Blick durch eine Lupe auf mehrere Viren und Bakterien über hingehaltenen Händen.

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Folgeerkrankungen

Infektionsrisiko bei Diabetes deutlich erhöht

Wissenschaftliche Unterstützung: Gidon Bönhof

Um sich vor schweren und gefährlichen Infektionen zu schützen, sind Prävention, Früherkennung und eine schnelle Behandlung für Menschen mit Diabetes besonders wichtig, denn sie sind anfälliger für Infektionen. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Bevölkerungsstudie in den USA, bei der die Teilnehmenden über 3 Jahrzehnte beobachtet wurden.

Dass Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, ein erhöhtes Infektionsrisiko haben, ist bereits aus vorherigen Studien mit kürzerer Dauer bekannt. Innerhalb der ARIC (Atherosclerosis Risk in Communities)-Studie wurde nun der Zusammenhang zwischen dem Vorliegen von Diabetes und dem Risiko für eine Hospitalisierung aufgrund von Infektionen aller Art sowie im Besonderen von diabetesassoziierten Infektionen, untersucht. Dabei zeigt sich, dass Menschen mit Diabetes häufiger als stoffwechselgesunde Menschen infolge einer Infektion im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das gilt für fast alle Infektionskrankheiten, jedoch insbesondere für Fußinfektionen.

 

Mehr als 12.000 Menschen über 3 Jahrzehnte beobachtet

In den Jahren 1987 bis 1989 wurden die Teilnehmenden (Durchschnittsalter: 55 Jahre) im Rahmen der Studie untersucht und unter anderem zu ihrem Diabetes-Status befragt. Anschließend wurden bis 2019 alle im Krankenhaus behandelten Infektionen registriert und mit dem angegebenen Diabetes-Status in Zusammenhang gebracht. Im Schnitt betrug die Beobachtungszeit 24 Jahre.

In die Analyse eingeschlossen wurden die Daten von 12.379 Frauen und Männern, von denen 1.485 zu Studienbeginn eine Diabetes-Erkrankung aufwiesen. Insgesamt wurden während des Beobachtungszeitraums 4.229 erstmalige Krankenhausaufenthalte aufgrund einer Infektion registriert.

 

Bei Diabetes steigt das Infektionsrisiko

Nach der Adjustierung für weitere Risikofaktoren – wie etwa Rauchen, niedriges Haushaltseinkommen oder schlechte Blutfettwerte – zeigte sich, dass das Risiko für eine Hospitalisierung aufgrund einer Infektion bei Menschen mit Diabetes im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes fast um das 1,7-fache erhöht war. Besonders hoch war das Hospitalisierungsrisiko bei jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit einer Infektion.

Dabei wiesen Patientinnen und Patienten mit Diabetes für beinahe alle Infektionsarten, zum Beispiel postoperative, Harnwegs- und Atemwegsinfektionen, ein höheres Risiko für eine Behandlung im Krankenhaus auf als stoffwechselgesunde Personen. Um fast das 6-fache erhöht war das Hospitalisierungsrisiko bei Infektionen im Fußbereich, eine häufige diabetesbedingte Folgeerkrankung.

Auch das Risiko infolge einer Infektion zu sterben war für Menschen mit Diabetes im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes-Erkrankung um das 1,7-fache erhöht.

 

Prävention stärken – Behandlungsempfehlungen ausbauen

Um die Gefahr einer schweren und möglicherweise tödlichen Infektion zu mindern, müssen sowohl die Infektionsprävention und Früherkennung als auch die schnelle Behandlung von Infektionen bei Menschen mit Diabetes verbessert werden, so die Forderung des US-amerikanischen Forschungsteams. Schützen können sich Menschen mit Diabetes beispielsweise durch eine adäquate Blutglukosekontrolle und Impfungen, etwa gegen Grippeviren oder Pneumokokken.

 

Quellen:
Ärzteblatt online: Diabetes steigert Risiko auf schwere und tödliche Infektionen. Artikel vom 02. September 2021 (Letzter Abruf: 17.11.2021)
Fang, M. et al.: Diabetes and the risk of hospitalisation for infection: the Atherosclerosis Risk in Communities (ARIC) study. In: Diabetologia, 2021, 64: 2458-65