Menstruationszyklus und Insulinempfindlichkeit bei Diabetes Typ 1
Vereinfacht lässt sich der Menstruationszyklus in 2 Abschnitte einteilen: Die sogenannte Follikelphase beginnt mit dem 1. Tag der Menstruation und endet mit dem Eisprung. Die 2. Zyklushälfte wird als Lutealphase bezeichnet und reicht vom Eisprung bis zur nächsten Menstruation.
Die Insulinempfindlichkeit, auch Insulinsensitivität genannt, beschreibt, wie empfindlich der Körper auf Insulin reagiert. Frühere Studien deuten auf zyklusabhängige Veränderungen hin. Wie sich der Menstruationszyklus auf die Blutzuckerregulation und den Insulinbedarf bei Frauen mit Typ-1-Diabetes auswirkt, ist jedoch noch nicht vollständig erforscht.
AID-Systeme (engl.: Automated Insulin Delivery) verbinden eine kontinuierliche Glukosemessung (CGM, engl.: Continuous Glucose Monitoring), mit einer Insulinpumpe. Ein Algorithmus passt die Insulinabgabe automatisch an die gemessenen Zuckerwerte an. Doch nicht alle Faktoren, die den Insulinbedarf beeinflussen, werden von den Systemen berücksichtigt. Dazu können auch zyklusabhängige Veränderungen gehören.
Beobachtungsstudie mit Daten aus 380 Menstruationszyklen
Ein internationales Forschungsteam wertete die Daten von 77 Frauen mit Typ-1-Diabetes aus den USA aus. Das mittlere Alter lag bei 35,1 Jahren. Alle nutzten ein AID-System und gaben an, einen regelmäßigen Menstruationszyklus zu haben. Insgesamt wurden 380 Zyklen analysiert.
Erfasst wurden CGM-Daten sowie Daten zur Insulinabgabe, zur Kohlenhydrataufnahme und zum Menstruationszyklus. Die Insulinsensitivität wurde mithilfe eines mathematischen Modells aus diesen Daten geschätzt.
In der 2. Zyklushälfte sank die Insulinsensitivität
Die Auswertung zeigte ein zyklusabhängiges Muster: Die berechnete Insulinsensitivität war in der frühen Follikelphase am höchsten und in der mittleren Lutealphase am niedrigsten. In der 2. Zyklushälfte waren sowohl der Insulinbedarf als auch die Kohlenhydrataufnahme höher als zu Beginn des Zyklus.
Trotz der höheren Insulinabgabe lagen die durchschnittlichen Blutzuckerwerte in der 2. Zyklushälfte etwas höher und die Teilnehmerinnen verbrachten weniger Zeit im Zielbereich von 70 bis 180 mg/dl (3,9 bis 10,0 mmol/l). Die AID-Systeme konnten die zyklusabhängigen Veränderungen des Insulinbedarfs nicht vollständig ausgleichen. Wie stark diese ausgeprägt waren, unterschied sich deutlich von Frau zu Frau.
Ergebnisse nur eingeschränkt übertragbar
Die Ergebnisse sprechen für zyklusabhängige Veränderungen der Insulinsensitivität, des Insulinbedarfs und der Blutzuckerregulation bei Frauen mit Typ-1-Diabetes. Daraus lassen sich jedoch keine allgemeinen Empfehlungen zur Anpassung der Insulindosis ableiten.
Zu berücksichtigen ist, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Daher sind keine eindeutigen Aussagen zur Ursache und Wirkung möglich. Zudem wurden die Zyklusdaten von den Teilnehmerinnen selbst dokumentiert, der Eisprung teilweise rechnerisch geschätzt und mögliche Einflussfaktoren wie Bewegung, Stress, Schlaf oder Erkrankungen nicht vollständig erfasst.
Weitere Forschung ist nötig, um zu klären, wie zyklusabhängige Veränderungen künftig besser bei der Diabetes-Behandlung und bei der Weiterentwicklung von AID-Systemen berücksichtigt werden können.
Quelle:
Hossmann, S. et al.: Effects on Menstrual Cycle on Insulin Sensitivity in Type 1 Diabetes: An Observational Study of Individuals Using an Automated Insulin Delivery System. In: Diabetes Care, 2026, 49: 1673-1689



