Ein Mädchen und seine Mutter umarmen sich lachend.

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Gestationsdiabetes

Können Stoffwechselmuster auf das Kind übertragen werden?

Wissenschaftliche Unterstützung: PD Dr. Sandra Hummel

Ein Gestationsdiabetes der Mutter kann das Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes bei den Nachkommen erhöhen. Welche Rolle Gene, Lebensstil und Umwelt dabei spielen, ist jedoch nicht eindeutig geklärt. Neue Erkenntnisse über mögliche Zusammenhänge liefert eine Studie zum metabolomischen Profil.

Der Begriff Metabolom umfasst mehr oder weniger alles, was mit dem Stoffwechsel zu tun hat. Dazu gehören auch die Metabolite als Zwischenprodukte von Stoffwechselvorgängen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben Metaboliten-Profile bei Müttern nach Gestationsdiabetes und deren Nachkommen analysiert. Dabei machten sie eine wichtige Entdeckung.

Großes Spektrum an Metaboliten bei Müttern und ihren Kindern untersucht

An der Studie nahmen 48 Mütter und deren Kinder teil. Alle Mütter hatten ihre Nachkommen mit Gestationsdiabetes entbunden. Die Untersuchung wurde rund 8 Jahre nach der Geburt durchgeführt, das heißt die meisten Kinder waren zum Zeitpunkt der Datenerhebung etwa 8 Jahre alt. Während eines Glukosebelastungstests wurde allen Müttern und ihren Kindern Blut entnommen. In den Plasmaproben untersuchten die Forschenden jeweils 137 Metabolite. Außerdem erhoben sie Angaben zum Body-Mass-Index (BMI), zu den Ernährungsgewohnheiten und zur körperlichen Aktivität der Studienteilnehmenden.

Tatsächlich zeigte die Analyse der Plasmaproben rund 8 Jahre nach der Geburt Übereinstimmungen zwischen den Müttern und ihren Kindern. Dies betraf folgende 6 Metabolite: freies Carnitin, die biogenen Amine Taurin und Kreatinin, die Aminosäure Prolin, das Sphingolipid SM (OH) C14:1 sowie das Glycerophospholipid PC ae C34:3.

Die beobachteten Gemeinsamkeiten bei den Metaboliten zwischen den Generationen waren unabhängig von BMI, Insulinsensitivität, Alter und Geschlecht. Die Studie bestätigte zudem, dass Kinder von Müttern mit Übergewicht ebenfalls höhere BMI-Werte aufwiesen. Ebenso korrelierte das Ausmaß der Insulinsensitivität zwischen den Müttern und ihren Nachkommen. Hingegen zeigten sich bei der körperlichen Aktivität und der Ernährungsweise in Bezug auf die Aufnahme von Energie, Proteinen, Kohlenhydraten, Ballaststoffen und Fetten sowie in Bezug auf die glykämische Last kein Zusammenhang zwischen den Generationen.

Möglicherweise langfristige Programmierung der metabolischen Gesundheit

Interessanterweise wurden die korrelierten 6 Metabolite bereits in früheren Studien mit der Stoffwechselgesundheit und der Entstehung von Fettleibigkeit und/oder Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Hinweise, dass die generationsübergreifend beobachteten Ähnlichkeiten bei den Metaboliten auf ein gemeinsames Lebensstilverhalten zurückzuführen sind, gab es nicht.

Frühere Studien fanden hingegen bereits zum Zeitpunkt der Geburt eine ähnliche Stoffwechselantwort für 3 der 6 Metabolite. Die Autorinnen und Autoren der Studie folgern deshalb aus ihren Ergebnissen, dass Mütter mit Gestationsdiabetes und ihre Kinder bereits zum Zeitpunkt der Geburt Gemeinsamkeiten bei einigen Stoffwechselmustern zeigen, die scheinbar langfristig bestehen bleiben. Dies bestätigen die Ergebnisse 8 Jahre nach der Geburt. Somit liegt es nahe, dass bei Nachkommen von Müttern mit Gestationsdiabetes eine langfristig bestehende Stoffwechselprogrammierung vorliegt.


Quelle:
Ott, R. et al.: Intergenerational Metabolomic Analysis of Mothers with a History of Gestational Diabetes Mellitus and Their Offspring. In: Int J Mol Sci, 2020, 21: 9647