Ein älterer Mann greift sich an den Kopf und schaut verwirrt auf einen Kalender.

© HighwayStarz / Fotolia

Nachrichten
Folgeerkrankungen

Lassen die kognitiven Fähigkeiten bei Typ-1-Diabetes mit dem Alter nach?

Wissenschaftliche Unterstützung: Maximilian Huttasch

In einer Langzeitstudie wiesen Menschen mit Typ-1-Diabetes im späten Erwachsenenalter zunehmend kognitive Beeinträchtigungen in Bezug auf die Gedächtnisfunktion sowie die psychomotorische und geistige Funktion auf. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der abnehmenden kognitiven Leistung und höheren Blutglukose-Langzeitwerten (HbA1c) sowie Bluthochdruck (Hypertonie).

 

Kohorte über mehr als 3 Jahrzehnte beobachtet

In der Studie Epidemiology of Diabetes Interventions and Complications (EDIC) beobachtete ein Forschungsteam die kognitiven Funktionen von 1.051 Teilnehmenden mit Typ-1-Diabetes über einen Zeitraum von durchschnittlich 32 Jahren. Zusätzlich wurden der HbA1c-Wert, das Auftreten von schweren Hypoglykämien, Hypertonie sowie mikro- und makrovaskuläre Komplikationen erfasst. Am Ende des Beobachtungszeitraums waren die Teilnehmenden durchschnittlich 59 Jahre alt.

 

Kognitive Fähigkeiten werden auch für das Diabetes-Management benötigt

In den kognitiven Tests wurden unter anderem die Konzentrationsfähigkeit, die Einhaltung von Regeln, das Planen von bestimmten Handlungen sowie ihr schnelles Ausführen und die Kontrolle der Richtigkeit dieser Handlungen sowie die entsprechende Korrektur von Fehlern und die Abspeicherung der enthaltenen Informationen im Gedächtnis überprüft. Das Forschungsteam weist darauf hin, dass diese Fähigkeiten zum Beispiel auch für den Umgang mit Typ-1-Diabetes sowie die Ausübung komplexer Arbeitsaufgaben und beim Autofahren benötigt werden.

 

Gedächtnisleistung nimmt mit Ende 50 ab

Die Langzeituntersuchung zeigte, dass die Gedächtnisleistung sowie psychomotorische und geistige Fähigkeiten mit zunehmendem Alter nachlassen. Das war bei den Studienteilnehmenden insbesondere in den späteren Beobachtungsjahren der Fall. In den Beobachtungsjahren 18 bis 32 war der Verlust der psychomotorischen und geistigen Fähigkeiten etwa 5-mal so groß wie in den Beobachtungsjahren 1 bis 18.

Zudem ergab die Auswertung, dass diabetesbedingte Folgeerkrankungen wie kardiovaskuläre Erkrankungen, Retinopathie, Nephropathie und Neuropathie ebenfalls zu einer weiteren Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten beitragen können.

 

Risikofaktoren beschleunigen kognitive Beeinträchtigung

Auch erhöhte HbA1c-Werte, häufiges Auftreten schwerer Hypoglykämien und erhöhter systolischer Blutdruck, beschleunigten die Abnahme der kognitiven Leistung. Studienteilnehmende, die diese 3 Risikofaktoren aufwiesen, waren am Ende der Untersuchung hinsichtlich des altersbedingten Rückgangs der kognitiven Leistungen vergleichbar mit 9 Jahre älteren Studienteilnehmenden, die diese Risikofaktoren nicht aufwiesen. Bei der letzteren Gruppe von Patientinnen und Patienten ergaben sich im Untersuchungszeitraum keine psychomotorischen und geistigen Beeinträchtigungen.

 

Risikokontrolle wirkt sich positiv aus

Die vorliegende Langzeitstudie verdeutlicht, dass eine adäquate Blutglukosekontrolle und die Prävention von Bluthochdruck Menschen mit Typ-1-Diabetes nicht nur vor diabetesbedingten Folgeerkrankungen wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen schützt, sondern sich auch positiv auf die kognitiven Funktionen auswirkt.
 

Quelle:
Jacobson, A. M. et al.: Cognitive performance declines in older adults with type 1 diabetes: results from 32 years of follow-up in the DCCT and EDIC Study. In: Lancet Diabetes Endocrinol, 2021, 9: 436-445