robert Koch-Institut: KIGGS – Studie zur Gesundheit von Kindern
und Jugendlichen in Deutschland https://www.kiggs-studie.de/
deutsch/home.html
Robert Koch-Institut: Sport- und Ernährungsverhalten bei Kindern
und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse aus
KiGGS Welle 2 und Trends. Journal of Health Monitoring · 2018
3(2)
DOI 10.17886/RKI-GBE-2018-065 https://www.rki.de/DE/Content/
Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsJ/Focus/JoHM_02_2018_Sport_Ernaehrungsverhalten_KiGGS-Welle2.pdf?__blob=publicationFile
Helmholtz Zentrum München: Diabetesinformationsdienst
IN FORM - Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und
mehr Bewegung https://www.in-form.de/
© Helmholtz Zentrum München | Fit in Gesundheitsfragen | Erstellungsdatum (09|2019) | Seite 26