Licht als Taktgeber der inneren Uhr
Der menschliche Körper folgt einem biologischen Tagesrhythmus. Die innere Uhr richtet viele körperliche Funktionen wie Metabolismus und Hormonhaushalt am Wechsel von Tag und Nacht aus. Licht beeinflusst diesen Rhythmus. In der Dunkelheit bildet der Körper vermehrt das Hormon Melatonin. Es signalisiert dem Körper, dass Nacht ist, und unterstützt die Vorbereitung auf den Schlaf. Licht am Abend und in der Nacht kann die Melatoninbildung hemmen und die innere Uhr verschieben. Dadurch kann sich der Schlaf-Wach-Rhythmus verändern.
In den vergangenen Jahrzehnten hat die nächtliche Lichtbelastung deutlich zugenommen, vor allem durch künstliche Lichtquellen wie Bildschirme oder Straßenbeleuchtung. In einer aktuellen Langzeitstudie untersuchten Forschende, ob eine Lichtbelastung in der Nacht mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängt.
Erfassung der individuellen Lichtbelastung
Im Rahmen einer prospektiven Beobachtungsstudie werteten die Forschenden die Lichtbelastung von 88.905 Erwachsenen ab 40 Jahren aus. Alle Teilnehmenden trugen 1 Woche lang einen Sensor am Handgelenk, der die individuelle Lichtexposition bei Tag und Nacht erfasste. Danach wurde über einen mittleren Zeitraum von rund 8 Jahren beobachtet, ob Herz-Kreislauf-Erkrankungen neu auftraten. Dazu zählten die Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und Schlaganfall. Die Auswertungen wurden um kardiovaskuläre Risikofaktoren bereinigt, darunter Lebensstil, Schlaf und Übergewicht sowie Vorerkrankungen wie Diabetes und Hypertonie.
Unterschiede nach Alter und Geschlecht
Personen mit der höchsten Lichtbelastung in der Nacht erkrankten häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Personen mit dunklen Nächten. Besonders deutlich war der Zusammenhang für Herzinfarkt und Herzinsuffizienz. Auch das Risiko für Koronare Herzkrankheit, Vorhofflimmern und Schlaganfall war erhöht. Je höher die nächtliche Lichtbelastung war, desto höher war das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Ausmaß der Zusammenhänge variierte je nach Alter und Geschlecht. Bei Frauen und jüngeren Personen war der Zusammenhang mit Herzinsuffizienz stärker ausgeprägt.
Mehr Licht in der Nacht als möglicher Risikofaktor
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Licht in der Nacht ein möglicher Risikofaktor sein könnte. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lassen sich jedoch keine eindeutigen Ursache-Wirkungs-Beziehungen ableiten. Weitere Untersuchungen sind nötig, um zu klären, wie sich Lichtverhältnisse langfristig auf das Erkrankungsrisiko auswirken.
Quellen:
Deutsches Ärzteblatt: Künstliches Licht in der Nacht Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. (Letzter Abruf: 26.01.2026)
Gesundheitsinformation.de: Wie wird der Schlaf gesteuert? (Letzter Abruf: 26.01.2026)
Windred, D. P. et al.: Light Exposure at Night and Cardiovascular Disease Incidence. In: JAMA Netw Open, 2025, 8: e2539031



