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Forschung

KI zeigt, wie Adipositas sich auf den gesamten Körper auswirkt

Forschende haben eine neue KI-gestützte Plattform entwickelt. Mit dieser Methode lassen sich krankheitsbedingte Veränderungen im gesamten Körper von Mäusen sehr detailliert untersuchen. Das System mit dem Namen „MouseMapper“ kann verschiedene Organe und Gewebe gleichzeitig analysieren und nutzt dafür Informationen aus Nerven- und Immunzellen.

 

Adipositas beeinflusst den gesamten Körper 

Die Ergebnisse zeigen: Adipositas wirkt sich nicht nur auf den Stoffwechsel aus. Die Erkrankung verändert viele Organsysteme im Körper. Dazu gehören das Immunsystem, die Nerven- und die Gewebestruktur. Dadurch steigt das Risiko für weitere Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, kardiovaskuläre ErkrankungenSchlaganfälle, Nervenschäden und Krebs. 

 

Ganzkörper-Analyse mit KI 

Bislang war es schwierig, Veränderungen im gesamten Körper gleichzeitig und in hoher Auflösung zu untersuchen. „MouseMapper“ schließt diese Lücke. Die Plattform nutzt Methoden des maschinellen Lernens, um biologische Bilddaten auszuwerten. Sie erkennt automatisch verschiedene Organe und Gewebearten und kann deren Zustand analysieren. 

Für die Untersuchungen wurden zunächst die Nerven- und Immunzellen von Mäusen unter dem Mikroskop sichtbar und anschließend ihr gesamter Körper mithilfe spezieller Techniken durchsichtig gemacht. So konnten Forschende das Innere des Körpers 3-dimensional untersuchen. Dabei entstanden sehr große Datensätze mit vielen Millionen Zellstrukturen. 

Die KI wertete diese Daten aus und zeigte, wo im Körper Entzündungen und Schäden auftreten. 

 

Deutliche Veränderungen bei Adipositas 

Um die Auswirkungen von Adipositas zu untersuchen, erhielten Mäuse eine fettreiche Ernährung. Dadurch entwickelten sie eine Form der Erkrankung, die der beim Menschen ähnelt. 

Die Analysen zeigten weitreichende Veränderungen im gesamten Körper. Besonders auffällig waren Veränderungen an einem wichtigen Gesichtsnerv, dem sogenannten Trigeminusnerv. Dieser ist unter anderem für das Empfinden von Reizen im Gesicht zuständig. 

Bei adipösen Mäusen hatten diese Nerven weniger Verzweigungen und Endigungen. Dies deutet darauf hin, dass ihre Funktion eingeschränkt ist. Passend dazu reagierten die Tiere schwächer auf sensorische Reize. 

 

Hinweise auch beim Menschen 

Zusätzlich untersuchten die Forschenden das Trigeminusganglion. In dieser Struktur befinden sich die Zellkörper der entsprechenden Nervenzellen. Dabei fanden sie Veränderungen auf molekularer Ebene, die mit Entzündungen und Umbauprozessen der Nerven zusammenhängen. 

Ähnliche molekulare Merkmale fanden sich auch im Gewebe von Menschen mit Adipositas. Dies weist darauf hin, dass die beobachteten Veränderungen nicht nur bei Mäusen auftreten, sondern auch beim Menschen vorkommen können. 

 

Bedeutung für die Forschung 

Die neue Methode ermöglicht es, Krankheiten als Ganzkörper-Erkrankungen zu betrachten. Das ist besonders wichtig bei Erkrankungen wie Adipositas, die mehrere Organsysteme gleichzeitig betreffen. 

Die Plattform könnte auch bei der Erforschung anderer Erkrankungen helfen, etwa Diabetes, Krebs oder neurodegenerative Krankheiten. Sie macht sichtbar, wo im Körper krankheitsbedingte Veränderungen auftreten. 

Die erhobenen Daten wurden öffentlich zugänglich gemacht. So können Forschende weltweit diese Informationen nutzen und weiter auswerten. 

 

Quellen: 

Helmholtz Munich: KI-Atlas deckt verborgene Ganzkörperschäden durch Adipositas auf. Pressemitteilung vom 20. Mai 2026 

Kaltenecker, D. et al.: A deep-learning framework reveals whole-body perturbations at cell level. In: Nature, 2026 (online)