Forschung bei Diabetes

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Barbara Ludwig

Gibt es neue Forschungsansätze in der Diabetes-Therapie? Hier finden Sie eine Auswahl an häufig gestellten Fragen zum Thema Diabetes-Forschung, mit denen Ihnen Patientinnen und Patienten in der Praxis möglicherweise begegnen. 

Wie sind die Perspektiven der Betazell-Regeneration bei Diabetes Typ 1?

Betazell-Regeneration im engeren Sinne bedeutet, die durch die Autoimmunerkrankung zerstörten Betazellen wieder zu reaktivieren beziehungsweise Vorläuferzellen zur Differenzierung anzuregen. Zu diesem Forschungsfeld gibt es einige spannende Ansätze, allerdings ist es sicherlich noch sehr weit von einer klinischen Testung entfernt.

Im weiteren Sinne versteht man unter Betazell-Regeneration häufig auch die Forschungsansätze im Bereich „Betazell-Ersatztherapie“.

Klinisch verfügbar sind nach wie vor nur die Pankreas- und Inseltransplantation. Wie jeder chirurgische Eingriff bringen diese Verfahren verschiedene Risiken mit sich und es bedarf einer sehr genauen Nutzen-Risiko-Abwägung. Ein weniger invasives Verfahren ist die Inselzelltransplantation. Hier werden aus Spenderorganen Langerhans-Inseln gewonnen. Dieses Gewebe wird im Labor aufbereitet und in die Leber des Patienten oder der Patientin eingebracht. Hier siedeln sich die Zellen als eine Art Mini-Organ an und beginnen mit der Insulinproduktion. Eine Transplantation des kompletten Organs sowie der extrahierten Inselzellen zieht aber immer eine lebenslange Einnahme von Immunsuppressiva mit den entsprechenden Risiken nach sich.

Eine wichtige Limitation beider Methoden ist der Mangel an Spenderorganen. So versucht die Forschung, Stammzellen zu gewinnen, die sich zu insulinproduzierenden Zellen weiterentwickeln.

Therapeutische Verfahren mittels Stammzellen, welche zu insulinproduzierenden Betazellen ausdifferenziert werden sollen, sind derzeit Gegenstand intensiver Forschungsprojekte zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Verfahren befinden sich aktuell noch in der Forschungsphase und sind keinesfalls als ausgereift oder sicher für die Patientin oder den Patienten zu betrachten. Daher steht derzeit kein erprobtes Stammzellverfahren für die Therapie des Diabetes zur Verfügung.

Eine weitere alternative Zellquelle stellen Betazellen aus Schweine-Bauchspeicheldrüsen dar. Diese Verfahren sind sehr vielversprechend und erste klinische Pilotstudien sind hierzu in der Planung. Aber auch hier gilt: Bis zu einer routinemäßigen Verfügbarkeit dieser Therapiealternative wird es noch Zeit brauchen.

Patientinnen und Patienten mit einem absoluten Insulinmangel, welche mit Insulingaben oder einer Insulinpumpe nicht hinreichend zu behandeln sind und unter häufigen und schweren Entgleisungen des Blutglukosespiegels leiden, wird am Universitätsklinikum Dresden ein Inselzelltransplantationsprogramm angeboten.

Im Bereich "Leben mit Diabetes" finden Sie weitere Informationen zur Betazellersatztherapie

Quellen:

Ludwig, B. et al.: Favorable outcome of experimental islet xenotransplantation without immunosuppression in a nonhuman primate model of diabetes. In: Proc Natl Acad Sci USA, 2017, 114: 11745-11750
Pepper, A. R. et al.: Clinical islet transplantation: is the future finally now? In: Curr Opin Organ Transplant, 2018, 23: 428-439
Stand: 21.10.2020