Wissenschaftlerin hält 3D-Modell eines Gehirns in Händen

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Risikofaktoren senken – geistig leistungsfähig bleiben

Wissenschaftliche Unterstützung: Dr. Stephanie Kullmann

Hoher Blutdruck, Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte und Übergewicht – die klassischen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – sind auch schlecht für die geistige Fitness. Eine neue Studie zeigt, dass die kardiovaskulären Risikofaktoren schon im mittleren Lebensalter die Struktur des Gehirns und, damit einhergehend, die Denk- und Merkfähigkeit beeinflussen können. Durch eine Senkung der Risiken lässt sich dies verhindern.

Um herauszufinden, wie sich Risikofaktoren auf die kognitiven Funktionen des Gehirns auswirken, und wie sich der geistige Abbau vermeiden lässt, wertete ein interdisziplinäres Forscherteam aus Oxford in Großbritannien Gesundheitsdaten von 22.059 gesunden Erwachsenen aus. Von allen lagen detaillierte medizinische Untersuchungen und MRT-Bilder des Gehirns vor. Die Informationen stammten aus der UK Biobank, einer Einrichtung, die anonymisierte Gesundheitsdaten von Freiwilligen archiviert.

Mit Hilfe statistischer Modelle suchten die Forschenden in dieser Kohorte nach Korrelationen zwischen kardiovaskulären Risikofaktoren, den getesteten kognitiven Leistungen und dem Zustand des Gehirns. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der grauen und weißen Substanz, also den Nervenzellen und den Nervenfasern. Deren Unversehrtheit im frontoparietalen Netzwerk des Gehirns ist entscheidend für die geistige Leistungsfähigkeit.

Die Auswertungen machen deutlich, dass erhöhte Risikofaktoren mit einer Veränderung im Gehirn beziehungsweise der kognitiven Leistung einhergehen.  Die Forschenden zeigten diesen Zusammenhang am Beispiel von Bluthochdruck auf: Bei der Kohorte mit erhöhten Blutdruckwerten, die diese mit Medikamenten auf etwa 140 mmHg gesenkt hatte, waren statistisch keine Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit festzustellen. Bei Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern mit höherem Blutdruck war die Denk- und Gedächtnisleistung geringfügig, jedoch statistisch signifikant vermindert.

Blutdruck-Kontrolle bereits im mittleren Alter schützt das Gehirn

Interessanterweise treffen die negativen Effekte eines zu hohen Blutdrucks nicht alle Altersgruppen im gleichen Maße: So führt dieser im Mittel bei 44-Jährigen bis 69-Jährigen zu leichten geistigen Einschränkungen, bei den über 70-Jährigen jedoch nicht. 

Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit zeigten in der Studie auch Personengruppen mit anderen Risikofaktoren, beispielsweise Menschen mit Diabetes, so die Autoren der Studie.

Sie folgern daraus, dass gerade in einer alternden Gesellschaft eine Verringerung der kardiovaskulären Risikofaktoren zu empfehlen ist. Ein Absenken des Blutdrucks auf unter 140 mmHg bereits im mittleren Alter beispielsweise hilft Menschen ihre kognitiven Leitungen zu erhalten und langfristig das Demenzrisiko zu senken.
 

Quellen:
Veldsman, M. et al.: Cerebrovascular risk factors impact frontoparietal network integrity and executive function in healthy ageing. In: Nature Communications, 2020, Article number 4340
Science Alert: High Blood Pressure And Diabetes Could Alter Brain Structure, Slowing Down Cognition. Artikel vom 8. September 2020